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Nächster Halt: Gravity

Fast zwei Jahre ist es her, dass sich die Pilots. mit der EP "Our Taxidermic Tongues" erstmals vorstellten, über die seitdem geschehenen Neuerungen spricht die Band im Interview, von "taxidermic tongues" keine Spur. Live zu sehen am FM5-Geburtstagsfest!
von Julius Schlögl und Elisabeth Voglsam, erschienen auf fm5.at


Das Café phil ist eine Art Bollwerk gegen die vielen Grausamkeiten des Advents. Gehetzte, mit Plastiktüten bewaffnete Menschen sucht man hier vergeblich. Man vermisst sie auch nicht. In dieser entspannten Atmosphäre haben die Pilots. zum Gespräch über ihr neues Album geladen.

Komplexer, aber poppig

Dass man als Trio, namentlich Matthias, Fabian und Hannes, angetreten ist, erweist sich dabei gleich zu Beginn als Vorteil. Die Frage, was denn genau den neuen Stil der Band ausmache, findet nämlich in vorbildlichem Teamwork Beantwortung: Weniger Post-Punk, vielschichtigere Arrangements statt zackiger Direktheit, mal flächiger, mal songorientierter, generell weniger Gitarreneinsatz, dafür häufiger Mehrstimmigkeit.
Eine sehr heterogene Mischung also, der Bassist Fabian dennoch eine sinnvolle Klammer verpassen kann: Komplexer, zugleich aber auch poppiger - das darf man vom neuen Album erwarten.

Diese stilistische Weiterentwicklung war einerseits geplant, einen wesentlichen Anteil daran hatte zudem aber die Neubesetzung der Rhythmus-Abteilung, also immerhin der halben Band. Um mit weisen Worten um sich zu werfen: Ein Ende ist eben immer auch ein Neuanfang.
In diesem Licht kann auch die im Sommer erschienene Remix-EP zu Our Taxidermic Tongues gedeutet werden. Sänger Mathias spricht von einer gewollten Neuinterpretation, vor allem aber auch von einem Abschluss mit dem alten Material. "Wir wollten zeigen, was wir waren, wohin sich unsere Musik inzwischen verändert hat und welche Richtung wir jetzt eingeschlagen haben."

Aus diesen Worten spricht der Geist einer Band, die sich zum Einen nicht auf einen Sound festnageln lässt, zum Anderen mit der eigenen musikalischen Vergangenheit produktiv umgeht und neu kontextualisiert.
Man spiele auch mit dem Gedanken, den markanten Punkt im Bandnamen abzulegen, er sei in seiner Bedeutung nicht überzubewerten und außerdem völlig "randomly" gewählt. Man wisse ja nie, ob nicht eines Tages der Anwalt einer anderen Pilots-Band auf der Türmatte stehe und mit der Copyright-Klage in der Hand winke.
Nachdem ein Rechtsstreit um den Bandnamen bis heute ausgeblieben ist, stellt die Abschaffung des Punktes wohl ein geringes Risiko dar...

Der Text, ein Mysterium

Als solches empfindet Mathias es hingegen sehr wohl, die eigenen Texte zu erklären und damit zu entzaubern. Man solle Texte nicht totdiskutieren, viel interessanter sei es, wenn sich ein Text einem bei jedem Hördurchgang mehr und mehr erschließe, neue Wendungen erfahre und somit immer ein bisschen in der Schwebe bleibe.
Ihm selbst gehe so, wenn er die Texte des neuen Albums (betitelt: Gravity, Oh) hinsichtlich gewisser Aspekte durchgehe, gewisse Bilder rekonstruiere und dabei Bezüge bemerke, deren Entstehung unbewusster Natur sei.
Was er mit seinen Texten bezwecken wolle, sei eine Visualisierung der Musik, also ein mit Sprachbildern arbeitendes Gegenstück zur tonlichen Ebene. Im Übrigen hätte er es schon ersucht, konkreter zu texten, was aber stets in Assoziativem und in der Folge wenig Explizitem geendet hätte.

Wie geht es dann den übrigen Bandmitgliedern mit den Texten? Hannes und Fabian meinen auf diese Frage hin beide, dass sie zwar aufgrund der persönlichen Beziehung zum Textautor wesentliche Teile zu verstehen glauben, aber oft auch vor sinnbildlich "verschlossenen Türen" stehen und ihre Gesangsparts daher oftmals eher lautmalerisch verstünden.

"Eh ganz lieb"

Wenig Verständnis gibt es auf Seiten der Band für die weitverbreitete Fokussierung auf die Herkunft eines künstlerischen Projekts. Abgesehen davon, dass Rezensionen á la "für eine österreichische Band eh ganz lieb" eine fast beleidigende Abwertung darstellen würden, sei die Kategorie "Herkunft" völlig irrelevant. "Wenn eine Band cool ist, dann muss egal sein, ob sie aus New York oder Österreich kommt", fordert Hannes und meint weiters, dass er überhaupt keinen Wert darauf lege, von jemandem nur wegen seinen österreichischen Wurzeln gehört zu werden.

Wer weiß, vielleicht hat der künstlerische Änderungswille der Pilots. dann auch damit zu tun, dass man reduzierte Statements wie "die Bloc Party Österreichs" satt habe?
Verstehen kann man das definitiv, es gibt wohl wenig Unbefriedigenderes als ständig auf seine musikalischen Einflüsse angesprochen zu werden, ohne als eigenständiges Projekt wahrgenommen zu werden.

"Momente, die dir keiner nehmen kann"

Wenn man den Pilots. so zuhört, dann kommt man vom neuen Album fast ins Schwärmen, ohne eine einzige Sekunde desselben gehört zu haben. Das Quartett ist von seinem Weg überzeugt und weiß dies auch zu vermitteln. Was ihnen wichtig ist, merkt man sofort, ebenso, was sie mit ihrer Musik nicht bezwecken wollen.

Wo der Höhenflug der Pilots. hingehen soll? Nun, große Erfolge einzufahren ist gar nicht so das groß erklärte Ziel. Vielmehr will man viel herumkommen und neue Leute kennenlernen, um sich stets weiterzuentwickeln: "Wenn du irgendwo spielen kannst, wo du noch nie warst und nach dem Konzert kommt jemand zu dir und erzählt dir, was deine Musik ihm bedeutet, dann hast du gewonnen. Das sind die Momente, die dir keiner mehr nehmen kann." Und das wiege die erschöpften Wochen nach einer Tour, das Schlafen auf Fußböden und die anderen Anstrengungen zehnmal auf.

Dass das FM5-Geburtstagsfest einmalig wird, steht für die Band deshalb schon fest: "Eine interessante musikalische Mischung, ein tolles Datum und die Chance, vor einem bunt gemischten Publikum viele neue Songs zu spielen", das erwarten sich die Pilots. von der Party im B72. Und diesen Wunsch wird man ihnen mit größter Freude erfüllen.

FM5 Geburtstagsfest
mit Cherry Sunkist, Pilots. und The Helmut Bergers
05.01.12 B72, Wien
VVK: 8€ AK: 10€

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