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Frittenbude: „Wir machen Musik, fertig.“

Im Frühsommer haben Frittenbude ihr drittes Album - „Delfinarium" - vorgestellt. Über junge Fans, Musik und Politik, ihren Proberaum als Studio und Sponsoren, die ein Stück Coolness abhaben wollen sprachen die Jungs mit Peter Schernhuber.

Euer aktuelles Album, „Delfinarium", ist ausschließlich in Eurem erweiterten Proberaum entstanden. Ihr habt viel Geld in diese Produktionsstätte investiert. Weshalb lieber die sprichwörtlichen eigenen vier Wände als ein Studio?

Jakob: Abgesehen davon, dass wir dort viel und vor allem alles was wir wollen konsumieren können und das in jedem vorstellbaren Zustand und so lange wir wollen, blieb es letztendlich günstiger, unser bis dato angesammeltes Equipment, in einen Raum zu stellen und all das fehlenden Zeug, damit man es Studio nennen kann, dazu zu kaufen.

Martin: Man hat die volle Kontrolle. Man lernt enorm viel dazu, bleibt eigenständig und es ist ganz einfach auch eine langfristige Investition. Es wird noch viele tolle Musik da drinnen entstehen.

Das Format Album gerät - zumindest beim Rezipieren von Musik - immer mehr ins Hintertreffen. In dem berauschenden, um die Platte erscheinenden Film von Aron Krause und Audiolith-Booker Artur Schock hält ihr am Format Album fest und vergleicht es mit Mix-Tapes - was genau meint ihr damit? Weshalb ist es Euch wichtig, Eure Tracks in ein Album einzubetten.

Jakob: Unsere Musik und Texte sind so abwechslungsreich und bieten viele verschiedene Fassetten. All diese kann man nur schwer in einen Song packen. Wir brauchen das Album, um den gesamten „Frittenbude-Kosmos" darzubieten. Außerdem hat man mehr Spielraum, kann neue Türen öffnen ohne den Affen ihren Zucker zu klauen. Meines Erachtens müssen gute Alben heutzutage wie ein Mix-Tape funktionieren. Abwechslungsreich und ein Song bereitet den nächsten vor.

Strizi: Das ist reine Romantik. Das sind Träume die wir uns dadurch erfüllen, Kindheitsträume. Das die Leute dann danach nur noch Playlists, sprich Mixtapes machen bleibt ja ihnen überlassen, da können wir ihnen leider nicht reinreden. Gerade durch die „neuen" Formate ist auch das Album an sich wieder viel interessanter geworden, da man nicht mehr an die strickte Vorgabe von 74 min. gebunden ist und eigentlich tun und lassen kann was man will.

Martin: Ein Album spiegelt ja auch immer einen Lebensabschnitt wieder. Ein Song bildet ja nur einen Moment bzw. ein Gefühl ab. Ein Album kann einen ganzen Zeitraum mit all den Upz & Down abbilden und man kann das Ganze auch in ein Konzept einbetten. Für mich ist es nach wie vor eine extrem wichtige und eigenständige Kunstform.

Eurem Plädoyer für das klassische, arbeitsintensive Album-Format steht Eure positive Meinung zu neuen Vertriebswegen gegenüber. Zumindest zu Beginn eurer Band-Geschichte war Myspace wichtig ...

Strizi: Total, wir haben die ersten Gigs, die ersten Connections und die ersten Fans alle über Myspace geklärt, uns gibt es als Band seit 2006 und jetzt 2012 haben wir uns unsere erste Website zugelegt, Schandenschmuck.de, vollkommen überflüssiger Luxus. Wir haben auch immer auf soziale Netzwerke gesetzt, ein Großteil der Werbung und Akquise lief und läuft ja darüber. Man spart dadurch auch immens viel Geld, Geld das wir eh nicht haben. Man darf sich ja auch nicht dem Fortschritt und den vielen neuen Möglichkeiten verschließen, nur weil man privat ein anderes Konsumverhalten an den Tag legt. Wir, sowohl als auch Audiolith, waren schon immer interessiert an den unkonventionellen Neuerungen und alternativen Wegen, was ja auch einen großen Teil unseres wenn auch überschaubaren Erfolgs ausmacht.

Jakob: Ich schätze ein Album auf Vinyl oder eine CD noch mehr als ein Download, aber der digitale Vertrieb spielt eine wichtige Rolle. Egal über welche Medien die Musik letztendlich transportiert wird, Soziale Netzwerke sind dabei meistens hilfreich.
Nur durch Myspace hatten wir Anfangs überregionales Feedback, was uns sehr geholfen hat. Viele unserer damaligen Myspace Freunde haben wir mittlerweile auch in der Realität kennengelernt. „Schicki Micki" aus Wien ist da ein gutes Beispiel.
Ca. 6 Jahre nach unserem Myspace Flirt haben wir auch endlich unseren Remix für Sie fertig geschraubt. Wirklich schade das Myspace so zu Grunde gegangen ist! Im Moment gibt es leider kein vergleichbares Soziales Netzwerk, das die Welt der Musiker so gut zusammen führt.

Martin: Beides schließt sich ja nicht aus. Ich hab mit meiner anderen Band pandoras.box auch schon Alben & EP´s zum Free Download auf Archive.com angeboten. Es kommt immer darauf an, man muss einen ausgewogenen Weg zwischen alten und neuen Strukturen finden. Nur so wird sich das Business zu einem vernünftigen und für alle positiven Gleichgewicht entwickeln.
„Delfinarium" ist als bisher am meisten verkopft und ausgeklügeltes Album angekündigt. Das braucht Zeit in der Produktion. Wie ist bei Frittenbude das Verhältnis zwischen Produktion und Live-Spielen gewichtet?

