Poolbar Blog

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Nachschau: Mogwai

Aus. Ende. Schluss.
Text von Lukas Ortner

Ein letztes Mal Architekur aus „Schohltafla", ein letztes mal Biermobil, ein letztes Mal Brutkasten, Terrasse und Wohnzimmer - das poolbar-Festival verabschiedete sich mit einem Knall: Stator, Eno und Mogwai lärmten zum Schluss nochmal was das Zeug hielt.

Wie schon oft erwähnt Fan des Brutkastens, war ich vor allem auf den Stator-Gig gespannt, die in dieser Hinsicht schon zu den „alten Hasen" gehören. Waren sie in den letzten Wochen, Monaten mit dem Formen ihres neuen Werks beschäftigt und hatten sich aufgrund dessen etwas zurückgezogen, gabs gestern in alter Manier eine Show vom Feinsten. Das Stonerrock-Duo zeigte auf, dass auch Vorarlberg in dieser Szene nicht zu unterschätzen ist, und nahm das Publikum mit auf eine Reise durch karge Wüstenlandschaften, mit trockener Kehle und zerrissenem Schuhwerk, auf der Suche - ja, nach was eigentlich? Danke Stator.

Schon viel Gutes von ihnen gehört, leider noch nie live gesehen. Typisch Postrock-like kein Gesang, die Beleuchtung (dieses mal fast ohne Struboskop) schlicht in selten mehr als 2 Farben gehalten, Samples mit dezent elektronischen Beats, Schlagzeug, Gitarre und Synthesizer. Die zwei-Mann-Kombo Eno aus der Schweiz tastete sich ruhig heran, schleichend wurde das Publikum in den Bann der sich überschneidenden Melodien gezogen. Flageolett wechselte sich mit hoch-oktavierten Gitarrenspuren und Streicherkompositionen ab. Ein bisschen Explosions In The Sky, mit weniger Explosions und mehr „So long, lonesome". Ein bisschen God Is An Astronaut, mit weniger Gott und mehr Weltall. Das Postrock-Herz schlug zu Recht höher, die Hitze blieb zum Glück weitgehend aus. Die Reaktion des Publikums? Geschlossene Augen, Kopfnicken, Takt mitstampfen. Danke Eno.

Ein letzter Wohnzimmer-Check, vor der Hitze auf die Terrasse flüchten, sich verquatschen und wieder rauf in die Halle hetzen. Und da gabs richtig was auf die Ohren. Die Postrock-Heroes Mogwai aus Schottland betraten die Bühne und was da geboten wurde war.. eine Wand. Eine Wand aus Lärm. Persönlich das erste Konzert seit 6, 7 Jahren bei dem ich wirklich Ohrenstöpsel verwendet habe (hierzu muss gesagt werden, dass ich ein stetiger Konzertbesucher bin, und selbst in einer Trash-Blues-Band spiele; nicht mal dort wird das verwendet). Nach einem (typisch) ewig scheinenden Song gabs ein kurzes „Hello, we are Mogwai from Glasgow. Dankeschön. Thank you!" von Gitarrist Stuart Braithwaite. Weiter im Text: Unterstützt durch mehr als nur passende Visuals formte sich die Lärm-Wand in Landschaften um, Mogwai übernahm das Steuer auf der Reise, die mit Stator und Eno begonnen hatte. Augen zu. Kopf nicken. Und dann plötzlich dieses Gefühl - sie spielen nur für dich. Der Bass bringt die Haut zum Vibrieren, der Sound wird lauter und lauter, die Ohrstöpsel nützen nichts. Unterhaltungen konnten nur noch über den Handybildschirm oder per Handzeichen geführt werden. Mogwai behielt die Oberhand, spielte sich in jede_n einzelne_n Festivalbesucher_in persönlich und als Barry Burns schließlich vors Mikrophon stand und seine Stimme als Instrument fungierte, war die Reisende Meute angekommen. Augen zu. Kopf nicken. Die Melodien überschlugen sich, die kurzen technischen Probleme von Gitarrist John Cummings wurden gerne hingenommen. Als Zugabe gabs noch einen Post-Stoner-Sludge-Verschnitt (oder sowas?) und auch da bewiesen die Schotten, dass sie für kein Genre zu geizig sind. Danke Mogwai

Ein Festival voller Ups und Downs liegt hinter uns, der gestrige Abend war das perfekte farewell. Ich geh mir Mogwai am Samstag in Zürich nochmal anschauen - einen schönen Sommer und bis nächstes Jahr! Augen zu. Kopf nicken.

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