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Effi: Wenn es von Herzen kommt, dann ist es richtig

Effi tourt zurzeit durch Deutschland und die Schweiz. Auf seiner Station in Berlin sprach er mit FM5 unter anderem darüber, warum er gerne mit Andreas Gabalier zusammen arbeiten würde und wie er zur Debatte rund um das Urheberrecht steht.
Interview von Elisabeth Voglsam, erschienen auf fm5.at


Erst im vergangenen Jahr ist Effi's Debutalbum Astronaut erschienen. Sofort hat er sich damit in die Herzen der ÖsterreicherInnen gespielt und ist seither eine Fixgröße in der alternativen österreichischen Musikszene. Nun hat er es sich auf die Fahnen geschrieben Deutschland und die Welt zu erobern. Dass das funktionieren könnte, bewies er beim Konzert im Berliner Comet, wo er das Publikum sofort um den Finger wickelte und nach dem Auftritt von Fans mit Autogramm- und Fotowünschen überhäuft wurde. Effi hat eine ganz spezielle Gabe, die viele Musiker gerne hätten: er schafft es auch Leute zu begeistern, die vorher noch nie einen einzigen Song von ihm gehört haben.

FM5: Vergangenes Jahr ist dein Debutalbum erschienen. Was hat sich seitdem für dich verändert?

Effi: Wir spielen irrsinnig viel und präsentieren das Album nach wie vor überall live. Wir haben jetzt auch ein deutsches Management gefunden, Sparta Entertainment, und bauen das in Deutschland jetzt langsam auf. Wir spielen einfach viel live, arbeiten am neuen Album und schauen, was kommt.

Du bist ja Student; kannst du momentan von der Musik leben?

Puh, das ist ein leidiges Thema! Leben kannst du schon, aber es ist schwierig, sagen wir so. Es geht sich über den Daumen knapp aus, aber Nebenerwerbstätigkeiten sind immer praktisch, wenn du dir noch einen gewissen Luxus gönnen willst. Wie eine zusätzliche Gitarre oder so irgendwas.

Du studierst Germanistik. Warum hast du dich nicht für ein Musikstudium entschieden?

Puh, ich weiß nicht. Ich glaube, ich hätte die Aufnahmeprüfung nicht geschafft. Ich bin einfach zu unmusikalisch für ein Musikstudium (lacht).

Aber du spielst doch jede Menge Instrumente, bist also nicht gerade unmusikalisch ...

Ja, ja sicher. Das hab ich mir autodidaktisch beigebracht. Aber dass ich wirklich das Instrument oder Stimme studieren würde... Ich weiß nicht, ich glaub' dazu würde mir der Geist einfach fehlen. Ich bin einfach zu sehr Freigeist.

Du hast früher in einer Band gespielt, Goodbye Kitty. Geht dir das als Solokünstler manchmal ab, vor allem wenn nur du an Songs arbeitest oder aufnimmst? Du machst ja mehr oder weniger alles alleine.

Ja, wie gesagt live spielen wir eh in einer Band, da sind wir ziemlich flexibel. Hin und wieder trete ich noch alleine auf, so hat das Ganze auch angefangen. Mittlerweile sind mehr Musiker dazugekommen, Schlagzeug und Bass und in der größeren Besetzung auch Bläser. Es ist live natürlich ein großer Unterschied, wenn du mit einer guten Band spielst, die hinter dir steht. Die sind musikalisch top, vor allem, wenn du solche Leute hast wie ich - das sind alles bessere Musiker als ich (lacht). Es ist auf der Bühne einfach viel lustiger, es erzeugt mehr Dynamik und mehr Spielfreude. Du kannst ein bisschen interagieren auf der Bühne, nicht nur mit dem Laptop.

Wie ist es überhaupt dazu gekommen, dass du ein Solo-Projekt gestartet hast?

Das hat sich so ergeben, sag ich mal. Ich habe Songs geschrieben und dann gedacht, dass sich das total gut anbieten würde, das als Solo-Projekt durchzuziehen. Nachdem ich die ersten Songs aufgenommen hatte, war das eigentlich ein totaler Entwicklungsprozess. Ich begann mit dem Laptop und sammelte so auch zum ersten Mal Erfahrungen mit Aufnahmeprogrammen. Es ist dann eigentlich zum Solo-Projekt geworden, weil ich ziemlich lange herum getüftelt hab, was ich nach wie vor gerne tue. Die Demokratie einer Band fällt ebenfalls weg, das ist natürlich auch praktisch.

