Poolbar Blog

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Nachschau: WhoMadeWho

Heiße Luft und Disco-Dänen
Text von Lukas Ortner


Jedes Jahr begebe ich mich mindestens einmal in die Hallen der poolbar ohne einen Funken einer Vorahnung, was mich erwartet - meist zeitlich bedingt, wobei auf diese Art der erste Eindruck wirklich als solcher fungiert. So wie gestern. Der zweitletzte Abend des poolbar-Festivals 2012: WhoMadeWho, mit Times New Roman als Aperitif.

Gerüchten zufolge das heißeste Wochenende des Jahres, gaben sich Shorts und Sommerkleider die Hand. Aufgrund des spärlich ausgefallenen Vorverkaufes wurde der musikalische Teil des Abends spontan in den Pool verlegt - für mich persönlich ein definitiver Pluspunkt, allein schon wegen der Akkustik. Mit kaum erwähnenswerter Verspätung begann die Show der 7 Musiker des Architekturstudenten-Kollektivs Times New Roman, die von Anfang an die Temperatur der gut gefüllten Location weiter hochtrieben. Extravagant, aber definitv originell, bestand das Bühnenoutfit aus Feinripp-Unterwäsche, Fliegerkappe, Schal und sogar eine Lederhose war mit von der Partie. Passend dazu gabs Sound, der sich in Spähren zwischen Indie, Country und Post-Rock bewegte, getragen von verschiedenster Instrumentierung (neben der klassischen Besetzung Gitarre, Bass, Schlagzeug gabs Waldhorn, Xylophon und Synthesizer) und bis zu 7-stimmigem Gesang. Klassisch D.I.Y. untermalten jeweils dazu passende Visuals jeden einzelnen Song, selbstgebastelte Propeller hingen von der Decke. Schade, dass die Jungs nicht auch noch für das Licht zuständig waren (zu viel Stroboskop, viel zu viel Stroboskop!). Abgesehen davon war das Publikum (and yours truly) von der Show schwer beeindruckt. Danke dafür. Hoffentlich bald wieder.

Nach dem kurzen, allabendlichen Wohnzimmer- und Terrassenbesuch gabs eine (nicht sehr erfreuliche) poolbar-Premiere: Mischpult-Absturz. Und wie das bei den digitalen Dingern (auch wenn das vielleicht Tocotronic mal gesagt haben - digital ist nicht immer besser) dann eben so ist, dauerts, bis das Problem behoben ist. Nach den ersten daraus resultierenden Pfiffen und Buh-Rufen betrat Gitarrist und Sänger, Jeppe Kjellberg (by the way, congratulations on your fatherhood!) die Bühne und entschuldigte sich mit einer kurzen Ansprache á la „We are sorry, we have a technical problem!". Sympathisch. Doch nicht genug für den nun beinahe ganz gefüllten Pool. Es musste noch jemand her - Herwig Bauer himself erwies sich die Ehre und entschludigte sich offiziell von Seiten des poolbar-Festivals. Zwar immer noch nicht genug, aber immerhin blieben nun Pfiffe aus. Dann geht man hald noch was trinken.

Nach einem erneuten Soundcheck fing endlich der Hauptact an. WhoMadeWho, das Synthie-Pop-Rock-Trio aus Dänemark legte los - Wohnzimmer und Terrasse leerten sich auf einen Schlag und der Pool wurde gestürmt. Oben genannter Jeppe Kjellberg und Tomas Hoffding (Bass, Gitarre - Tipp: sein Soloprojekt Bon Homme) betraten die Bühne, am Schlagzeug die Vertretung von Tomas Barfod, der leider verhindert war. Die Hosenträger-Fraktion lies es ordentlich krachen, verzerrte Bass-Rythmen (ein bisschen Depeche Mode, ein bisschen Bronski Beat), Indie-Gitarren und ein stetiges Drum untermalt verschiedenster Samples warfen einen direkt zurück in die 80er, Disco-Time war angesagt. Es wurde mehr als geschwitzt und das Thermometer zum Platzen gebracht. Man sah Hände (und von Zeit zu Zeit sogar eine Krücke) in der Luft, es wurde gejubelt und sogar auf den Stiegen dem Sound mit mindestens Kopfnicken Ehre getan. Hoffdings Vollbart wurde noch getoppt von Kjellbergs Schnauzer (Wyatt Earp?), der Schlagzeuger grinste mit sich selber um die Wette, und trotz des extravaganten Tanzstils war es keine Freakshow: Der Sound grundsolide, interaktiv mit dem Publikum („Feldkirch, are you still with us?") und perfekter zweistimmiger Gesang machten den Hauptact auch für Nicht-Tanzende (yours truly) zum Erlebnis. Die 9 Jahre Bandgeschichte haben ihre Spuren hinterlassen, dieSicherheit auf der Bühne lies nicht zu wünschen übrig, wurde noch ein Sektglas zum Slider umfunktioniert und dann in die Ecke geworfen.

Der vorletzte Abend des 19. poolbar Festivals hinterließ verschwitzte Gemüter, genervte Techniker, ein zufriedengestelltes Publikum und bandtechnisch mehr als nur gute erste Eindrücke. Danke. Und für die Dänen: Tak!

Das Highlight steht für heute an, Stator im Brutkasten (unbedingt anschauen!), die Schweizer von Eno und als farewell Mogwai. See you there.

Und hier noch ein Video zum Abend:



Zur Galerie mit den Fotos von Dominik Hadwiger geht es HIER!

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