Poolbar Blog

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OK Go im Konfettiregen

von Reiner Kapeller
Sehr amerikanisch

Ihr Auftritt hatte beinahe präsidialen Charakter: Die Farben, die Kostüme, das ganze Drumherum sorgte für Staunen unter den Besuchern der Poolbar. Eines muss man OK Go lassen: Wie kaum eine andere Band verstehen sie es eine durch und durch perfekt inszenierte Show zu liefern.

Da wird schon einmal ein bewusst aufgesetzter Disput unter Bandkollegen zum Mittelpunkt des Konzerts. Im nicht ganz klassischen Sinne einer Intermission geht die Musik zur Mitte des Konzerts über in ein Abenteuervideo des Bassisten Tim Nordwind, das ihn dann wenige Minuten später aus entfernten Sphären wieder zurück auf die Bühne schweben lässt. Die Band ist wieder vereint, Nordwind hat die Safari hinter sich und trägt von nun an einen kosmischen Umhang. Einem derartigen Ideenreichtum kann man nur euphorisch begegnen.

Das gesamte Konzert glich einer einzige Choreographie, zeitweise durfte man sich gar versemmelt vorkommen. Das wirklich überraschende an diesem Abend war dann aber, dass der Auftritt zu keiner "One Band Show" verkam. OK Go spulten nicht einfach einen Film vor unseren Augen ab, sie elektrisierten den Draht zum Publikum, behielten eine (wiederum sehr amerikanische) Lockerheit, und konnten an diesem Abend voller Überraschungen nur gewinnen.

Bis zur Konzertmitte hätte ich mir diesen Umstand und Wandel nicht erwartet. Denn eines wurde mir mit fortschreitender Dauer klar: Allein wegen der Musik werde ich OK Go nie in bleibender Erinnerung behalten. Auch wenn ihr Power-Pop live nochmals kompakter und kraftvoller daherkommt, im Gegensatz zu den einnehmenden Francis International Airport wurde hier nur an der Oberfläche gekratzt. Da ist vieles nett und eingängig, aber dafür verflüchtigt sich das meiste auch schneller, als der Band lieb sein mag.

Dieser Umstand zählt nur bedingt als Kritik, denn OK Go sind keine Band im klassischen Sinne, sie sind Performance-Künstler in Perfektion, Männer in farbenfrohen Anzügen und Sinnbild einer neuen, von DIY-Ästhetik euphorisierten Generation. OK Go sind zugleich Vorreiter und Alleskönner, was zwangsläufig nicht bedeuten muss, dass sie alles gleich gut können (müssen).

Aber das ist neidisches, oberflächliches Gesudere, denn eines bot dieser Abend und diese Band allemal: Unterhaltung in ihrer reinsten Form, zum ersten Mal endlich auch in Österreich. Prädikat: Besonders wertvoll!

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von Lukas Ortner


Regen. Nasse Schuhe, nasse Jeans, nasse Haare. Der einzige sich in meinem Besitz befindliche Schirm hat kurz nach Feldkirch Bahnhof den Geist aufgegeben. Ein weiterer Abend beim poolbar-Festival: Francis International Airport und Ok Go.

Positiv überrascht, wie reibungslos die Sache mit der Gästeliste und das sonstige Ankommen verlief (an dieser Stelle ein Lob an die poolbar-Crew), fand ich mich nach kurzem Wohnzimmer-Check in der sehr gut gefüllten Halle wieder. Pünktlich zum Beginn einer gut einstündigen „Tortur" voller wunderbarer Musik, die bestimmte Momente, Gefühle und Situationen doch nicht so vergessen machte, wie sie gerne wären - pünktlich zu Francis International Airport. Als Kick-Off mein absoluter Favorit „All Your Lines End In Me", schaffte es die 5-köpfige österreichische Band mehr als nur zu überzeugen. Vor mehr als einem Jahr konnte ich mich schon glücklich schätzen, diesen Geheimtipp an sentimentalem Indie-Pop im Spielboden zu sehen, was mich noch gespannter auf ihren poolbar-Gig machte. In typischer, aber doch unerwartet noch besserer Manier, füllte der Sound von FIA langsam die Halle und machte eindeutig Lust auf mehr.

Die Erwartungen waren hoch, kannte ich Ok Go doch eigentlich (wie viele an diesem Abend) grundsätzlich nur von ihren herausragenden Videos, die vor Kreativität, dem unvergleichlichen „Einfachheits-Touch" und der trotz allem verdammten Perfektionalität strotzen. Gespannt, wie die Bühnenshow arrangiert werden würde, fand ich es mehr als gut, dass Ok Go an einer unspektakulären aber trotzdem guten Performance festhielt. Mit zwei Papierschnipsel-Kanonen, für mich eine poolbar-Premiere, zwischenzeitlich „Austria, how are you?"-Geschreie und Sound vom Feinsten, konnte die amerikanische Rockband mit Einflüssen wie Cheap Trick, Queen oder T-Rex mit einer kompakten Show überzeugen. Für diejenigen, die Ok Go als Laufband-Tänzer und Hunde-Dresseure kannten, war der Abend wohl anders als erwartet, ber, nichtsdestotrotz: der Sound stimmte. Er passte. Und das fand auch das Publikum. Knapp 1 Stunde und 45 Minuten schallte neue Musik, gepaart mit 70er-Soli und 80er-Flair durch die gesteckt volle Halle des Alten Hallenbades.

Fazit: Auch wenn Ok Go vielleicht unerwartet zurückhaltend und FIA unerwartet kommunikativ waren, der Abend war trotz Regen und Sauna-Atmosphäre (egal wo) ein weiterer, erinnerungswürdiger Moment des 18. poolbar-Festivals. Here it goes again. Wortwörtlich. Und man ist gepannst auf das nächste Mal.


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Die gesamte Galerie mit noch viel mehr Konfetti gibt es HIER zu sehen.

Die Fotos von Daniel Furxer gibt es HIER.
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