Du bist gerade in Deutschland und der Schweiz unterwegs. Wie waren die Reaktionen vom Publikum bis jetzt?

Ja, sehr gut! Heute ist die erste Deutschland-Show hier in Berlin. Von dem her weiß ich jetzt noch nicht wie es in Deutschland werden wird, aber wir waren ja im Oktober schon mal hier. Ebenfalls im Comet, also im gleichen Club wie jetzt, aber im Nebenraum (Anmerkung: Effi meint den Magnet Club, im Comet ist er dieses Mal aufgetreten). Da waren die Reaktionen ganz gut. In Osnabrück haben wir vor kurzem beim Popsalon gespielt. Das ist ein kleines, sehr schönes Indie-Festival, wo wir auch ganz gut angekommen sind. Im Großen und Ganzen also sehr gut, ja. Hin und wieder ist es schwierig Leute zu erreichen. Wenn man als Österreicher in Österreich bekannt ist und außerhalb der Reichweite von FM4 eher nicht so, wird es schwierig, dass die Leute dich kennen und dann auch zahlreich erscheinen. Aber es ist immer wieder ein Spaß vor Leuten zu spielen, die uns noch nicht kennen.

Das heißt die Leute landen eher zufällig bei deinen Konzerten.

Die kommen eher zufällig, ja. Aber es kommt darauf an, wo wir spielen. In Berlin hoffen wir, dass wir Leute erreichen, die wir schon mal erreicht haben weil wir hier bereits einmal gespielt haben. Und ansonsten ist es halt ein Erreichen von neuen Leuten und ein Aufbau. Bis wir die ganze Welt eingenommen haben (lacht).

Das langfristige Ziel ist also Deutschland? Mit der Strategie viel live zu spielen?

Genau, die Devise lautet: spielen, spielen, spielen. Damit wir nicht verhungern und auch ein bisschen Geld verdienen. Das sollte zwar nicht im Vordergrund stehen, aber es sollte auch nicht zu kurz kommen, finde ich. Weil Kunst auch immer etwas wert sein sollte.

Damit kommen wir auch schon zum nächsten Punkt. Das Urheberrecht ist ja momentan ein großes Thema. Was ist deine Meinung dazu?

Es ist schwierig. Einerseits vertrete ich, wie hoffentlich alle anderen Künstler auch, die Meinung, dass Musik natürlich etwas wert ist. Du setzt dich ja nicht zum Spaß, was weiß ich, zehn Jahre lang hin und produzierst zehn Stunden am Tag oder arbeitest Musik aus, die du dann quasi im Internet findest und die jedem frei zugänglich ist, wo du eigentlich umfällst um das, was dir eigentlich zusteht als Künstler: Anerkennung und zumindest eine Wertschätzung. Ein Künstler der malt, der verkauft ja auch ein Bild und bekommt Geld dafür. Durch das Internet hat es sich bei der Musik so entwickelt, dass alles für jedermann frei zugänglich ist, z.B. durch YouTube. Das ist ziemlich das schlimmste Portal. Es ist schwierig. Andererseits ist es aber nicht verhinderbar, dass es frei zugänglich ist. Im Aufbau möchtest du natürlich so viele Leute wie möglich erreichen. Da kannst du nicht sagen: „Ihr zahlt jetzt zehn Euro, bevor ihr es gehört habt." Das geht nicht, das ist nicht möglich. Aber was mir ein bisschen sauer aufstößt sind so Plattformen wie YouTube eben, die irrsinnig viel Geld verdienen mit Werbung, wo gratis Inhalt verklickert wird und wo Künstler eigentlich um ihr Geld dann umfallen. Ich glaube es gehört ein System eingeführt, wo der Nutzer frei zugreifen und das Portal gratis nutzen kann, aber wo doch den Künstlern Geld zusteht. Die Betreiber von diesen Seiten wie YouTube nehme ja genug Geld mit Werbung ein. Somit sollte es eine WinWin-Situation geben. Das ist aber leider nicht der Fall zurzeit. Aber wer weiß, wie das in Zukunft wird. Jetzt spricht man ja schon von Web 3.0. und dann verändert sich wieder alles.

