Poolbar Blog

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FM4-WE: Höhepunkt!

von Lukas Ortner

Den ersten Wochenend-Abend für mich dieses Jahr in der poolbar konnte ich kaum erwarten. Denn eines war das legendäre FM4-Wochenende noch nie: enttäuschend. Nach dem Gang durch die Feldkircher Innenstadt und einem kurzen Zwischenstop am Ufer der Ill fand ich mich im Wohnzimmer bei gemütlichem Sound, neuen und alten Gesichtern wieder. You're at home, baby. Mit Kommando Elefant, Get Well Soon und Attwenger.

Nach einem kurzen, schmerzlosen „Hallo" begann der Abend mi der Zeile „Die Bar ist scheiße, das Bier ist warm. Die Musik ist schlecht und jedes Mädchen hat den Freund im Arm.". Unvorteilhaft? Nicht bei Kommando Elefant. Mit „goscherten" Texten zwischen Humor und Tragödie, Leid und Euphorie untermalt von Musik, die sich an Spielregeln hält, spielte sich die Band durch die mehr als gut gefüllte Halle der poolbar. Nach kurzer Aufwärmphase on und off stage war an ein ruhiges Stehenbleiben (zumindest in den vorderen Reihen) nicht mehr zu denken. Melancholie in Form von „Wenn ich dich sehe bleibt mein Herz stehen" oder „Letzter Sommer" gipfelte in dem Hit „Alaska", welcher vom poolbar-Publikum massiv unterstützt wurde. Bilder einer Rentner-Kreuzfahrt oder eines Senioren-Tanzes schossen mir durch den Kopf, ein Resultat des Bossa-Nova-Pop-Rocks von Kommando Elefant und ihrer wunderbaren Visuals. Auf jeden Fall ein guter Opener für den Abend.

„Hallo, wir sind Get Well Soon und freuen uns sehr, hier beim Gauklerfestival Feldkirch dabei sein zu dürfen." So begann mein persönliches Highlight des Abends. Get Well Soon alias Konstantin Gropper mit Unterstützung in Form einer fünfköpfigen Band und allem möglichen an Instrumenten. Mit „Listen! Those lost at sea sing a song on Christmas Eve" begann ein musikalischer Höhenflug der Superlative. Gropper, seines Zeichens klassisch ausgebildeter Musiker, zog die nun überfüllte Halle mit sich, zog sie in seinen Bann. Der Sound geschwängert mit Emotionen, getragen auf bis zu sechsstimmigem Gesang, Vibraphon und Violine gaben sich die Ehre. Mit welcher Band lässt sich Get Well Soon vergleichen? Schwer zu sagen. Muss man ja auch nicht immer. Wer melancholischen Indie-Pop mit einem Hauch Morrissey oder The Smiths, Owen Pallett oder teilweise sogar Beirut will, sollte sich so einen Abend nicht entgehen lassen.Wer es jedoch verpasst hat, wird nicht so schnell die Möglichkeit haben, das nachzuholen. Der poolbar-Gig war eines von sechs Konzerten 2011, und eines von zwei in der Originalbesetzung. Wie schon beim Debüt-Album „Rest now weary head, you will get well soon", an dem er drei Jahre im Alleingang arbeitete, wird sich Gropper mit Band zurückziehen um am Nachfolgewerk von „Vexations" zu arbeiten. Man darf gespannt sein. Der Abend wurde mit „We are ghosts" und den Worten „Vergesst uns nicht." beendet. Keine Sorge. Werden wir nicht.

Immer noch elektrisiert von Get Well Soon wartete ich gespannt auf den Headliner: Attwenger. Minimalistischer Rock'n'Roll mit volkstümlichem Einfluss. Ein Schlagzeug, eine steirische Harmonika gepaart mit Effekt-Geräten. Wie schon die vorigen Bands übernahmen Attwenger den Soundcheck selber. Die zwei Oberösterreicher Markus Binder und Hans-Peter Falkner entwickeln schon seit 1991 den sehr komplex ausgearbeiteten Sound, und auch nach 20 Jahren können sies noch. Es war nicht greade verwunderlich, dass die poolbar-BesucherInnen sich immer mehr mitreißen ließen. Die treibenden Schlagzeug Beats, die in Mundart daher gebrabbelten Texte und die verzerrten Harmonika-Sounds sind Garant für Tanz-, Jubel- und Lach-Anfälle. Sound für Jung und Alt, wie man sagt. Schon sehr auffallend beim Betreten des Wohnzimmers war der Altersdurchschnitt am letzten Abend des FM4-Wochenendes höher als sonst. Ich hätte beinahe erwartet, meinen Vater anzutreffen. Attwenger schafften es, das Publikum als Kollektiv zu vereinen und ihm den Sound schmackhaft zu machen. Locker gekleidet in kurzen Hosen sah man auch ihnen an, dass sie sich offensichtlich freuten, in der poolbar zu sein. Nach endlosen Vorarlberg-Dialekt-Versuchen in Form von „Tuand amol khörig!" legten Attwenger noch nach und brachten ihren „Smash-Hit" „Shakin my brain". Die Halle bebte. Obwohl es schlussendlich dann doch ziemlich spät war, ließ es sich die Band nicht nehmen und gab Zugaben. Verständlich, bei dieser Stimmung.

Auch ein FM4-Wochenende geht einmal zu Ende, sei es noch so gut.
Fazit: Ein musikalischer Supergau.
Und man freut sich auf nächstes Jahr.

1 Kommentare
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Userimagesmall
Manche Dinge sind bei den Reviews schon ein bisschen verklärt: Das Publikum war noch nie so ruhig wie dieses Jahr. "Rumstehen ist das neue Tanzen" - "Und quatschen das neue Schweigen" Mag wahrscheinlich nach wie vor daran liegen das man nach dem Tanzen "klatschnass" ist , oder dem steigenden Altersdurchschnitt der Poobarianer zuzurechnen ist. Das Gerede während der ruhigen Phasen von Get Well Soon war schon sehr störend. Kurzum, der Abend war super, das Publikum sollte sich noch ein wenig entwickeln.
MisterGarage, 01.08. 11:45 h