Poolbar Blog

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Scott Matthew reicht Nachschlag

von Lukas Ortner

Ein anderes Musikspektakel boykottierend begab ich mich erneut an einem Donnerstag Abend nach Feldkirch. Vielleicht lag es an den dieses Mal helleren Visuals oder an der Uhrzeit, zu der ich erst auftauchte (danke, ihr lieben Öffis), aber die poolbar erstrahlte in neuem Licht: ähnliche Gesichtsbehaarung schien im Publikum einen Wettkampf zu bestreiten und ein Meer aus Holzfällerhemden erstreckte sich über das Gelände: Scott Matthew, supportet von Sir Tralala.

Auf letzteren wurde ich durch den wohl besten Radiosender überhaupt aufmerksam, welcher Sir Tralala als neues Wunder"kind" Österreichs bezeichnete. Gespannt erlebte ich eines der intensivsten Konzerte der letzten Zeit. Den Oberkörper von einem Hemd mehr schlecht als recht bedeckt, startete der gebürtige Kärntner und Wahl-Wiener den Abend mit einer geballten Ladung Extravaganz. Angst. Hass. Trauer. Wut. Joe-Cocker-Tanzstil. Und unzählbaren anderen Dingen. Mich persönlich erinnerte der Sound stark an Dead Western, die Show hingegen an Soap & Skin. Seiner grandiosen Version des Songs „Mercy Seat" (geschrieben von Nick Cave) folgte „der letzte Song", welcher aus drei solchigen Bestand und in „Somewhere Over The Rainbow" und den Worten „Ich wünsche Ihnen heute noch ein großes musikalisches Vergnügen" schließlich ein Ende fand. Harte Kost. Gute Kost.

Geboren in Australien, wohnhaft in New York, musikalisch irgendwo zwischen Bon Iver und The Cure. The Smiths? Auf jeden Fall etwas, das schmerzt. Mit Bart, Rotwein und Unterstützung in Form von Gitarre, Chello und Gesang vereint in einer Person, ging der Abend weiter mit Scott Matthew. „The next song is called 'Hope' although it doesn't sound like hope, but it's actually a really positive song." Der Pool - endlich wieder einmal - war gut gefüllt und eines muss hier erwähnt werden: Es war wahrscheinlich die beste Zuhörerschaft, die ich je erlebt habe. Das ist bei Singer/Songwriter-Konzerten immer ein bisschen schwierig, aber die liebe poolbar schafft es immer wieder: Man fühlt sich wohl.

Unpassend zu der Melancholie, Nostalgie, dem Schmerz, der Sehnsucht, welche Scott Matthew in seine Songs packt, war er zwischenzeitlich sogar „very entertaining". „The next song is called 'Duett'. And it also is a duett. As you see, I'm very bad at coming up with song names.". Songs vom neuen Album „Gallantry's Favourite Son" wechselten ab mit denen von „There Is An Ocean That Divides And With My Longing I Can Charge It With A Voltage That's So Violent To Cross It Could Mean Death". Noch spezieller als seine Lied- und Albumtitel war Matthews Rihanna-Cover-Zugabe. Und trotzdem hatte ich mir doch irgendwie mehr erwartet, denn anders als beim 2009-Gig kam Matthew beinahe solo, was den Songs nicht recht zugute kam. Nichtsdestotrotz war es ein gutes Konzert und wem sich die Möglichkeit ergibt, einen (oder besser gleich beide am selben Abend) der Herren live zu erleben, sollte sich das nicht entgehen lassen.

Das volljährige poolbar-Festival geht nun in die letzte Runde - aber diese hat's noch in sich!

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