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Mia. - im Interview

Nach einer mehr als zweijährigen Pause meldet sich die Berliner Band MIA. mit ihrem fünften Album „Tacheles“ zurück. FM5 traf Frontfrau Mieze zum Interview über ihre Fans, das Tourleben und die Entstehung des neuen Albums.

von Nina Wöss, erschienen auf fm5.at

Seit ihrem Debütalbum Hieb & Stichfest (2002) sind MIA.im deutschen Sprachraum ein fixer Bestandteil der Musiklandschaft. Nach einer kurzen Pause kehren sie nun wieder auf die Bühne zurück  und haben ihr neuestes Werk Tacheles im Gepäck. An einem grauen Februartag machten wir uns auf ins Wiener Hotel Triest, um uns von der guten Laune von Sängerin Mieze anstecken zu lassen. Während sich ihre Bandkollegen noch im Flugzeug nach Wien befanden, gewährte sie uns Einblicke in ihren Touralltag und berichtete über die Hintergründe, die zur Entstehung des Albums führten.

FM5: Mieze, auf eurem Band Blog hast du von den Reisen, die du in eurer zweijährigen Pause unternommen hast, berichtet. Wie stark sind diese Eindrücke in das neue Album eingeflossen?


Mieze: Der Grund, warum ich gereist bin, der ist wie verrückt in das neue Album eingeflossen. Ich war auf der Flucht. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich in Berlin keine gute Zeit mehr. Als es in die Pause ging wurde ich mit vielen Umständen konfrontiert, mit denen ich überhaupt nicht klar gekommen bin und ich dachte nur noch: „Weg hier!“. So dachte ich auch alles hinter mir zu lassen, aber natürlich haben mich diese Dinge auch auf meinen Reisen nicht los gelassen. Was mich gerettet hat war, dass ich permanent mit Zettel und Stift unterwegs war und ich alle Fragen, alle Ängste, die ich hatte, sofort niedergeschrieben habe. Das war meine Art und Weise Halt zu suchen und zu finden.

Tacheles
besteht aus elf Songs, über die du auf der Bandwebsite schreibst, es sei ein Lied über die Liebe, eines über den Tod, eines über die Musik, usw. Sind das Geschichten, die dir während deiner Reisen passiert sind?


Keine Geschichten! Ich habe nichts gegen Geschichten, sehr viele MIA. Lieder waren auch Geschichten, aber diesmal war da kein Platz dafür. Ich war so voll mit der Realität und meinen gesammelten Notizen, da war kein Platz für Fantasie.

Tacheles
wird als „rauer, ehrlicher, echter“ vermarktet. Was wollt ihr damit sagen?


Wir haben uns ganz klar gefragt: „Wofür steht MIA. eigentlich für uns?“ Diesmal haben wir auch viel Inspiration aus unseren ersten beiden Alben gezogen – denn das war ein Lebensgefühl, das wir unbedingt weiter befeuern wollen. Darauf bezieht sich dieses „rau“ und „echt“. Und natürlich auch auf den ganz klaren Realitätsbezug in den Texten – keine ausgemalten Geschichten, sondern einfach direkt aus meinem Herz. Darüber hinaus hat sich auch bei den Jungs, bei der Musik, ein ganz großer Wandel vollzogen. Es ist nicht mehr blumig, sondern sie haben sich ganz bewusst dafür entschieden, superreduziert zu arbeiten. Es wurde jedes Instrument hinterfragt: „Brauchen wir das wirklich? Komm, wir schalten das jetzt mal aus.“ Es ging wirklich um eine Form der Reduzierung.

Im Zuge des neuen Albums werdet ihr auch wieder auf Festivals spielen und im Herbst steht eine Clubtour an. Könnt ihr das Tourleben noch genießen oder wird es zur lästigen Pflicht?


Wir haben gelernt auf Tour zu sein. Es gab mehrere Touren, wo wir nur noch dachten „Oh Gott“, weil wir einfach viel zu viele Shows gespielt haben und wo meine Stimme irgendwann weg war. Daraus haben wir aber gelernt. Ein Fehler ist ein Fehler, wenn du ihn nicht korrigierst. Ansonsten ist es völlig normal Fehler zu machen. Ich persönlich liebe es auf Tour zu sein. Ich liebe diesen Ablauf, diesen Fokus auf die Nacht und die Magie um die es hier geht. Die Bühne ist mein Element! Ich bin die Sängerin der Band und ich stelle mich ganz bewusst in die erste Reihe, weil ich mich dort wohl fühle und weil ich gerne Leute zusammen bringe. Ich weiß, dass es den Jungs ähnlich geht. Wir lieben es live zu spielen und das Tourleben ist eine ganz tolle Facette unseres Berufs.



