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The Whitest Boy Alive: Rules

Zielgruppen-übergreifender Loungepop.
Review von Oliver Lambrecht, erschienen auf laut.de


Liebe Silbermond und andere Suchende, lasst alles stehen und liegen. The Whitest Boy Alive legen euch "Rules" (2009) ans Herz. Das Zweitwerk der Band aus Berlin enthält elf Gebote zur Ruhe und Ordnung. Ein kleines bisschen Sicherheit. Und wem das nicht genügt, drehe die Lautstärke etwas auf und tanze. Mit ziemlicher Sicherheit landen die loungigen Indiesongs, die manchmal gerne Housemusik wären, aber so viel mehr transportieren, demnächst auch in DJ-Sammlungen.

Die Herangehensweise von Multitalent Erlend Øye (Kings Of Convenience) und seine Mannen an das vermeintlich schwierige zweite Album gerät sehr puristisch. Unter der Prämisse, dass "Rules" und Livesound nicht zu weit auseinander liegen sollen, verzichteten sie auf Overdubs und Effekte, ohne damit der Musik die Fülle an Atmosphäre zu rauben. Natürlich spielt der Gesang des norwegischen Komfortliebhaber erneut eine zentrale Rolle, doch Sebastian Maschat am Schlagzeug treibt die Lieder mit seinen präzisen Rhythmen manchmal ebenso voran wie Daniel Nentwig an den Tasten. Und mitten in die Magengegend wummert sich Marcin Oz am Bass.

Nun trifft "Rules" die Fans nicht so unvorbereitet wie das erfolgreiche Debüt "Dreams". Trotzdem benötigt der erste Spannungsbogen bei "Keep A Secret" keine 15 Sekunden zur Eroberung. Eine knappe Dreiviertelstunde gelingt dem Zweitwerk der Drahtseilakt, die Inhalte weder ins Belanglose abdriften noch zu sehr in den Mittelpunkt rücken zu lassen.

http://www.laut.de/bilder/lautstark/artikel/cdreview/21293/cover.jpg
Das schmissige, treibende "Promise Less Or Do More" lässt ganz vergessen, dass es sich hier um ein Dance-Projekt ohne technoide Elektronik handelt. Der "Rollercoaster Ride" erinnert vom Tempo eher an die Reitschule auf der Kirmes, packt aber bei aller Gemächlichkeit den Hörer beim Herz, wenn Erlend das Auf und Ab einer Beziehung besingt. Der Ton macht die Musik, die greifbare Verzweiflung bremst hier die Geschwindigkeit.

Insgesamt bildet das in Mexiko aufgenommene "Rules" ein kompaktes, stimmiges Album, das nach einem Durchlauf noch lange nicht ausklingt. Selbst nach der zehnten Rotation offenbaren sich neue, mitreißende Momente. Anglophilen fällt das Urteil sicherlich leichter, sie schnappen sich einfach das Ausrufezeichen und ergänzen den Albumtitel: Rules!

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