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Nneka: Soul Is Heavy

Vergleiche mit US-Größen wie Erykah Badu sind ab sofort tabu.
Review von David Hilzendegen; erschienen auf laut.de


Wer Nneka sagt, denkt Lauryn Hill und Erykah Badu. Schon seit ihrem Debüt "Victim Of Truth" begleitet die Nigerianerin die vermeintliche Ehre, mit den Großen des Neo-Souls verglichen zu werden. Dabei ist das Lob vergiftet, denn es greift zu kurz. Nneka ist mehr als die Statthalterin der ehemaligen Fugees-Sängerin, die ihren Mutterschaftsurlaub noch immer nicht abgeschlossen hat.

Dass Nneka vielmehr selbst als Referenz dienen kann, beweist sie mit "Soul Is Heavy", ihrem dritten Solo-Album, aufs Deutlichste. Drei Jahre nach "Heartbeat", dem Hit, der die Wahl-Hamburgerin merkwürdigerweise nur im Ausland zu einem Sternchen gemacht hat, legt sie mit der ihr eigenen Melange aus Afropop, Reggae, Jazz und Hip Hop nach. Verglichen mit dem Vorgänger nimmt sich Hip Hop jedoch zugunsten des Souls vornehm zurück.

Es ist ein vielseitiges Manifest einer selbstbewussten, reflektierten Künstlerin geworden. Nneka singt von Liebe und Schmerz ebenso überzeugend wie von Religion, Gott und Politik, insbesondere in Bezug auf ihr Heimatland Nigeria. Trotz der stellenweise schweren Kost, deren Komplexität den Rahmen einer Plattenrezension sprengt, gestaltet sich "Soul Is Heavy" lebendig, nahbar und für den täglichen Genuss ebenso brauchbar wie für nachdenkliche Stunden.

http://iheartau.com/wordpress/wp-content/uploads/2012/03/nneka1.jpg
Die internationale Popszene hat Nneka längst begeistert. So tingelt sie mit Hilfe der Gäste Ms. Dynamite und Black Thought, Rapper der legendären Roots, innerhalb einer Stunde zwischen Dub und Soul, Gitarren und Bläsern, Mainstream und Szene. Balladen wie "Do You Love Me?" sind dabei ebensolche Volltreffer wie der in "Heartbeat"-Tradition gehaltene, stampfende Titeltrack oder "God Knows Why", bei dem Hip Hop und Rock in die Kiste steigen und ziemlich wilde Dinge treiben.

"Soul Is Heavy" wäre vollendet, würden seichte Popsoul-Nummern wie "Shining Star" oder "Restless" nicht die Aufregung absorbieren, den der dubbige Opener "Lucifer (No Doubt)" in Gang setzte. Dennoch: Eine so abwechslungsreiche Platte, die trotz aller Stilrichtungen und Windungen derart rund klingt, nehmen nur große Künstler auf. Künstler, die keine Referenzen brauchen, sondern selbst welche sind.



Nneka ist am 21. Juli beim poolbar-Festival in Feldkirch zu Gast!

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