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Yvonne Rainer im KUB

Raum, Körper, Sprache: 4. Februar bis 9. April 2012

Mit Yvonne Rainer stellt das Kunsthaus Bregenz in Kooperation mit dem Museum Ludwig in Köln und dem Getty Research Institute in Los Angeles eine der schillerndsten Persönlichkeiten der Kunst des 20. und 21. Jahrhunderts vor. Bis heute fällt es schwer, die künstlerische Produktion von Yvonne Rainer adäquat zu kategorisieren. Denn die gängigen Bezeichnungen wie Choreografin, Tänzerin, Theoretikerin, Aktivistin, Dichterin und Filmemacherin umfassen nur annähernd ihre einflussreichen und vielseitigen Tätigkeiten. Sie sagen noch nichts über deren gegenseitige Verknüpfungen aus, die für Rainers Schaffen charakteristisch sind.

Geboren 1934 in San Francisco, zog es Yvonne Rainer schon 1957 nach New York, um dort Tanz bei der legendären Martha Graham und dem frühen Merce Cunningham zu studieren. In der Folge sollte sie sich jedoch von deren Einflüssen distanzieren, da der Ausdruckstanz Martha Grahams und die Betonung des improvisierten und kombinierten Einsatzes von Zufallsmomenten in Cunninghams Werk sie zunehmend weniger interessierten.

Ihre Erfahrungen mit der Tänzerin Anna Halprin und dem bei John Cage ausgebildeten Musiker Robert Dunn, bei denen sie Anfang der 1960er Jahre studierte, sowie die dort entstandenen Freundschaften mit Trisha Brown, Elaine Summers, Steve Paxton und David Gordon mündeten schließlich in der Gründung des Judson Dance Theater in New York. In dieser Keimzelle der New Yorker Avantgarde-Szene arbeiteten interessierte Laien (oft aus der bil­den­den Kunst, Musik-, Film- oder Dichter-Szene) zusammen mit Profis aus dem zeitgenössischen Tanz. Schon hier stand Yvonne Rainer persönlich wie auch beruflich immer wieder in engem Kontakt mit bildenden Künstlerinnen und Künstlern, von denen einige, wie Carl Andre, Robert Morris oder Robert Rauschenberg, als Akteure oder in anderer Weise in ihre Tanzstücke involviert waren.

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Foto: Peter Moore
© Estate of Peter Moore / VAGA, NYC
© The Getty Research Institute, Los Angeles (2006.M.24)


Auch wenn Yvonne Rainer zweimal an der documenta teilnahm (1977 und 2007), Filmretrospektiven in Institutionen wie dem Museum of Modern Art in New York oder der Londoner Tate Modern hatte und ihr Einfluss auf die bildende Kunst - hier vor allem auf eine junge Generation - nicht hoch genug einzuschätzen ist, gab es in Europa bisher noch keine große Überblickspräsentation, die versucht hätte, dem komplexen Werk seine Bedeutung für die Kunstgeschichte zuzuweisen und seiner aktuellen Relevanz gerecht zu werden. Dies wird sich mit der von Yilmaz Dziewior und Barbara Engelbach kuratierten Ausstellung in Bregenz und Köln ändern. Dabei ist nicht nur die Vielschichtigkeit ihres Werks eine besondere Herausforderung, sondern auch der Umstand, dass ihre Tanzstücke als Live-Aufführungen konzipiert sind und deshalb im Museumskontext Fragen der adäquaten Präsentation aufwerfen. Auf diese reagiert die Ausstellung zum einen mit vereinzelten Live-Performances von Trio A in den Räumen des KUB, vor allem aber in Form der Kooperation mit dem Vorarlberger Landestheater. Hier wird Yvonne Rainer mit ihrer Company am 1. Februar 2012 zwei aktuelle Werke aufführen.

In der Ausstellung werden darüber hinaus Fotografien und Filmdokumentationen zu ihren Bühnenarbeiten, Notizbücher, Tanz-Partituren, Skripts und Kino- beziehungsweise Ausstellungsplakate gezeigt.

Die Konzeption der Ausstellungsarchitektur wird von Kuehn Malvezzi realisiert. Zusätzlich zu der seltenen Gelegenheit, das Werk von Yvonne Rainer live zu erleben, sind im Kunsthaus Bregenz alle Filme der Künstlerin zu sehen. In diesem Sinne entsteht ein vielfältiges Gesamtprojekt, das einen äußerst facettenreichen Überblick über das legendäre Schaffen von Yvonne Rainer ermöglicht. Die Ausstellung wird vom 28. April bis 29. Juli 2012 im Museum Ludwig, Köln, zu sehen sein.

kunsthaus-bregenz.at

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