Poolbar Blog

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Philipp Sonderegger: Der poolbar-Effekt

Flug nach Kreta. Beim Entsteigen aus dem großen weißen Vogel schlägt was dem Fluggast entgegen wie eine Wand? Ja, heiße Luft. Heiße, feuchte Luft. Es ist September, kurz nach Mitternacht. Die Temperatur findet noch keine Ruhe und steckt bei 30 Grad. Schlagartig lockern sich die klimatisierten Muskeln, der Stoffwechsel springt an. Man will etwas essen. Und Sirtaki tanzen. Eine Brise trägt den Geruch von Rosmarin-Büschen nahe der Rollbahn auf die Gangway herüber.

Nennen wir diesen Effekt den poolbar-Festival-Effekt. Man durchschreitet das Entree des Alten Hallenbades - und was schlägt einem entgegen wie eine Wand? Heiße Luft. Heiße, feuchte Luft. Euphorische Fluggäste wimmeln durch die Gänge. Mit weit geöffneten Gesichtern plaudern sie rufend. Im Pool nebenan schiebt wummernder Schalldruck nasse Heißluft durch den Raum. Im Licht blitzen Gliedmaßen auf. Ob die Schweißperlen auf der Haut von innen kommen oder sich aus der Luft ablegen - es macht keinen Unterschied mehr.

Den ganzen Tag hatte die Sonne Zeit, das Gebäude von unten nach oben aufzuheizen. Die Lüftungsanlage sorgt jeden Sommer für einige Schnupfen, Kühlung bringt sie nicht. Das Bundesamt für Nichtstoffliche Drogen (BND) prüft derzeit, ob der gelegentliche Hitzestau im Alten Hallenbad nicht bereits rauschwertige Wirkung aufweist. Kommt das Amt zu einem positiven Ergebnis, wird es wahrscheinlich die Auflage erlassen, die Besucher_innen zwischendurch mit einer echten Klimaanlage auszunüchtern.

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Als altgedienter poolist ist man zwischen Ekstasen-Nostalgie und Komfort-Neigung hin- und hergerissen. Ausschweifender Hitzerausch oder wohltemperierter Konzertbesuch? Gut, Bestuhlung muss nicht sein, aber leichteres Schwitzen setzt doch ohnehin schon bei 27 Grad ein. Die Stadtverantwortlichen könnten also bedenkenlos eine zeitgemäße Lüftungsanlage installieren, ohne die Rauschlust der Feldkircher_innen ernsthaft zu gefährden.

Apropos Griechenland. Die Markt-Extremist_innen in der deutschen Bundesregierung scheinen entschlossen, das europäische Gemeinwohl dem freien Spiel der Stärksten zu opfern. Mit Unterstützung der österreichischen Bundesregierung weigern sie sich beharrlich, Wirtschafts- und Finanzpolitik zu gestalten. Die griechische Jugendarbeitslosigkeit trifft schon jede_n zweite_n, und die Selbstmordrate liegt um ein Viertel höher als vor einem Jahr - doch einer dieser Zyniker mit Amt meinte unlängst: „Man muss den Daumen auf Athen noch etwas draufhalten." Ihnen sei gesagt: „Wir halten zur griechischen Bevölkerung, nicht zu euch!"

Einen guten Aufenthalt in der poolbar wünscht,
Ihr Philipp Sonderegger

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