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Nachschau: Cro / Flip & Average / Mr. Dero & Klumzy Tung

Diesmal gibt es eine ganze Menge an Fotos, die die Stimmung des gestrigen Abends einfangen.

Danke an Matthias Rhomberg fürs Ablichten - alle Fotos sind hier zu finden - und auch im Shop.

 http://poolbar.at/system/asset/filename/13548/Cro_BY_MATTHIAS_RHOMBERG_002.jpg

...und bestens in Worte gefasst hat für uns den Abend Lukas Ortner. Merci!

Easy. Easy. Oder doch nicht?

Was gestern (und überhaupt generell dieses Jahr) gut geklappt hat? Keine Probleme mit der Gästeliste. Was ein echter Schock war? Die Menschenschlange, die ich zuerst vor der Bar vermutete, entpuppte sich als Publikum, das es kaum erwarten konnte, die Halle zu stürmen. Der Medienhype Cro gab sich die Ehre, als amouse gueule gabs die Tuesday Classics von Flip & Average.

„Die Songs gibt’s auch als Album auf Vinyl, für diejenigen die wissen, was das ist.“ Dieser Satz des Texta-Rappers Flip zwischen zwei Songs beschreibt die Situation recht gut: Von Anfang an hatte ich das ungute Gefühl á la Lethal Weapons' „I'm too old for this shit“. Gekreische schon während des Poolbar-Trailers, Auftritt Cro, der kurze Ausschnitt seines „Sunny“ (von Bobby Hebb)-Samples „Easy“ wurde lautstark mitgeschrien. Jungspunde, die leider immer noch nicht wissen, wie man eine Baseball-Cap richtig anzieht (Nein, das hat nix mit Style zu tun, wenn sie nur auf dem Kopf „liegt“, das schaut einfach nur deppert aus), XXXL-Shirts und Baggypants, Nerd-Brillen und Herumgehüpfe, das nur entfernt an Hip-Hop-Moves erinnert. Eine Mischung zwischen dem Hip Hop, den uns Hollywood eintrichtert, und dem Hipster-Wonderland.


Super Support-Act ...

In solchen Situationen ist es für einen Supportact immer schwer. Man erinnere sich zum Beispiel an den Manson-Abend mit den Surfaholics, die zwar eine super Show hinlegten, aber leider nicht wirklich zu dem Goth-Publikum vordringen konnten. Gestern präsentierten Flip von Texta und Average von Die Au ihre energiegeladenen Tuesday Classics als Support. Und diese reichen von Dr. Dre über Snoop Dogg, Cypress Hill, A Tribe Called Quest bis hin zu den Godfathers des Rap, Run DMC - jeweils echte Klassiker ins Deutsche übersetzt. Was hier relativ lau und einfallslos klingt, ist in Wirklichkeit eine perfekte Synchonisation der Texte und worum es im Rap wirklich geht - funktioniert bei den Tuesday Classics sogar die Intonierung der einzelnen Wörter. Traurig nur, dass die zwei Linzer Rapper ihr Projekt auch noch näher erklären müssen. Das falsche Publikum, was auch des Öfteren von der Dame an meiner Seite widerholt wurde. Von mir gibts ein dickes Lob - vom jungen Publikum gabs nur ratloses Staunen, sinnloses Kreischen und Hände in die Höhe auf die Art „Wow, was für ein fetter Bass“ (kurze Anmerkung: Der Bass war wirklich übertrieben gestern, das war die reinste Qual).. Ich befand mich nicht auf einer Hip Hop- Show, die ausverkaufte Halle verwandelte sich mehr und mehr in ein Hipster-Justin-Bieber-Konzert.

Nach einem ewig langen Intro war es dann soweit. Der Rapper Cro (bürgerlich Carlo Waibel) betrat die Bühne, das Gekreische ging wieder los. Typisch mit Panda-Maske begrüßte er das Poolbar-Festival mit einem langgezogenem „Feldkirch!“ und „Lasst mal was hör'n!“. Bekleidet in einem ärmellosen XXXL-Shirt und mit verkehrt aufgesetzter Cap unter der Maske pushte er das Publikum von Sekunde zu Sekunde, von Minute zu Minute. Das Gekreische wich Mitsprechgesängen, die Tanzmoves beschränkten sich auf die typische Hip Hop-Bewegung mit der Hand in der Luft, auf und ab und auf und ab. Die Pausen zwischen den Liedern, die größtenteils aus Samples bereits existierender Songs bestehen, zum Beispiel von (wie vorher erwähnt) Bobby Hepp oder auch der Band The Ceasars, wurden wieder von den schrillen Schreien der weiblichen (Jung)Fans gefüllt, seichte Ansagen seitens Cro gabs dann auch noch einige, aber auch Interaktion mit der Band. So darf sich eine gewisse Jenny über ein Foto mit dem Star des Abends auf der Bühne freuen - gratuliere.


... für 60 Minuten Raop

Cro selbst bezeichnet seine Musik (genauso wie sein Album) als „Raop“, eine Mischung aus Rap und Pop. Was ich nicht verstehe, ist der Wirbel darum. Dieses Genre ist nichts neues, und als Fan der alten Schule (it's tricky!) hab ich mit dem neuartigen Sound gewöhnunsgbedingte Probleme (w.o. I'm too old for this shit!). Auf Pandabären haben die Jungs von Frittenbude das inoffizielle Patent, und die Band hat das alles auch nicht rausgerissen. Ein positiver Aspekt: Der Stuttgarter Pop-Rapper (Raopper, sorry) weiß, wie man ein Publikum motiviert und entertaint. Auch wenn er als Headlinder nur knappe 60 Minuten auf der Bühne stand.

Für mich persönlich zu viel Kindergarten (da hätt man ja gleich aus szene Open Air gehen können), zu wenig wirklicher Hip Hop, und zu viel Gekreische. Den Kiddies (und sicher auch ein paar anderen, älteren Besucher_innen) hats gefallen, die Stimmung war am explodieren, und was man draußen auf der Terrasse als Resonanz mitbekam, war zu mehr als 90 % positiv.

Fazit: Hip Hop als Support, und eine Hipster-Panda-Raop-Show als Hauptact.

Ich freu mich auf morgen (Effi, Speech Debelle, und Jon Spencer FUCKING Blues Explosion) - und versuch noch immer den gestrigen Abend zu verstehen. So long.

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