Poolbar Blog

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Nachschau: La fabuleux musique du Yann Tiersen

Text von Fabian Oppolzer

„Amélie ist tot." So lautete Yann Tiersens Antwort auf die Rufe des Publikums nach Stücken aus der Filmmusik, mit welcher der französische Komponist und Multiinstrumentalist weltberühmt wurde. Amélie ist tot. Und das ist in diesem Fall auch gut so, ganz egal ob man Fan seiner berühmten Filmmusik ist oder nicht. Denn das, was Yann Tiersen bietet ist etwas ganz anderes, einzigartiges und hat steht für sich alleine. Hin und wieder erinnert vielleicht ein eingesetztes Glockenspiel oder eine Akkordfolge den gewohnten Hörer an Mlle Poulain.
Elektronische Klänge verschmelzen mit Instrumentalmusik, immer wiederholende, leicht variierende Sequenzen, die sich meistens gegen Ende steigern und den Zuhörer in eine andere Welt transportieren, als würde er die Register einer gewaltigen Weltraumorgel ziehen. Melancholisch und gewaltig. Auch wenn Gesungen wird, hat man den Eindruck es mit reinen Instrumentalstücken zu tun zu haben, in der die menschliche Stimme nichts weiter ist, als ein weiterer, beigemischter Klang, um seinen einzigartigen Sound abzurunden, niemals im Vordergrund stehend, oft mehrstimmig übereinandergelegt.
Die meisten seiner Veröffentlichungen spielte Tiersen als „Ein-Mann-Orchester" ein. Das merkt man seiner Musik an, auch wenn sie Live von einer siebenköpfigen Band interpretiert wird. Auf der Bühne wechselte Tiersen zwischen Synthesizer, Gitarre, Geige, Melodica und Mandoline. Er scheint mit jedem Instrument vertraut zu sein.
Die wenigen Zuhörer, die sich lange nicht mit seiner melancholischen Musik anfreunden konnten, überzeugte er spätestens mit einem virtuosen Geigensolo in der Mitte des Konzerts. Wirbelnde Klänge, die den gleichen ruhigen, beinahe traurigen Puls in sich trugen, wie es nur große Musik kann. Ein Erlebnis!

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Text von Lukas Ortner

Nach einem energiegeladenem Eröffnungsabend begab ich mich gestern etwas lädiert aber voller Vorfreude auf den Weg Richtung poolbar. Was ich vom Abend erwartete? Französische Klaviermusik, Melancholie, Multiinstrumentalismus. Letzteres bekam ich auch geboten. Der Rest gestaltete sich unerwartet. Yann Tiersen, eingeläutet von Luise Pop.

Letzten Dezember im Spielboden Dornbirn aufgespielt und dieses Jahr schließlich beim poolbar-Festival vertreten, begann die Show von Luise Pop in gewohnter Manier. Solider Indie-Pop, die "frechen" Texte und die dezent gehaltene Bühnenshow waren ein guter Opener für den Abend. Allerdings merkte man schnell, dass bis auf 2, 3 Nummern das Set vom Spielboden-Gig wiederholt wurde. Schade, hatte ich mir doch etwas mehr erwartet. Aber nichtsdestotrotz, Luise Pop haben die Erwartungen erfüllt und den Leuten (und sichtlich auch der Band selbst) hat's gefallen.

Nach einer notwendigen Abkühlung auf der Terasse und einem kurzen Abstecher ins Wohnzimmer begann der Hauptact in der vor Hitze stehenden Halle: Yann Tiersen. Der 1970 in Brest (Frankreich) geborene Musiker wurde von fünf Musikern unterstützt, die ihm als Virtuose auf verschiedensten Intstrumenten beinahe das Wasser reichen konnten. Moog-Synthesizer, 6- und 12-saitige Gitarren, Sax- und Xylophon, Keyboards, Equalizer, Melodica, (fast übertrieben eingesetzter) Vocoder-verzerrter Gesang, und und und. Die Instrumentierung des Gesamten war so facettenreich wie Tiersen himself. Mir bekannt durch den wunderbaren Soundtrack zu "Le fabuleux destin d'Amélie Poulain" oder "Good Bye, Lenin!" erwartete mich eine Show, die unerwarteter kaum sein konnte. 80er-Synthie-Sounds gepaart mit bis zu 5-stimmigem Gesang mit Zeilen wie "We are boys and girls of the new world treading young. We just want to find something. We just want to lose control of our thoughts." (Dust Lane). Ich hatte eine ruhige Show erwartet, klassische Stücke am Klavier. Was mir und den anderen Festivalbesucher_innen da geboten wurde, war ein rock-lastiges Sammelsurium verschiedenster Musikstile, angefangen von Folk bis hin zu Experimental oder gar Noise? Schwer zu sagen, und man muss ja nicht immer ein Label draufhaun. Mein Eindruck: Ich war nicht der einzige, der sich schwer tat. Auch der Großteil des knapp 800 Mann und Frau starken (bei ruhigen Teilen unnötig lauten) Publikums sah sich vor überwiegend unbekannten Songs. Dem Applaus tat dies allerdings kein Abbruch, der Truppe wurde Respekt gezollt für die musikalische Leistung, das perfekte Beherrschen der Instrumente und das grandiose Zusammsenspiel.

Tiersen als Chef, als Leiter seiner "personal super group", trat hin und wieder auch in den Hintergrund, überließ ganze Gesangs-Parts den anderen und tobte sich derweil auf der Violine aus. Die Show konzeptionierte sich aus einem guten Wechsel alter Songs und den Nummern seiner letzten beiden Studio-Alben, "Dust Lane" und "Skyline", welche man sich zu Gemüte führen sollte.


Bernhard Samson hat den Abend in Video, Matthias Rhomberg in Fotos festgehalten. Die gesamte Galerie gibt es HIER zu sehen! Und NEU: Jetzt könnt ihr die Fotos auf Papier in klein oder Posterformat, auf Alu oder Leinwand bestellen oder einfach gegen gebühr auf euren Computer laden. Nämlich HIER!

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