Poolbar Blog

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Review: Effi, Speech Debelle, Jon Spencer Blues Explosion

Text von Lukas Ortner

Der letzte Abend des mittlerweile legendären FM4-Wochenendes in der poolbar Feldkirch: Das Durchschnittsalter durchaus höher, Spanferkel-Dinner auf der Terrasse und guter Sound im Wohnzimmer. Effi, Speech Debelle und John Spencer Blues Explosion. Los gehts.

 

Don't be afraid. It's only poolbar Fesival!

Leider im Spielboden und auf dem Freakwave verpasst, war ich umso gespannter, was mich bei dem Singer/Songwriter Effi erwarten würde. Der Grazer Thomas Petritsch, der sein Musikprojekt nach einem Roman von Theodor Fontane benannt hat, betrat pünktlich um 21:00 Uhr die Bühne und legte gleich los. Eine geladene Show aus Indie, Swing, Reggae und vereinzelt Jazz-Rock wurde da geboten, getragen durch eine markante Stimme, die dem Publikum durch verschachtelte, tiefgründige Texte beibrachte, dass das Leben dann doch nicht so schlecht ist. Unterstützt wurde Petritsch mit Schlagzeug, Bass, Trompete und Posaune - er selber tobte sich an verschiedensten Instrumenten wie Gitarre, Ukulele und Mundharmonika, aber auch am Laptop aus. Die Stimmung wurde besser und der Spaß rückte in den Vordergrund. Als Zugabe gabs einen Elektro-Pop-Song, der aus dem (live) geloopten Satz „Danke für die schöne Zeit, danke für die Blumen, und für die Musik.“ bestand. Nein Effi, wir danken.


Gesellschaftkritik ...

Nach raschem Umbau ohne viel Federlesen gings gleich weiter. Corynne Elliott, a.k.a. Speech Debelle, und ihre vierköpfige Band betraten die Bühne und von Anfang an war klar: Das gemütliche Herumwippen und Mitsingen, das die Show von Effi so sympathisch gemacht hat, war vorbei. Gesellschaftskritischer gings in Richtung Rap, kein Gesang, nein, energiegeladen wurden dem Publikum die Phrasen entgegengeschleudert, irgendwo zwischen jamaikanisch und british english. Und den Besucher_innen gefiel´s. Es wurde gejubelt und mitgetanzt, aber wie vorher erwähnt, das hatte nichts mehr mit Gemütlichkeit zu tun. Hier wurde die Sau rausgelassen, wie man so schön sagt, und das nicht nur vor der Bühne. Elliott marschierte, sprang und hüpfte auf der Bühne herum - und genau das funktionierte. Es wurde gebührend applaudiert - und nach so einer Show nimmt es Speech Debelle sicher niemand übel, wenn sie den Text der Zugabe vergisst. Im Gegenteil.


... und Trash-Blues vom Feinsten

Mit etwas Verspätung betrat Jon Spencer mit seiner Blues Explosion die Bühne der gut gefüllten Halle (wieder so heiß!). Trash-Blues vom Feinsten, was wenig mit Indie-Rock zu tun hat, gepaart mit Noise und Rock'n'Roll. Minimalistischer besetzt geht kaum noch - 2 Gitarren, bei denen vermutlich nur ein Effekt verwendet wird, „More Distortion“, und ein Schlagzeug mit Snare, Stand-Tom, Crash-Becken, Hi-Hat und Bass-Drum - und trotzdem wurde gelärmt, was das Zeug hält. Spencer himself gekleidet in schwarzem Hemd, Weste und enger, schwarzer Lack/Leder-Hose (das muss man zuerst mal aushalten) war sichtlich motiviert und so gab es nicht nur einmal den legendären Spruch zu hören: „B-B-B-BLUES EXPLOSION!“. Schon seit Anfang verzichten die 3 Musiker auf Unterstützung in Form eines Bassisten, und wer gestern in der poolbar war, weiß jetzt auch warum: Der vorhandene Platz auf der Bühne wurde mehr oder weniger ignoriert (so hätte die Band sicher auch im Brutkasten Platz gehabt - das wär eine Show gewesen!) und aufeinander klebend gab es harmonische Melodien der Superlative, die hin und wieder in Soli abwichen, immer in-Time durch das winzige Drum. Jon Spencer drehte noch mehr auf, fummelte an seinem Gitarrenamp herum, Rückkopplungen standen im Vordergrund. Das Theremin wurde in üblicher Manier malträtiert, dem Publikum hats sichtlich gefallen.


Abschließend: Ein Abend, der musikalisch sicher kaum facettenreicher hätte sein können, aber nichtsdestotrotz (oder vermutlich genau deshalb) auf keinen Fall zu verpassen. Die letzte Woche des poolbar-Festival steht bevor, ich freu mich auf WhoMadeWho, Stator und Mogwai - und verbleibe bis dahin mit freundlichen Grüßen. Oder so.

 

Gerade erst geknipst und schon geteilt: Alle Fotos von vegangener Nacht sind von Matthias Rhomberg und hier zu betrachten. Sehr schön.

 http://poolbar.at/system/asset/filename/13745/Speech_Debelle_BY_MATTHIAS_RHOMBERG_006.jpg

 

 

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