Jakob: Fünf Monate Produzieren / Zwei Jahre auf Tour gehen und live spielen.

Martin: Die Songs entstehen natürlich am Computer. Man recordet, arrangiert, bearbeitet, tüftelt, verwirft, experimentiert. Es war sehr zeitintensiv bis alle zufrieden waren. Anschließend werden die Songs für die Live Situation vorbereitet. Wir haben keine Live Drums, die Beats kommen vom Computer. Doch bei „" ist neu dass wir noch nie soviel Bestandteile & Parts auf der Bühne Live spielen. Ich glaube, dass unsere Songs schon immer  live auf der Bühne das Korsett der Produktion sprengen und dort erst ans Limit ihrer Energie gelangen.

Ihr werdet mit antideutschen / ideologiekritischen Kontexten assoziiert. Die Zeitschrift „Straßen aus Zucker" etwa präsentiert Eure Tour. Gerade aus dieser Denkrichtung wird das Abklappern von Kulturwaren, auch Popmusik, auf deren vermeintliche Freiheitspotentiale kritisiert. Wie kann man als kritische Band innerhalb einer Popkultur, die alles mit Ähnlichkeit schlägt noch eine eigene reflexive und auch selbstkritische Position einnehmen?

Strizi: In dem man es einfach tut. Natürlich klappt das ja auch nicht immer und man muss oft Kompromisse eingehen. Deshalb kann man nur versuchen den altbewährten klaren Kopf zu bewahren, egal wie abgedroschen das klingt. Außerdem sehen wir uns selbst nicht als Teil dieser „Kultur". Wir lassen uns da gerne außen vor und Musikbranche, Popkultur oder Rockzirkus können gerne die anderen sein, wir versuchen so zu bleiben wie wir sind und das ist alles andere als drei nach Erfolg heischende Pseudopopstars. Wir machen Musik, fertig.

Martin: Es ist nicht leicht, ganz klar. Wir versuchen nach wie vor den Indiegedanken so weit auszuleben wie möglich, doch manchmal ist es schlicht unmöglich sich treu zu bleiben UND davon leben zu können. Es gibt viele Widersprüche und man kommt sich manchmal komplett fehl am Platz vor, zwischen Schlangen, €€€, C-Promis, Pseudo-Entertainment & Sponsoren, die ein Stück Coolness abhaben wollen. Das führt bei mir ganz reflektiv dazu, dass ich Pop Musik immer mehr ablehne und mich in experimentelle Anti-Kunst flüchte und in anderen Projekten wie ANTIME  diese Anonymität und Freiheit auch auslebe und extrem genieße.

Wenn ihr in Interviews über Eure Fans sprecht, dann fällt häufig „Kids". Habt ihr nach eurem dritten Album-Release das Gefühl, dass sich eure Fans mit euch mitentwickeln?

Strizi: Kids kommt daher, das sie zu einem großen Teil halt einfach jünger sind als wir und wir uns einer gewissen Verantwortung ihnen gegenüber bewusst sind, naja nicht immer. Ob nun unsere Hörer den Weg mitgehen wird sich zeigen, sicherlich werden wir den ein oder anderen vergraulen, aber auch wiederum andere Leute erreichen, die vorher mit dem Monster Frittenbude nichts anfangen konnten. Vor dem Problem standen wir aber auch schon bei unserem zweiten Album „Katzengold" und es wird uns bei unserem nächsten Album „Rattenkönig" auch nicht anders gehen. Wobei man dazu sagen muss, das wir das Rad, ja nicht neu erfunden sondern vielleicht nur ein wenig frisieret haben und unser Stil ja eben von Anfang an keinem strikten Schema oder Genre unterlegen gewesen ist. Daher erwarten die meisten Leute ja auch kein Album das exakt so klingt wie seine beiden Vorgänger.

Bei Eurem Auftritt anlässlich des FM4-Geburtstagsfests habt ihr der antinationalen Demonstration gegen den Wiener WKR Ball Support gegeben. Man kann dem Audiolith-Kosmos hoch anrechnen, einer jungen, antinationalen Generation den Soundtrack geliefert zu haben, der ein Abfeiern der Nation zumindest von Seiten der Bands verunmöglicht. Wie beurteilt ihr zeitgenössisch das Verhältnis von Musik und Politik? Spielt diese Frage bei eurer Arbeit eine Rolle?

Strizi: Musik und Politik haben erstmal nicht viel gemeinsam, Politik schließt immer automatisch etwas aus, egal wie gut gemeint das alles ist. Musik hingegen versucht doch möglichst jeden zu erreichen, zumindest meistens. Natürlich kannst du über Musik politische Inhalte transportieren, was ja gerade auch z.B. für den Protest in der ehemaligen DDR sehr wichtig war,  aber auch ganz schnell nach hinten los gehen kann wie man an sogenanntem Politrap a la „Die Bandbreite" sehen kann. Wir selbst haben immer nur Musik gemacht um Musik zu machen, um uns auszudrücken, den Frust raus zu posaunen und unserer Passion nach zu gehen. Politische Positionen waren da nie ausschlaggebend und immer eher mehr Begleiter als Antrieb.

Zu eurem Plattencover: Ist der Panda nun dem Elefanten gewichen?

Strizi: Nein, er ergänzt unsere illustre Runde der 111 Tiere nur um ein weiteres nettes Gesicht.
Der Panda bleibt  Anführer, wenn denn mal einer gefragt sein sollte.

Danke.

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