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Theophilus London: Timez Are Weird These Days

Als Theophilus Londons Ende 2011 erschien, las man davon in den New York Times, dem Slant Magazine, dem Rolling Stone und hierzulande wurde es beispielsweise von Superfly gleich als Album der Woche präsentiert. Yves Newman schrieb dazu:


So wirklich Neues gibt es in der Black Music schon längere Zeit nicht. Was ins Ohr springt sind ungewöhnliche Fusionen, wie sie das Debütalbum von Theophilus London bietet. Samir Köck stellt „Timez Are Weird These Days" als Superfly-Album der Woche vor.

Der amerikanische Zensurpiepton macht besonders gerne „Bleep! Bleep!", wenn Hiphop-Künstlern inkrimierende Ausdrücke wie „Bitch" und „Fuck" von den Lippen perlen. Es sind dies die letzten Schnaufer eines Genres, das Ende der Siebzigerjahre als subversive Unternehmung begann und in rüder Sprache sozialen Sprengstoff freilegte. Heute ist Hiphop systemerhaltend und längst an der Spitze der Bilboardcharts gelandet, eingemeindet zwischen bigotten Countryballaden und rolligem R&B-Miauen. Es ist immer das gleiche Spiel, das was widerständig ist, wird sobald mit Geld zugeschüttet, künstlerisch unerheblich. Und in der nächsten Reihe warten, dann schon die nächsten Revoluzzer. Der aktuelle Renegat heißt Theophilus London. Seine Mission ist es, den Hiphop mit Popelementen der Achtzigerjahre neu zu deuten. Prince, Michael Jackson, aber auch Linkin Park und Notorious B-I-G vermischen sich in seiner Kunst zu einem delikaten Gebräu, das die Schleusen öffnet.

Theophilus London 1988 in Trinidad geboren, ist schon im zarten Alter von drei Jahren nach New York gekommen. Aufgewachsen in Flatbush, Brooklyn, wusste er schnell was Konkurrenz bedeutet. Jedes Kid war zu jener Zeit ein Rapper, ein Sänger, ein Basketballspieler oder einfach schön. London entwickelt ein verstärktes Interesse am Rappen und am Design. Seine frühesten künstlerischen Emanationen erreichen 2008 das Netz, seine ersten Mixtapes lösen Aufmerksamkeit aus. Mark Ronson nimmt ihn zum Essen mit, zeigt ihm seine Goldalben und nimmt mit „Hey Boy" ein Dittie mit der neuen Stimme auf. Als groß kann man diese kaum bezeichnen. Dennoch ist sie eine distinkte Waffe, die scheinbar mühelos zwischen gesungenen und gerappten Passagen herumcruist. Nach einigen Jahren der Irritation unterstützen ihn auch seine Eltern, obwohl Mama mit dem Text des folgenden Songs sicher nicht einverstanden ist.

Theophilus London hat es geschafft. Sein Debütalbum „Timez Are Weird These Days" ist bei einem Majorlabel erschienen. Zudem hat er, der die modischen Torheiten der Achtzigerjahren pflegt wie schon lange niemand mehr, langfristige Brand Relationships mit Nobelmarken wie Gucci und Mountain Dew abgeschlossen. Seine Sounds stoßen die Türe zum entschwundenen Jahrzehnt des schlechten Geschmacks wieder weit auf. Roland Drum Machines und Casio Synthesizer prägen seinen Sound, der für eine neue Generation zur Offenbarung wird. Dazu kommen clevere Texte und unverschämt attraktive Hooklines und Melodien. Ja, hierbei handelt es sich schon um eine Art Zauberformel.



Am 24. April erschien ein Remixalbum mit dem Titel "Timez Are Weird These Nights" und beinhaltet alle Tracks aus dem Erfolgsalbum – mit einer neuen, überarbeiteten Komponente. "Stop It" wurde von Crookers veredelt, "Wine and Chocolates" von Linus Loves und von "Love Is Real" gibt's einen fast sieben Minuten langen dancefloorready-remix von Fred Falke. Auf rollingstone.com – genau gesagt HIER – kann man sich die Remixplatte exklusiv online anhören. Und so gleich auf das Konzert am 12. Juli beim poolbar-Festival einstimmen.

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