Poolbar Blog

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Nachschau: Nneka

Gestern war eine kraftvolle Mischung aus HipHop, Reggae, Jazz und Soul angesagt und das mit kraftvollen Texten, in denen die 31jährige Nigerianerin Nneka auf ihre Heimat zurückblickt. Ossi & The Sexual Chocolates kehrten nach ihrem Auftritt aus 2011 wieder in der poolbar ein und rollten den roten Teppich aus, während im Wohnzimmer Soulspin werkelte. Begonnen hatte der Tag mit der Aktion "Schöne Zeiten", der Ausklang wurde dann im Pool mit Rob Berry (Wildbach Resident, Circus Collective) & Phil Kleber (Schaukasten).

Soul und Weltschmerz
Text von Lukas Ortner

Nachdem ich Theophilus London urlaubsbedingt verpasst habe und Sweet Sweet Moon leider am gleichen Abend spielt wie Bon Iver in Wien gastierten, freute ich mich gestern umso mehr: Ein persönliches Highlight. Nneka, und als Vorspeise Ossi & The Sexual Chocolates.

Soul und Jazz ist meistens schwierig gut rüberzubringen, vor allem bei einer Location wie der Halle. Da ist es auf der Terrasse wahrscheinlich einfacher. Was aber Ossi & The Sexual Chocolates für eine Show ablieferten, sprengte die Ketten der Genres. Ein wilder Mix aus Funk, Soul, Blues und Jazz. Gut gelaunt und - zumindest wirkte das so - 90 Prozent improvisiert. Die vierköpfige Band aus Voralberg wiederholten ihre Show von 2011 - und wieder funktionerte es. Es wurde getanzt, gelacht und applaudiert. Ein würdiger Opener, der auch von der Band der Headlinerin mit Tanzeinlagen in den hinteren Reihen geehrt wurde.

Das Abend trug das Zeichen "ausverkauft", und nach dem Support-Act blieb daran kein Zweifel. In kurzen Umbaupause füllte sich die Halle rapide und an ein schnelles Getränkeholen konnte nicht mehr gedacht werden. Als schon oben genannte Headliner-Band die Bühne betrat - 4 an der Zahl: Gitarre, Keys, Drums und Bass - wurde auch nicht mehr ruhig herumgestanden, Pfiffe und Jubelschreie füllten die (schon wieder) saunamäßige Halle und nach den ersten paar Takten betrat auch die zierliche Nigerianerin Nneka die Bühne. Baggyjeans und Hoodie, Kapuze oben. Mir wurde schon noch heißer vom Zuschauen. Schnell wurde klar, dass es trotz Reggae und Dub ein ernstes Konzert werden würde. Mit ihrer ernsten Miene, die man ja schon von ihren Videos kennt, und sehr introvertiert schmetterte die in Hamburg lebende Musikerin ihre Songs der tanzenden Menge an Festivalbesucher_innen entgegen. Nach ihrem Hit "My Home", der Niemanden mehr ruhig stehen ließ, wurde es ihr vermutlich dann doch zu heiß. Der Hoodie, der als Aufdruck Afrika in Raster unterteilt hatte, worauf sie bei jeder Möglichkeit deutete, wich einem schlichten schwarzen Top. Nneka fühlte sich langsam aber sicher wohl.
Schon immer waren die Texte der Musikerin stark von ihrer Kindheit in Nigeria und dem Erwachsenwerden in Deutschland geprägt. Religion und Moral sich gleich Titel und Inhalt ihrer Songs wie Liebe, Familie oder das Aufwachsen in der dritten Welt. Eine harte Kost, vor allem nicht nur für den Zuhörer. Über den ganzen Abend verteilt war es kaum möglich ein Lächeln auf ihrem Gesicht zu erkennen, immer schmerzverzerrt und ernst schien sie sich uns mitteilen zu wollen. Persönlich hatte ich auch das Gefühl, dass sie mit so viel Feedback/Applaus nichts anzufangen wusste. Was vielleicht bei anderen Musiker_innen unsympathisch oder eingebildet wirken könnte, unterstrich bei der Nigerianerin die Meinung der Songs, die Handlung, den Subtext.
Nneka zeigte sich auch instrumentalisch in guter Form, griff sie doch zur Gitarre und auch auf dem Cajon bewies sie Können. Im Vergleich nichts zu ihrer gesanglichen Leistung. Selten so eine gute Live-Performance gesehen, was das betrifft. Als beinahes Ende ihrer Show gabs ein Highlight, auf das viele gewartet haben: Ihren Hit "Heartbeat", anders als auf der Aufnahme, und für diejenigen die wegen dieser gekommen waren vielleicht nicht den Erwartungen entsprechend. Mehr Dub und Reggae, Afrobeat lastig und untermalt von perfekten Gitarrensoli tobte sich die Band aus während die Frontfrau Nneka sich gesanglich in andere Dimensionen sang.
Als Zugabe wurde noch eine Nummer mit Rap-Unterstützung eines weiteren Members ihrer Crew geliefert, die dieses mal sogar Mitklatschen beinhaltete. Mit einem letzten "Thank You, dankeschön." verschwand die Sängerin so unscheinbar wie sie gekommen war. Die Stimmung nach dem Konzert war gelassen, bemerkten die Besucher_innen wohl erst dann, was für eine grandiose Show, ein definitives Highlight des poolbar-Festivals sie gerade miterleben durften. Und zwar "the beginning, the middle, the end".

Nneka, we can feel your heartbeat. Danke dafür. 

Matthias Rhomberg hat fleißig fotografiert und wir die Fotos in dieser Galerie zusammengestellt. Auch der Shop ist wieder mit den aktuellsten Fotos bestückt, damit dem Poster oder der Leinwand für zu Hause nichts mehr im Wege steht!

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