Poolbar Blog

2017


2016


2015


2014


2013


2012


2011


2010


2009


2008


Nachschau: Trouble Over Tokyo

Angstpop is dead, long live Angstpop

 

Text von Lukas Ortner


Wie letztes Jahr boykottierte ich ein anderes Festivalspektakel und suchte unter heftigem Regen die poolbar auf. Das Wetter passte: Toph Taylor trug sein Alterego Trouble over Tokyo zu Grabe, den Trauermarsch bliesen Squalloscope und Eloui.


Eingeregnet und unsicher darüber, was der Abend in petto haben würde, gings das erste Mal in diesem Jahr in den Pool. Endlich. Und pünktlich nahm da etwas seinen Anfang, das unerwarteter nicht hätte sein können. Anna Kohlweis schlüpfte in die Rolle von Squalloscope und präsentierte der noch niedrigen Anzahl an Besucher_innen ihre Songs. In reinster Dalai Lama-Pose, im Schneidersitz auf einem Podest, gings in Richtung Gregory and the Hawk, mit elektronischen Einflüssen. Das änderte sich auch nicht mehr wirklich, zum Schluss gabs ein Bruce Springsteen-Cover – der Höhepunkt der Show. Schade, hatte ich doch mehr erwartet.


Eloui als überzeugender Support...

Nach kurzer Umbaupause, erneuten Regenschauern und plötzlichem Menschenandrang betrat die gebürtige Schweizerin Eloui die Bühne. In einem Kleid, das in Sachen Extravaganz nur noch von ihrer Frisur getoppt wurde, lieferte sie eine Show, die sich  meiner Meinung nach soundtechnisch irgendwo zwischen Soap&Skin und Björk herumtrieb. Gleich als zweite Nummer wurde ein altes Berner-Lied angestimmt, noch von ihrer „Großmami“. Sympathiepunkt. Was schnell klar wurde: Der Abend hatte ein Motto und dieses wurde auch von den Supportacts vertreten. Der Pool füllte sich langsam, Eloui funktionierte. Gute Show, guter Sound, guter zweiter Gang. Bitte die Hauptspeise. Mahlzeit.


...für die LAST Show. EVER.

Das erste Mal 2008 mit vier- oder fünfköpfiger Band ebenfalls im Pool gesehen, war ich insgeheim Fan der (fast) ersten Stunde. Damals schon überzeugend, fing das gestrige Konzert von Trouble over Tokyo in gewohnter Manier an. Bei der eigentlich letzten Show im Spielboden dieses Jahr war ich ein bisschen enttäuscht gewesen, da ich mich nicht mit dem „Neuen“ in der Band anfreunden konnte. Und auch diesmal hatte Toph Taylor als Unterstützung einen Schlagzeuger mit vollen Drumset dabei. Überraschenderweise war genau das gestern ein mächtiger Pluspunkt. Vielleicht lag es am besser abgemischten Sound oder allgemein an der „Es ist das allerallerallerletzte Konzert“-Stimmung. Ich hätte mir gewünscht, dass Taylor eine ausverkaufte Show als Farewell im Gedächtnis bleibt, aber nichtsdestotrotz war der Pool gut gefüllt und das Publikum motiviert. Songs aller Alben (1000, Pyramids und The Hurricane) wurden herausgeschleudert, in den Pausen dazwischen wie üblich gescherzt. Was ihm wichtig war: „This is the last show EVER. After this, it's OVER.“. Bei Klassikern wie „The Liar“ oder „Save Us“ schwappte die Stimmung über die Beckenränder hinaus und Bilder der 2008-Show kamen mir in den Sinn. Schade, dass es nicht noch näher an das hinkam. Die Zugabe „Eyes Off Me“ wurde vom Publikum weitergetragen. Persönlich fehlte mir die alte Energie, der Funke. Wer es davor nicht gemerkt hat, dem wurde es spätestens gestern klar: Die Luft ist raus.


Nichtsdestotrotz – eine gebührende Abschieds-Show, die jede/n Besucher_in mit einem lächelnden und einem weinenden Auge zurückließ. Toph, danke für 7 Jahre Angstpop, danke für gute Musik – wir sind gespannt, was man als nächstes von dir zu hören bekommt.


Trouble Over Tokyo (2005 – 2007). R.I.P.

 

0 Kommentare
Anmelden zum Kommentieren