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Züricher Clubs im Interview: Zukunft

erschienen auf thegap.at

Zürich hat im Verhältnis zur Fläche der Stadt und deren Bevölkerung die größte Clubdichte aller europäischen Städte. Behaupten Tourismusverein und Stadtmarketing einfach mal. Berlin, London und Paris wenden dagegen nichts ein. Aber: Was genau unterscheidet die größte Stadt der Schweiz von Wien und deren Clublandschaft? Im Interview mit Alex Dallas, Betreiber des Club Zukunft und davor Mitverantwortlicher bei der Dachkantine und hat sonst noch die Hand bei dem Label Drumpoet Community drauf. Im Interview schildert er die örtlichen Gegebenheiten und weißt auf mögliche Stärken und Schwächen hin.

 

Inwieweit würdest du Zürich und Wien als Feierstädte vergleichen? Was sind Ähnlichkeiten, was die größten Unterschiede?

Ich kenne Wien zu wenig um einen Vergleich anzustellen. Mein letzter Gig war am Sound:frame Festival und war unvergesslich. Ich war begeistert vom Wiener Publikum, sie waren sehr euphorisch und enthusiastisch. Aber auch in Zürich kann man ordentlich zu guter Musik feiern. Zürich ist wohl eine der pulsierendsten Partystädte Europas.

Gibt es in Zürich Sperrstunden wie etwa in Wien (Ende der Parties um 6.00 Uhr)?

Es kommt auf den Kreis (Bezirk) an. Jedoch befinden sich viele Clubs in Zonen, in denen man eine 24 Stunden Bewilligung bekommt.

In Wien gibt es die Vergnügunssteuer. Das heißt der Veranstalter muss einen gewissen Prozentsatz (10-20%) des gesamten Eintrittspreises abführen. Gibt es derartiges oder ähnliches in Zürich oder überhaupt in der Schweiz?

Die Urheberschutzgesellschaft Suisa, verlangt eine sehr kleine Gebühr für die Ausstrahlung von Musik, ansonsten gibt es noch die Mehrwertsteuer aber keine Veranstaltersteuer in dem Sinne.

Du bist selbst Clubbetreiber, warst davor in der Dachkantine nun in der Zukunft tätig. Wie schwierig aus bürokratischer Sicht es einen Club zu eröffnen und dann zu führen? Kommt die Stadt einem da entgegen, weil man zum Beispiel als Unternehmer für neue Arbeitsplätze sorgt oder werden einem eher Steine in den Weg gelegt, weil diese "Raves" nicht gerne gesehen werden?

In Zürich ist es betriebswirtschaftlich nicht schwierig einen Club zu betreiben. Die Stadt behandelt dich meist ganz normal wie jedes andere Geschäft. Die Problematik liegt eher in der Lärmbelästigung und dem gesamten Bild, das ein Club in einem Quartier darstellt. Wir haben diese Probleme glücklicherweise nicht mehr.

Gibt es deiner Meinung nach so etwas wie "Easyjetraver" die auch nach Zürich kommen?

Nicht wirklich viele, da Zürich unglaublich teuer ist.

Berlin galt und gilt nach wie vor als Europas Feierhochburg. Seit ein paar Jahren war und ist Zürich hoch im Kurs. Nun erscheint auch Wien langsam auf der Karte. Wie siehst du das?

Ich sehe das ähnlich. Das Feedback ausländischer Gäste ist immer sehr positiv diesbezüglich. Aber Berlin setzt da definitiv noch viel ausschweifendere Massstäbe.

Ich habe gehört, dass man als Veranstalter in der Alten Börse am Gewinn der Bar beteiligt ist. In Wien gibt es so etwas nicht. Dort zahlt der Veranstalter Miete mit allem drum und dran und bekommt keinen Cent von der Bar. Ist das in Zürich so üblich? Was hälst du davon?

Ja das ist in Zürich, zumindest in vielen der Underground-Clubs, üblich, dass die Veranstalter am gesamten Erfolg aber auch Verlust beteiligt.

Was für Abgaben zahlt man als Clubbetreiber in Zürich an den Staat?

Die üblichen Steuern.

Zürich und die Schweiz generell haben eine sehr liberale Drogenpolitik? Gibt es so etwas wie Razzien in Clubs?

Ja die gibt es, aber äusserst selten.

Was braucht deiner Meinung nach eine Großstadt damit eine vernünftige Clublandschaft entstehen kann?

Viele enthusiastische und motivierte Macher, gute DJs aus verschiedenen Genres und am wichtigsten Menschen die gerne tanzen!

Wie hoch sind in Zürich generell die Eintrittspreise und wonach richtigen sich diese?

Üblich sind Preise zwischen Fr. 15.- bis Fr. 25.- (ca. € 12.- bis 21.-)

Zürich ist wie Wien eine dicht verbaute Stadt. Entstehen trotzdem neue Clubs und die Stadt setzt sich dafür ein oder werden die Leute einfach erfinderischer oder beides?

Es gab im letzten Jahr, mehr als fünf neue Clubs. Die Stadt unterstützt das aber nicht aktiv.

Gibt es in Zürich wie in Wien ein Rauchverbot in den Clubs? Wenn ja, wie wird dieses gehandhabt; so wohl von Seiten der Clubbetreiber als auch von Seiten der Stadt?

Da gibt es gesetzliche Vorlagen die man erfüllen muss, aber man hat die Möglichkeit ein Fumoir zu errichten. Dies darf nicht grösser als 30% der Gesamtfläche sein. In unserem Fall vom Club Zukunft, mutiert die Bar3000, nach Mitternacht zum bedienten Fumoir, oftmals auch mit DJs und kleinen Konzerten.

Vielen Dank!

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