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Enter Shikari ›A Flash Flood of Colour‹

Von Anna Hausmann, erschienen auf www.press-play.at

Mit “A Flash Flood Of Colour” bringen Enter Shikari ihr mit Spannung erwartetes drittes Studioalbum innerhalb von fünf Jahren auf den Markt und zeigen sich hier erstaunlich erwachsen…

Die Musik ist immer noch die selbe, laut und rotzig und ein perfekter, zeitgemäßer Querschnitt durch Hardcore, Trance und Elektro. Neu ist allerdings das, was sowohl mit den einzelnen Tracks als auch mit dem gesamten Album transportiert werden soll. Enter Shikaris Musik zeigt sich erstmals von einer ernsten Seite. Genauer: nicht die Musik sondern die Texte. Gesellschaftskritisch, politisch und nachdenklich machen Enter Shikari darauf aufmerksam, was in dieser Welt alles falsch läuft. Nicht allerdings mit trotzigen Teenie-Anarchie-Parolen, sondern mit einem ernstgemeinten Aufruf, den eigenen Lebensstandard zu hinterfragen. Die in den Texten zum Ausdruck gebrachte Wut über eine von Konsum bestimmte und selbstzerstörerische Gesellschaft wirkt glaubhaft und steht auch nur auf den ersten Blick im Gegensatz zur Musik. Wer sagt, dass ein Hardcore Song mit Drum and Bass Beats unterlegt nicht auch gleichzeitig einen ernsten Inhalt vermitteln kann?

Ein zeitgemäßes Konzept, dass für Enter Shikari aufzugehen scheint. Eine vergleichbare Band im Bezug auf Musikrichtung, Erfolg und nun auch textsicherer Tiefgründigkeit wird schwer zu finden sein. Auch musikalisch haben die vier ein wenig die Fühler ausgestreckt, sind allerdings ihrem bisherigen Stil der vorigen zwei Alben “Take to the Skies” (2007) und “Common Dreads” (2009) treu geblieben. Lediglich die Herangehensweise war freier, kreativer und reifer.

Aufgenommen in Thailand und London und abgemischt in Kanada ist “A Flash Flood Of Colour” fast schon genau soweit herum gekommen, wie seine Macher. In der Deluxe Edition bekommt man außerdem auf der DVD Phenakistoscope dokumentarische Einblicke in den Arbeitsprozess, Aufnahmen und persönliche Statements der sympathischen Engländer.

“A Flash Flood Of Colour” spiegelt die Situation einer jungen Band, die verhältnismäßig lange in der Branche tätig ist, viel von der Welt gesehen hat und einen Punkt erreicht hat, an dem nicht alles eine einzige, ewig andauernde Party ist, sehr gut wieder.

Die große Kunst des Songschreibens hat das Quartett aus St. Albans freilich nicht erfunden, aber  dafür vereinen Enter Shikari eine Menge anderer Qualitäten. Der Sound gestaltet sich so farbenfroh wie der Albumtitel verspricht. Ein genreübergreifender Querschnitt durch Rock-Elektro-Hardcore-Dubstep, der sich nicht in eine Schublade stecken lassen muss. Sich von der Masse abgehoben, eine Musikgenre-Marktlücke gefunden und gut gefüllt – also alles richtig gemacht.

 

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