Poolbar Blog

2017


2016


2015


2014


2013


2012


2011


2010


2009


2008


Photek - DJ Kicks

erschienen auf bigcitybeats.de


Es gibt DJ Sets, die sind mehr als einfach nur die Summe ihrer Teile. Manche verändert die musikalische Landkarte. Rupert Parkes aka Photek war von Anfang an fest entschlossen, sein DJ Kicks Mix zu einem solchen Set zu machen. "Ich wollte eine dieser klassischen Hörerfahrungen schaffen", sagt er. "Bei so einem Mix kannst Du einfach die neuesten Dancefloortracks zusammen schmeißen oder Du gibt's dem Ganzen ein Überthema - oder Du machst das Ganze zu einer Reise. Ich habe an die klassischen LTJ Bukem Mixtapes gedacht, die erstmals 1992 und 1993 herauskamen und eine epische Dimension hatten. Darin war eine solche Bandbreite an Styles enthalten, zeitlos mit einem wirklich eigenen Charakter. Sie hatten Persönlichkeit. Das war es, was ich mit meinen DJ Kicks schaffen wollte."

http://s15.postimage.org/jkfwpcpy3/Photek_DJ_Kicks.jpg
Das hat er definitiv geschafft. Sein eigener Mix beginnt mit Azymuth und bewegt sich fortan auf 19 Tracks zwischen entspannten Downtempo Elementen wie In 2 Minds von Kromestar bis hin zu gebrochenen Tribal Beats bei Boddika's Remis von Photek's 101 oder klassischem Techhouse wie Baby Ford's 1994er Klassiker Dead Eye. Die Herausforderung all diese Elemente zusammenzuführen ist geglückt: Das Ergebnis ist eine brodelnde Atmosphäre, die an Parkes's klassische Drum'n'Bass Releases der 90er erinnert - auch wenn nicht ein Drum'n'Bass Track auf dem Mix enthalten ist. Fountainhead, eine Kollaboration zwischen Photek und Kuru - exklusiv für diesen DJ-Kicks Mix erschaffen - fasst den Vibe perfekt zusammen. "Es ist Musik mit einer gewissen Atmosphäre", erklärt Parkes. "Ich habe mir vorgestellt, dass das eher das Mixtape ist, das man nach dem Club hört. Es hat eine gewisse Intimität. Ich habe nicht versucht zu zeigen, was ich in einem Klub machen würde, das ist etwas vollkommen anderes."

"In 2 Minds von Kromestar ist ein Schlüsseltrack", führt er fort. "Ich bin darauf auf Beatport gestoßen. Es erinnert mich an Art Of Noise, diese etwas verrückte elektronische Musik. Ich meine es ist echt weird. Dann gibt es da noch einen meiner Alltime-Favoriten Dead Eye by Baby Ford. Diesen Song habe ich irgendwie immer im Kopf. Er kam 1994 raus, aber er klingt, als wäre er in diesem Jahr gemacht worden. Ich habe ihn schon einmal ein Jahr lang jeden Tag gehört. Dann habe ich ihn auf neuen Kopfhörern gehört und plötzlich ganz neue Dinge in diesem Track entdeckt. Das hat etwas Magisches, wenn das mit einem Trank passiert, wo Du dachtest, dass du ihn so gut kennst. Ich hoffe die Leute werden diesen Mix ähnlich wiederholt hören, weil so viele Details darin stecken."

Das gilt besonders für No Agenda, einen weiteren von vier exklusiven Photek Tracks. Ein Stück, das nie ganz greifbar wird. "Ich mag es nicht, wenn die Dinge zu offensichtlich sind. Es gibt darin Momente, die Du erst erkennst, wenn Du den Trank mehrmals gehört hast. Die Art wie ich No Agenda mixe, ist sehr bewusst gewählt. Du schaust auf das Tracklisting und siehst einen Track namens No Agenda. Aber es ist sehr schwierig zu verstehen was das ist, ohne direkt in die einzelnen Tracks zu gehen und zu schauen, welche einzelnen Teile im Mix verwendet wurden. Man bekommt den Track nie in voller Länge zu hören, sondern es sind kleine Teilchen die verstreut hier und dort auftauchen, so als hätte ich mit dem Mix begonnen und dann meine Meinung geändert."

Der DJ-Kicks Mix leitet eine neue Ära für Parkes ein, der sich von der Musikszene 2007 zurück zu ziehen schien. Er war lange desillusioniert mit der Drum'n'Bass-Szene, die er mitgeholfen hatte aufzubauen. "Wenn ich in Clubs gespielt habe, gab es da nie Musik die in meinem ganzen Set wirklich mochte. Ich fragte mich, warum ich Teil dieser Nische war, wenn ich da eigentlich nicht reinpasste." Als er im vergangenen Jahr wieder begann, Musik zu veröffentlichen mit der Avalanche EP hatte das mehr mit Dubstep zu tun als mit irgendetwas anderem - basslastige Musik, die schwer zu kategorisieren ist - und wirklich anders ist als alles andere. "Wenn uns Dubstep eine Sache gelehrt hat, dann das: Let it all go", sagt Parkes. "Lass die Sachen einfach passieren und schau später, was da eigentlich bei rausgekommen ist."

Derzeit arbeitet er an einem neuen Album. Das dürfte wieder eine vielschichtige Angelegenheit werden. "Sehr viele verschiedene Sounds und Styles", sagt er. Er beginnt auch eine monatliche Clubnacht in seiner Wahlheimat Los Angeles. "Ich möchte dort das Feeling der Metalheadz vom Blue Note in London von 1995 reinbekommen. Eine kreative Atmosphäre. Die Leute können spielen, was immer sie wollen."

Ein wenig wie sein DJ-Kicks Mix eben. In anderen Worten: Genau so wie es sein sollte.

Photek wird im Rahmen der Red Bull Music Academy am 27. Juli beim poolbar-Festival zu Gast sein.

0 Kommentare
Anmelden zum Kommentieren