Gibt es Unterschiede zwischen dem deutschen und dem österreichischen Publikum?


Selbst in Deutschland gibt es Unterschiede zwischen den verschiedenen Städten. Ich kann nur so viel sagen: Ich habe bisher wirklich jeden Auftritt hier in Österreich genossen. Es gibt nicht einen wo ich sage, der fällt jetzt vielleicht ein bisschen raus, oder das war jetzt komisch. Ich kann nicht genau sagen woran es liegt, aber es ist einfach wahnsinnig schön hier und vielleicht färben wir mit unserer Vorfreude auch den Abend immer schon ein. Ich habe den Eindruck, dass es hier ein ganz großes Gemeinschaftsgefühl gibt. Man feiert wirklich zusammen, das merke ich hier ganz stark. In Österreich wird das Leben gefeiert und zelebriert, das gefällt mir gut. Aber ich habe jetzt gar nicht das Bedürfnis das mit Deutschland zu vergleichen. Bei mir genießen die Menschen noch Narrenfreiheit.

Ihr habt einen großen, gut organisierten Fanclub – MIAplus. Seid ihr dort auch persönlich involviert oder läuft das über eure Plattenfirma?

Nein, mit der Plattenfirma hat das überhaupt nichts zu tun. Das sind Leute, die uns schon sehr, sehr lange begleiten und wahnsinnig musikinteressiert sind. Sie sind manchmal sogar schneller als unsere Plattenfirma, wenn es darum geht, Termine rauszufinden. Manchmal gehen wir auf deren Seite um rauszufinden was als nächstes ansteht. [lacht]

Das heißt der Kontakt zu euren Fans ist euch sehr wichtig?


Ohne dieses Gegenüber kein MIA. Wir sind keine introvertierte Band, wir machen die Musik, um sie zu teilen. Diese Energie potenziert sich mit jedem Menschen. Die Musik gehört uns in dem Moment, in dem sie entsteht. Das ist auch ein ganz besonderer Zauber, wie im Rausch. Ich vergesse wo ich bin, ich vergesse, dass ich Hunger hatte, die Zeit – es ist alles egal. Und dieser Moment gehört auch nur mir. Aber es gibt einen Punkt, an dem ich es teilen möchte und dann gehört es mir auch nicht mehr. Ich mag unsere Fans sehr gerne. Die sind treu, sehr loyal und aufrichtig. Sie sagen auch richtig, wenn ihnen was nicht gefällt. Aber als MIA. Fan muss man sich ja auch einiges anhören. Es gibt viele Leute, die sagen: „Waaas? MIA.? Du hörst das? Blaa, blaa..“ – und da muss man als MIA. Fan Rückgrat haben. Uns bedeuten unsere Fans sehr viel.

Ihr habt auch Fans, die euch nachreisen. Gab es schon Momente, in denen die Grenzen überschritten wurden und ihr "Stopp!" sagen musstet?


Wir haben immer eine Art und Weise gefunden zu sagen, heute geht’s oder heute geht’s nicht. Jeder Tag ist anders. Wie gesagt, wir haben tolle Fans, die es auch verstehen, wenn wir mal sagen "sorry, heute passt es grade nicht". Wir haben aber auch Verständnis für die Fanseele und möchten sie auch glücklich machen.

Welche Musik hörst du privat und wie beeinflusst dich das, wenn du einen Song schreibst?


Man denkt es vielleicht nicht von mir, aber ich höre ganz wenig Musik. Ich liebe die Worte und habe tausend Hörbucher zu Hause. Mich interessiert das Wort und da die Jungs die Musik machen, möchte ich ihnen das Feld auch völlig frei überlassen. Die erste Single, die ich mir gekauft habe, war "Fly away" von Lenny Kravitz, da habe ich selbst aber schon lange Musik gemacht. Trotz alledem gehe ich aber auf wahnsinnig viele Konzerte, da mich einfach die Show interessiert. Darüber hinaus versorgen mich die Jungs regelmäßig mit selbst zusammengestellten Compilations, damit ich auf gar keinen Fall den Anschluss verliere.

Danke für das Interview!

„Tacheles“ erscheint am 9. März 2012.

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