Wann gibt's ein neues Album von dir? Ist das schon in Arbeit?

Ja sicher, man arbeitet ja an allem - ständig. Ich weiß nicht wann es kommt, vielleicht im Herbst oder Winter. Mal sehen wie es passt. Ich lass' mich da auch nicht hetzen und nicht drängen. Ich möchte nicht irgendwas rausbringen, nur damit was rauskommt. Wenn, dann soll es mir wirklich gefallen und ich möchte damit zufrieden sein und auf die Bühne gehen können und präsentieren, dass es mir Spaß macht und es genau das ist, was ich mag.

Verspürst du Druck, weil das Debutalbum ja extrem gut angekommen ist, sowohl bei Kritikern als auch beim Publikum?

In einer gewissen Weise ist natürlich Druck da. Vor allem wenn man ein Album macht, ein Debutalbum eigentlich, und merkt, dass es funktioniert. Der Druck ist natürlich da, es NOCH besser zu machen, so dass es noch besser greift und noch besser produziert ist. Aber am Ende des Tages denk ich mir immer: „Ach Gott, es soll einfach nur Spaß machen. Es soll mir einfach passen." Zu kopflastig denken macht einfach keine Musik, das funktioniert nicht. Wenn es von Herzen kommt, dann ist es richtig, dann passt es einfach. Am Anfang des Tages habe ich natürlich diesen Druck verspürt und dann, am Ende des Tages, bau' ich ihn wieder ab (lacht). Und denke mir: passt eh!

Kannst du mir etwas über den Entstehungsprozess deiner Songs erzählen? Was ist zuerst da: eine Melodie oder der Text?

Zuerst eine Gitarrenlinie. Meistens spiele ich zuerst mit der Gitarre oder mit der Ukulele. Einfach eine Melodie, oder einen Refrain, oder einfach nur Akkorde, die gut zusammenpassen und mir vom Rhythmus und von der Harmonie her gefallen. Der Text kommt immer zum Schluss, das ist das Einzige, das immer gleich bleibt. Ich fange immer damit an, dass ich in einer Fantasiesprache singe und mir über den Text eigentlich erst später Gedanken mache und im Unterbewusstsein grabe, was das jetzt eigentlich heißen könnte. Das Ding ist: die Musik entsteht aus dem Gefühl heraus. Texte vertonen ist auch ganz interessant, aber Musik entsteht aus den Gefühlen, die du im Moment erlebst oder ein Gefühl, das dich in einem bestimmten Moment, einer bestimmten Lebensphase prägen. Das hast du dann als Output da, in dem Moment wo du Gitarre spielst und du merkst: das ist richtig, das ist gut, das ist genau das, was ich jetzt im Moment ausdrücken will, wie es mir geht. Und zu diesem Zeitpunkt ist meistens einfach noch kein Text da. Man merkt eigentlich eh sofort, worum es geht und dann ist es interessant, an dem Text zu arbeiten. Wenn man zum Beispiel feststellt: „das ist jetzt ganz schön melancholisch geworden, jetzt mach ich lieber einen schönen Text drüber", kann man jemanden ein bisschen in die Irre führen. Das ist ganz interessant.

Das wirst du wahrscheinlich oft gefragt, weil du ja Germanistik studierst, aber warum sind die Texte hauptsächlich auf Englisch? Kannst du dir vorstellen, ein komplett deutschsprachiges Album rauszubringen?

Ja, vorstellen schon. Ich mache einfach gerade, wonach mir ist. Ich finde Englisch ist einfach eine schöne Sprache, man kann Dinge sehr schön auf den Punkt bringen, schnell und ohne großem Drumherum. Es hat auch von der Klangfarbe her seine Vorteile. Deutsch ist natürlich auch eine sehr schöne Sprache, aber es hat sich einfach so ergeben. Ich hab' bereits ein paar Sachen auf Deutsch gemacht und wer weiß, vielleicht kommt ja etwas davon aufs neue Album.

Du bist in den vergangenen Jahren viel herumgekommen. Was war der exotischste Ort oder das ungewöhnlichste Konzert bisher?

