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Nachschau: Destroyer

Gestern standen Destroyer auf dem Plan und wer – so wie ich noch vor gar nicht so langer Zeit – glaubt, da hätte eine Metalband zum Headbangen aufgerufen, liegt kräftig daneben. "Man nehme etwa das letztjährige „Kaputt", das erfolgreichste Album Bejars und mit Platz zwei in der Pitchfork-Jahresrangliste durchaus prominent geadelt: Auf diesem werden Anleihen am Cool Jazz genommen, dem seichtesten Soft-Pop der 1980er gehuldigt, von Mazzy Star inspirierter Dream Pop prallt auf Bejars Reibeisenstimme, elegische Saxofon-Soli kommen ebenso zum Einsatz wie schmalzig-triefende Synthies", schreibt Julis Schlögl im Programmheft über die Kanader. Wer sich jetzt in den Hintern beißt, kann sich immer noch das Video zu gestern anschauen und eine neue Lieblingsband in seine Playlist aufnehmen:



Und hier der Konzerbericht von Reiner Kapeller:


Das Herzstück von Destroyer gab sich vor allem zu Beginn zurückhaltend. Die Augen meist niederschlagen, sinnierte Dan Bejar in Liederform. Gesang und Einsätze waren dennoch präzise, punktgenau und mit Gefühl näher gebracht. Den Kontakt zum Publikum suchte er vorerst jedoch noch nicht. Meist stützte sich der Kanadier auf den Mikrofonständer, sang dann tief in Gedanken versunken. Überhaupt war sein Auftreten gewöhnungsbedürftig. Zwischen den Gesangsparts ging Bejar immer wieder in die Hocke, so als wolle er den Blick auf seine Band freigeben. Er nahm sich immer wieder zurück.

Zuhause
Zeitweise saß der Frontmann gar entspannt am Boden, als befände er sich in seinem eigenen Wohnzimmer. Dann lauschte er dem Spiel seiner Bandmitglieder, fast so als ob er sie immer wieder aufs Neue höre. Achtungsvoll würdigte Bejar die Soli seiner Bandmitglieder, applaudierte und schenkte ihnen ein Lächeln. Selten wirkte ein Konzert so ungezwungen. Die Motivation so schien es, kam von innen. Nicht vom Applaus der Besucher im Pool, sondern aus einer eigenen Vorgabe heraus, einem an sich selbst gerichteten Versprechen, den eigenen Ansprüchen zu genügen.

Die siebenköpfige Band formierte sich im Halbkreis um Dan Bejar und führte souverän durch das Set. Dieses bestand zu einem Großteil aus dem 2011er Album „Kaputt" und gab sich dementsprechend betont luftig. 80er Reminiszenzen und Saxofon-Soli zelebrierten einen zeitweise fast loungigen Sound. Dennoch wurde die bandinterne Harmonie hin und wieder gebrochen. So steigerte sich die Band ab und zu in immer wildere Höhen und ließ ihr Spiel bewusst zusammenkrachen. Es half, weil es wachrüttelte und das so selbstverständliche klappende Zusammenspiel der Band erst richtig vor Augen führte. Man konnte fühlen, wie vertraut sich die Musiker sind.

Die Rolle des Animateurs, der in große (oft belanglose) Dialoge mit dem Publikum tritt, ist nicht die Bejars. Trotzdem war das gestern alles andere als verschlossen. Destroyer nahmen die Zuschauer mit, denn Bejar öffnete sich dem Publikum bereits von der ersten Sekunde an. Es brauchte Zeit um das zu realisieren und zeitweise mochte man fast meinen, hier steht ein bedrückter Mann auf der Bühne. Tatsächlich wurden die Besucher aber Zeuge einer authentischen Performance, wie man sie nur ganz selten erlebt. Destroyer scherten sich einzig und allein um die Musik und verzauberten so das Publikum.

Setlist:

Music Lovers
Savage Night
European Oils
Downtown
Chinatown
Kara Walker
English Music
Self Portrait
Kaputt
Libby's 1st Sunrise
Rubies

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