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Roboter, die von Elektroschafen träumen

von Christian Schachinger, erschienen auf derstandard.at

Soap & Skin, internationales Aushängeschild des heimischen Pop, stellt ihr neues Album "Narrow" demnächst auch live in Österreich vor

Ihre Musik stürzt einen in Verzweiflung, damit es einem nachher besser geht.

Wien - Selbstverständlich hat ihre speziell zu Hause in Österreich wechselvolle Rezeptionsgeschichte auch mit einer immer noch unterschiedlichen Rezeption männlicher und weiblicher Kunst zu tun. Daran wird auch das neue Album von Anja Plaschg alias Soap & Skin wenig ändern. Immerhin macht es offensichtlich einen erheblichen Unterschied, ob nun eine Frau scheinbar ihr Innerstes nach außen stülpt oder ein Mann.

Nehmen wir als Beispiel ein klassisches, deshalb als Referenz gewähltes Modell, Nick Cave und PJ Harvey. Beide verfolgen ähnliche Ziele, graben tief in der Musikgeschichte, finden im Blues eine Grundgestimmtheit. Und sie legen es im Rahmen nach Katharsis schielender Liveshows darauf an, inneren Leidensdruck energetisch, mit weit aufgerissenen Augen und gestischer Lawinenüberlebenstechnik abzubauen. Cave als männlichem Part wird diesbezüglich allerdings gewöhnlich "Intensität" oder "Wahrhaftigkeit" unterstellt, PJ Harvey steht, wenn schon nicht als "hysterisch", so doch als neurotisch überzogen da, als emotional überlastete Gewitterziege, die mit ihrem Gefühlshaushalt nicht zurechtkommt.

Schon vor drei Jahren, als mit Lovesong For Vacuum das erste Album der medial als mindestens "verschlossen" geltenden Musikerin aus der Steiermark erschien, tat man sich mit einer gelassen unternommenen künstlerischen Einschätzung der damals 17-/18-jährigen Plaschg schwer. Zum einen fußen ihre immer spröden, manchmal wuchtigen Klavierballaden recht fest in der Tradition Franz Schuberts. Sie werden mit Laptopelektronik angereichert, die vor allem auf sperrigen, in seinem rhythmischen Grundgefüge krachenden britischen Techno der 1990er-Jahre viel verweist.

Damals wie heute anlässlich des anstehenden Erscheinens ihres zweiten Albums Narrow werden Diskussionen auftauchen, die jetzt schon - darf man sagen: humorvoll? - am Albumtitel festgemacht werden. Auch der Begleit-essay des Radiojournalisten und Plaschg-Mentors Fritz Ostermayer spricht von jenem Distanz-Nähe-Problem, das vor allem auf eines verweist: Künstler sollten sich nach dem "Tod des Autors" wie der damit verbundenen Unmöglichkeit von "Authentizität" nicht zu sehr darauf kaprizieren, sich selbst nahetreten zu wollen. Immerhin gilt ja etwaige individuelle Identität schon seit Philip K. Dicks berühmter Frage in Blade Runner, ob denn Androiden von elektrischen Schafen träumen würden, als veritables Konstrukt.

HIER DEN REST DES REVIEWS LESEN.

Soap & Skin - "Narrow" (Solfo/Hoanzl); live: Fr., 10. 2., Arena Wien

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