Da muss ich überlegen. Ich bin ein sehr vergesslicher Mensch, daher muss ich jetzt ganz tief in meinem Gehirn graben. Das war ganz in den Anfängen von Effi. Wir haben mal eine Russland-Tour gespielt, wo sicher alle Konzerte ungewöhnlich waren (lacht). Vom Exotenstatus her natürlich auch. Du bist als Österreicher, überhaupt als Europäer, wenn du in Russland Konzerte gibst, ein Exot. Vor allem wenn du Indie-Pop-Musik machst, denn in Russland boomen diese Hardcore- und Postrock-Bands. Aber das war schon eine ziemlich lustige Erfahrung vor russischem Publikum zu spielen, vor allem auch zu bestehen und es ist schön gewesen zu sehen, dass es ihnen gefallen hat. In Jugendzentren in St. Petersburg zum Beispiel (lacht).

Wie viele Leute waren dort bei euren Konzerten?

Ganz unterschiedlich, das war vom Veranstalter abhängig. Wir haben zwei Russland-Tourneen gespielt. Bei der ersten waren es im Schnitt vielleicht 50 Leute, was eh ganz gut ist. Bei der zweiten haben wir teilweise Konzerte vor 500, 600 Leuten gegeben. Das war echt interessant. Die Leute haben abgefeiert, das hat super funktioniert.

Vor kurzem habe ich versucht einem Freund von mir deine Musik zu beschrieben, was gar nicht so leicht ist. Wie würdest du sie selbst in wenigen Worten beschreiben?

Ja, puh (überlegt). Das ist so ein Musikerleiden, das jeder hat: man kann die eigene Musik nicht so richtig beschreiben. Ich kann's grob eingrenzen indem ich sage, es ist ein bisschen was von allem dabei: ein bisschen Indie-Pop, ein bisschen Elektro, ein bisschen Reggae, SingerSongwriter-Gespiele und mehrstimmiger Gesang.

Gibt es irgendwen, mit dem du gerne zusammen arbeiten würdest? Es kann ruhig reine Fantasie sein.

(überlegt lange) Interessant stelle ich es mir mit Andreas Gabalier vor. Wirklich! Das wär sicher eine lustige Kombination. So als Mensch ist er irgendwie ein interessanter Typ und es wäre interessant herauszufinden, was passiert, wenn wir zusammen arbeiten. Das finde ich so lustig, solche Schnittstellen zwischen dem einen Extrem und dem anderen zu finden. Sachen zusammen zu bringen, die überhaupt nicht passen.

Was haben eigentlich deine Eltern dazu gesagt, als sich herausgestellt hat, dass du Musiker wirst?

Sie waren begeistert und fanden das super. Es hieß „jetzt haben wir endlich einen Künstler in der Familie". Ja, sie sind da immer hinter mir gestanden und tun es nach wie vor.

Wo siehst du dich in zehn Jahren? Tourst du dann noch als Effi durch die Länder?

Das kann ich dir nicht sagen, ich weiß es nicht. Ich lebe mehr im Hier und Jetzt als in der Zukunft. Von dem her mache ich mir über so was echt wenig Gedanken und versuche einfach, das was jetzt ist zu genießen und schaue, wohin es mich führt. Ich bin ein Mensch, der den Moment lebt und wenn‘s passt, dann passt‘s. Ein Jahr könnte man vielleicht planen, aber was darüber hinaus geht ist einfach zu viel Kopfarbeit.

Du wohnst ja bekanntlich in Graz. Hast du schon mal überlegt der Musik wegen nach Wien zu ziehen? Wäre das ein Vorteil für dich? Die Wiener Musikszene ist doch recht vernetzt.

Ja schon, aber ich weiß nicht. Wenn man in Graz wohnt hat man ebenfalls seine Kanäle, kennt seine Leute und trifft Menschen aus Wien, wohin man ja trotzdem fahren und sich vernetzen kann. Ich glaube, ich brauche es nicht zurzeit. Ich fühle mich in Graz recht wohl, bin dort extrem entspannt, kann super arbeiten und habe auch meine Möglichkeiten Leute zu treffen. Aber auch in Wien, obwohl ich nicht dort wohne. Von dem her stellt sich die Frage eigentlich nicht so wirklich. Interessanter wäre es gleich ein bisschen weiter weg zu ziehen und neue Kontakte zu knüpfen. Nach Berlin, London, Paris, Dubai oder so irgendwas. Das wär mal ganz spannend, glaube ich.

Danke für das Interview!

Danke ebenfalls!

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