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Ich mache Popmusik

Im April diesen Jahres veröffentlichte Matthias Peyker, alias A Thousand Fuegos, das Album "The Treachery Of Things", das uns mit seinen sphärischen Klängen durch den Frühsommer begleitete.
erschienen auf fm5.at, Interview von Nina Wöss und Elisabeth Voglsam


A Thousand Fuegos ist das Soloprojekt des Exil-Kärntners Matthias Peyker, der mit The Treachery Of Things ein Album zum Loslassen und Träumen hingelegt hat. fm5 traf den Künstler im Trubel des Popfests um mit ihm über Pop und Politik zu plaudern.


fm5: Wir sind hier am Karlsplatz, dem Herzen des Popfests, auf dem du auch selbst aufgetreten bist. Was waren deine bisherigen Highlights?

Matthias Peyker: Ich war bis jetzt an allen Tagen hier und werde mir auch heute (Anmerkung: Sonntag, letzter Tag des Popfests) noch einige Shows ansehen. Ich mag diese Energie, die hier herrscht und lasse mich gerne treiben. Für mich ist es schwierig Highlights zu nennen. Ich fand die gesamte Veranstaltung sehr cool. Natürlich sind es Acts, die dem Kurator Robert Rotifer gefallen und die aus der Alternativ-FM4-Ecke kommen. Trotzdem ist es sehr gut durchgemischt - von großen bekannten Namen bis zu unbekannteren Bands aus interessanten Nischen.
Ich habe mich gewundert, dass man drei Jahre lang immer wieder neue Bands findet, die man hier auftreten lassen kann und wahrscheinlich gibt es noch ganz viele Acts, die nicht in dem Zusammenhang stehen, in dem sich Robert Rotifer bewegt. Aber da es ja ab dem nächsten Jahr einen neuen Kurator geben wird, bin ich gespannt, was es Neues geben wird.

Was wird sich mit einem neuen Kurator ändern?

Ich glaube für die Seebühne, wo viele Menschen hingehen, kann man schwer etwas anderes finden. Jemand der Ö3-Einfluss hat würde vielleicht Acts wie Anna F. bringen. Das wäre schade, weil es dann zu einem klassischen Stadtfest verkommen würde. So wie es jetzt funktioniert, ist es cool, dass es etwas Alternatives ist, das trotzdem so viele Menschen anspricht.

Deine Musik wird mit den verschiedensten Labels versehen - Pop, Electronic, New Wave - wo ordnest du dich selbst ein?

Ich nehme jetzt oft in Kärnten, im Haus meiner Großeltern, auf. Dort kommen immer wieder Verwandte vorbei und stellen die klassischen Fragen: Was machst du so? Womit verdienst du dein Geld? Was machst du für Musik? Dann sage ich immer: Popmusik. Für mich ist diese Bezeichnung voll ok, denn irgendwie umfasst der Begriff alles. Für mich gibt es da keine Grenzen und ich bin sehr weitläufig interessiert und versuche das in meine Musik einfließen zu lassen.
Wenn man sich für meinen musikalischen Werdegang interessiert, dann merkt man ohnehin, dass ich mich vom Folk in die elektronische Richtung bewegt habe. Ich kann auch gar nicht sagen, in welche Richtung es zukünftig gehen wird.

Welche Künstler beeinflussen deine Arbeit?

Meine Einflüsse sind wahrscheinlich genauso vielseitig wie das, was dann rauskommt. Ich bin derzeit eher von Literatur als von Musik beeinflusst. Derzeit lese ich gerade ein Buch von Thomas Pynchon, in dem er versucht etwas Ganzheitliches aufzubauen. Es hat 1800 Seiten und es geht immer weiter - ohne Anfang und Ende. Es ist alles drinnen, von Wissenschaft über Religion bis Politik. So etwas fasziniert mich sehr. Das große, gesamte Bild.

Wie bist du musikalisch sozialisiert worden?

Ich komme eigentlich vom Hip-Hop. Skateboard fahren und Hip-Hop sind meine ersten eigenen Einflüsse. Meine Eltern sind nicht besonders musikaffin, da habe ich nicht viel mitbekommen.

Deine Musik erinnert oft an Filmsoundtracks. Wenn du dir einen Regisseur deiner Wahl aussuchen könntest, mit wem würdest du zusammen arbeiten?

Ich würde Kelly Reichardt auswählen. Das sind sehr ruhige Filme, die ohne Anfang und Ende unaufgeregt dahingehen. Oder auch Filme von Richard Linklater, dessen Werke auch in diese Richtung gehen. Da könnte ich mir meine Musik gut dazu vorstellen.

Anna Kohlweis, alias Squalloscope, hat in einem der Popfest-Panels erwähnt, dass sie gemeinsam mit dir in Kärnten aufgenommen hat. Was kannst du dazu erzählen?

Jeder von uns saß in einem anderen Raum des Hauses und baute seinen Laptop und die Instrumente auf. Dann haben wir Sachen aufgenommen und uns gegenseitig geschickt. Wir sind gerade dabei unseren Flow zu finden. Wir arbeiten ansonsten beide alleine und unsere Zusammenarbeit ist im Rahmen einer They Shoot Music Session entstanden. Das hat so gut gepasst, dass wir gedacht haben, wir schauen mal was passiert.

In einem Interview mit FM4 meintest du „Ein Laptop auf der Bühne geht gar nicht" - wie ist deine Herangehensweise zu Live Auftritten?

Das Live-Setup sind verschiedenste Sampler und Drum-Machines. Für mich ist das wie Songs schreiben. Ich produziere zuerst den Beat und improvisiere dann dazu. Ich sitze oft stundenlang vor den Geräten und steck' sie irgendwie zusammen und probiere Verschiedenstes aus. Dann schneide ich Sachen aus, die mir gefallen. Live versuche ich dann diese Sounds zu rekonstruieren.

Du bist von Kärnten nach Wien gezogen - wirst du des Öfteren auf die politische Lage in deiner Heimat angesprochen?

Nein, das ist mir noch nicht passiert. Aber die politische Lage ist schon auch einer der Gründe, warum ich nicht mehr in Kärnten bin. Diese Tatsache, dass es dort politisch so undurchsichtig und seltsam zugeht. Ich finde das auch sehr schade, dass das so passiert. Gerade gestern habe ich zwei Leute getroffen, die in Villach den Kulturhofkeller machen. Das imponiert mir total, dass es da immer noch Leute gibt, die Sachen machen und versuchen etwas auf die Beine zu stellen und sich nicht von der politischen Lage beeinflussen lassen. Das Kulturbudget in Kärnten sieht so aus, dass 98 Prozent für Brauchtum und die Seebühne am Wörthersee draufgehen und der Rest ist dann für irgendwas „Alternatives". Das ist dann schon schwierig. Deswegen geht man dann auch nach Wien, weil dort die Infrastruktur doch besser funktioniert.

Danke für das Interview!

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