Poolbar Blog

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Der Bericht zur poolbar architektur 2008

Gib uns Deinen Stuhl!

Der poolbar architektur wettbewerb 2008 brachte ein erfrischend anderes Siegerprojekt: Die poolbar architektur 2008 bezieht die Gäste ein und spielt mit Vereinheitlichung ganz anders als im 08/15-Sinn.

1. Preis: stuhlbar

„Innovation statt Materialschlacht" war eines der wesentlichen Kriterien der Ausschreibung, das sich Simone Harbert und Johannes Albert besonders zu Herzen genommen haben; Im Zentrum des Entwurfes steht eine einfache Idee, die mit einfachen Mitteln umgesetzt wird: Sie widmen die Gestaltung nicht einem „Motto" oder einer Geschichte, die - so wie öfters in den Gestaltungen der vergangenen Jahre - phantasievoll und üppig illustriert wird, sondern am Beginn steht die Einbeziehung der poolbar-Besucher und der Wunsch nach Nachhaltigkeit: Im Vorfeld werden Menschen aufgefordert, ausgediente Möbelstücke zur Verfügung zu stellen. „Das Sammelsurium an individuellen Stühlen verschmilzt durch Einfärben der Stuhlbeine im gleichen belebenden Magenta-Ton mit dem Boden. Auch bestehende Möbel und Bars der Vorjahre werden so in das neue Gestaltungskonzept integriert." Dieses Einfärben nimmt auch Bezug auf den „Kopflosen", eine Art Maskottchen und gleichzeitig Logo des poolbar-Festivals - das einzig über all die Jahre immer unverändert wiederkehrende Gestaltungselement des poolbar-Festivals. Auch das „heimliche Thema" des Jubiläumsfestivals, „08/15" (die Auseinandersetzung mit der Norm - siehe auch poolbar kunst wettbewerb) kann hier entdeckt werden: Das Einfärben höchst unterschiedlicher Elemente und persönlicher Beiträge ist als Normierung und Vereinheitlichung bzw. als verbindendes Element zu interpretieren. Ist es eine Warnung vor der Normierung oder ein Lob der Normierung?

Die Decken werden von abgehängten Stofflamellen ausgeblendet - dieser „Himmel" beeinträchtigt das Raumvolumen nicht, gliedert (wo sinnvoll und erwünscht) im Zusammenspiel mit variabler Lichtgestaltung die Räume, schafft aber gleichzeitig homogene Räume und verbessert die Akustik. Dieser völlig neue Gestaltungsansatz - ausgehend von einem Nachhaltigkeitsgedanken, einer Interaktion mit dem Publikum und der Reduktion auf einfachste Mittel in Kombination mit bestens durchdachten Gestaltungselementen, die einen funktionellen Mehrwert bieten, überzeugte die Jury vollends.

2. Preis: die antichromophoben

Auch Sabine Gubi (Innsbruck) und Stephanie Engstler (Bürs) setzen auf Interaktion: Besucher hinterlassen Spuren, können mitgestalten. Die Räume selber werden jeweils von anderen „antichromophoben" dominiert. Antichromophoben sind künstlich erschaffene, der Urwelt entstiegenen Fabeltiere. Märchenhaften Phantasiefiguren mit Bezug zur realen Welt. Bemerkenswert: die schöne grafische Umsetzung.

3. Preis: ein Satz heiße Ohren

Gugismus Grönland (Peter Griebel, Marc Ihle, Stefan Strappler, Michael Zopf, Innsbruck). Mit einem phantasievollen, rauchgeschwängerten Erzählstil wird zunächst der Einstieg in einen poolbar-Abend geschildert: die Möblierung der Stadt mit poolbar-beschrifteten Türen und dahinter liegenden Minioasen der Gemütlichkeit. Sehr schöne (und auch werbewirksame) Idee. Die Gruppe beeindruckte die Jury aber v.a. mit der Gestaltung des Wohnzimmers, das nicht mit einzelnen Möbelobjekten verstellt wird, sondern gestaltet eine fast organisch wuchernde Nutzobjektmasse, die sich an neuralgischen Punkten über die strenge Struktur des Alten Hallenbades legt. Sehr beeindruckend - leider aber wurde dieses Konzept nicht stringent auch in den anderen Räumen durchgezogen.

Anerkennung
...und wenn sie nicht gestorben sind...
Einreichende: Silvia Keckeis, Karoline Mühlburger (Röthis)
Für alle Bereiche werden wunderschöne Grafiken vorgeschlagen, die in jedem Raum in eine andere Märchenwelt entführen. „Überdimensionale Illustrationen, 3D Märchenwände und schwarze Luster unterstützen die märchenhafte Stimmung." Leider beschränkte sich der Gestaltungsvorschlag im Wesentlichen auf 2 Dimensionen.

Anerkennung
pixelpoolEinreichende: Ralph Buechel, Steffen Blunk (Biel)
„Die Bar steht als Bar im Zentrum des Hauses und dient dem pool. Die Zirkulation ist freier, die Spezialräume umso definierter." Ein großartiger Ansatz, mit dem die Einreichenden Mut und Intelligenz bewiesen, nicht nur oberflächlich, sondern auch raumgestalterisch-funktional einzugreifen. Das entstehende Restwohnzimmer allerdings wirkte ein wenig beengend, und die Gestaltung insgesamt hätte eines weiteren Entwicklungsschrittes bedurft.

Anerkennung
I don‘t wanna grow up
Einreichende: Gerhard Girsch, Denise Schulderbacher (Wien)
„Unser Entwurf sieht vor das Gebäude roh zu belassen und mit räumlichen Installationen zu arbeiten." Hier wird gemacht, was im Zuge des Erwachsenwerdens verpönt ist und verlernt wird: es wir gespielt - sehr wohltuende Idee. Die Jury war jedoch nicht überzeugt, ob die Idee und deren effektive Umsetzung den Ansprüchen über 6 Wochen gerecht werden kann.

Anerkennung
poolbar Aufgeschäumt
Einreichende: Nicole Heinzle (Feldkirch), Ulrike Gabriel (Graz)
Schlichte, elegante Schönheit machen die Faszination des Projektes aus: Speziell die Fassadenprojektion mit der Struktur fünfeckigen Elementen, abgewandelt von den Formen aneinanderhängener Schaumblasen, ist ein Eyecatcher ohne Ablaufdatum. Das Grundprinzip hätte aber wohl variiert gehört, um zu bestehen.

Anerkennung
Die Poolbar, ist es Liebe?
Einreichende: Katharina Weistroffer, Richard Fulton (Zürich)
„In allen Räumen sind - wild durcheinandergewürfelt - Zeugen früherer Festivals vertreten. Bewährtes soll erhalten, Vergessenes wieder aufgegriffen und Verlorenes teilweise rekonstruiert werden. Alle Einrichtungsgegenstände werden komplett vergoldet und mit ihrem Jahrgang beschriftet." in schönes Konzept, das die Vergangeheit elegant zusammenfasst und ins Jetzt transformiert, ohne peinlich nostalgisch zu wirken. Die Idee bietet auch genügend Flexibilität, um sie den jeweiligen Raumfunktionen anzupassen. Nur: Das Siegerprojekt - im Ansatz nicht unähnlich - war überzeugender und vielschichtiger.

Mehr dazu: kompletter Jurybericht zum Wettbewerb 2008: Download

 

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