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Die lange Nacht des Missbrauchs

von Werner Schröttner, erschienen in The Gap

Hört man sich die letzten Papst-Aussagen zum Missbrauch von Minderjährigen oder die Vorwürfe gegen die Klasnic-Kommission, sie würde hohe Würdenträger schützen an, so scheint niemand an einer lückenlosen Aufklärung der Missstände in der katholischen Kirche interessiert zu sein. Offenbar braucht es wirklich bewusst provokant inszenierte Veranstaltungen wie die “Lange Nacht des Missbrauchs” (6. Oktober am Wiener Stephansplatz), um öffentlich Druck auszuüben.

Wie müssen sich Missbrauchsopfer fühlen, wenn der Papst bei seinem Besuch in Deutschland zum sexuellen Missbrauch vieler Minderjähriger durch Geistliche sagt? “Gefährlich wird es, wenn diese Skandale an die Stelle des primären Skandalon des Kreuzes treten und ihn dadurch unzugänglich machen, also den eigentlichen christlichen Anspruch hinter der Unbotmäßigkeit ihrer Boten verdecken.” Selbst wenn hier eine Entschuldigung versteckt sein sollte, so verstehen diese nur eingefleischte Vatikankenner.

Gleichzeitig tauchen neue Vorwürfe gegen die Klasnic-Kommission auf. Ein Missbrauchsopfer und die Plattform Betroffener kirchlicher Gewalt werfen ihr vor, ranghohe kirchliche Würdenträger zu schützen. Die heute 45-jährige Frau bekam zwar Entschädigung für den Missbrauch durch einen Franziskanerpater, doch der zweite Übergriff durch einen hochrangigen Geistlichen bleibt ungesühnt. Der Grund: Die Frau war zum Zeitpunkt der Tat bereits volljährig.

Aktions-Veranstaltung
Die Initiative Volksbegehren gegen Kirchenprivilegien und die Plattform Betroffener kirchlicher Gewalt wollen mit der Langen Nacht des Missbrauchs jetzt aufzeigen, dass es viele Menschen in Österreich gibt, die für die Verharmlosung nach wie vor herrschender Gewaltstrukturen in Staat und Kirche kein Verständnis haben.

Von 17:30 Uhr bis 2:00 Uhr wollen sie mit Wortmeldungen von Betroffenen, einer Podiumsdiskussion mit Therapeuten, Vertretern von Betroffenen, Politikern und Repräsentaten von Religionsgemeinschaften sowie Lesungen, Performances und Konzerten von Künstlern (u.a. Hubsi Kramar, Erwin Steinhauer, Gerhard Haderer, Christine Werner und Stephan Rabl) für mediales Aufsehen sorgen.

Ein Abend, der – wie es in der Presseaussendung bereits heißt – sicher kein vergnüglicher Ausflug ist. Aber anders ist Aufklärung in Österreich offenbar nicht möglich.

Lange Nacht des Missbrauchs
Do., 6. Oktober 2011
17:30 Uhr – 2:00 Uhr
Stephansplatz, Wien
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