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Wellenreiten am Donaukanal

Nina Wöss für fm5.at
Fotos: Elisabeth Voglsam


Zum zweiten Mal in Folge fand am ersten Oktoberwochenende das Waves Vienna statt und lockte Musikliebhaber von nah und fern an den Donaukanal. Tu Fawning, Dillon & Vinnie Who sorgten für Unterhaltung. fm5 hat sich für euch unters Volk gemischt.

Mit einem Line Up von mehr als hundert Bands und zwölf Venues haben die Besucher die Qual der Wahl. Dies zeigt sich vor allem am Eröffnungstag, an dem unter anderem Dillon, The Wave Pictures und Ghostpoet um die Gunst des Publikums buhlen. Während die einen die Eröffnung, samt Österreich-Premiere von „Shut up and play the hits“, im Gartenbaukino genießen, tummeln sich die anderen schon bei den ersten Bands. So eröffnen Vierkanttretlager, die sich sowohl musikalisch, als auch optisch als Madsen’s jüngere Brüder ausgeben könnten, den Abend im Flex. Die Band, die dank der Teilnahme an Stefan Raabs Bundesvision Song Contest einer breiteren Öffentlichkeit bekannt wurde, liefert eine solide Show, einzig der Umstand, dass zu der frühen Beginnzeit erst wenige Besucher den Weg an den Donaukanal gefunden haben, trübt die Stimmung.

Wesentlich mehr Besucher finden sich etwas später bei Einar Stray, dem 20-jährigen Wunderkind und Multiinstrumentalisten ein. Das Odeon Theater bietet die ideale Kulisse für die kunstvollen Kompositionen des sympathischen Norwegers, der von einer nicht minder talentierten Band, begleitet wird. Der Besucherandrang im denkmalgeschützten Theater steigt kurz vor Beginn des darauf folgenden Acts noch einmal kräftig an. Dillon steht am Programm. Aufgrund des momentanen Hypes um die brasilianisch-deutsche Musikerin sind die Erwartungen hoch, man scheut sich beinahe es auszusprechen, möglicherweise zu hoch.

Perfekt inszeniert bleibt das Gesicht der Sängerin während des Konzerts im Schatten verborgen. Insgesamt erinnert die Performance an Soap & Skin, jedoch weniger dringlich und intensiv. Nichtsdestotrotz scheint der Großteil des Publikums an diesem Spektakel Gefallen zu finden und dankt es der Künstlerin mit stürmischem Applaus. Während The Wave Pictures mit ihrem doch recht eintönigen Sound im Clubschiff langweilen, sorgen Me and my drummer im Flex Cafe für gute Stimmung. Der Höhepunkt des ersten Abends sind allerdings Tu Fawning. Im brechend vollen Clubschiff treibt die Indie-Folk Band aus Portland, Oregon, die Temperaturen in die Höhe und gönnt sich im Zuge des letzten Songs noch ein Bad in der tanzenden Menge.

Abschiede und Neuentdeckungen


Das diesjährige Waves Festival steht auch im Zeichen der Abschiede. Mehrere Bands geben im Zuge des Festivals ihre letzten (Österreich-) Konzerte. Eine davon ist The Soundtrack of Our Lives, die sich nach 16-jähriger Bandgeschichte auflösen um in Zukunft eigene Projekte zu verfolgen. Bevor dies geschieht, verabschieden sich die Rocker standesgemäß in einer finalen Tour von ihren Fans. Dementsprechend dominieren am zweiten Festivaltag lange Haare, Bärte und Lederjacken, sowohl auf, als auch abseits der Bühne, die Szenerie. Analog dazu sind auch Toy zu nennen, die jedoch nur aufgrund ihrer 70er-Jahre-Gedächtnisfrisuren in Erinnerung bleiben. Ihr Sound, der bereits nach wenigen Nummern in Eintönigkeit abdriftet, enttäuscht und löst den Wunsch nach einem baldigen Ende des Sets aus.

Dem stehen die Auftritte von Team Me und Anna Aaron diametral gegenüber. Beide Acts ziehen das Publikum von Beginn an in ihren Bann und lassen sich nur schwer bestimmten Genres zuordnen. Anna Aaron zeichnet sich durch ihre markante Stimme und lebendige Performance aus, während es Team Me scheinbar mühelos gelingt Lebensfreude und Frohsinn zu vermitteln, ohne dabei in die Belanglosigkeit abzudriften. Diese Lebensfreude ist wenig später auch bei Vinnie Who allgegenwärtig. Liebhabern der skandinavischen Musik ist der quirlige Musiker aufgrund seines Auftritts am Spot on Denmark 2011 in Erinnerung. Der bekennende Cindy Lauper Fan verwandelt das Clubschiff im Nu in einen 80er Jahre Dancefloor, der unsere Eltern wohl vor Neid erblassen ließe.



Endspurt


Zu Beginn des dritten Tages machen sich erste Abnutzungserscheinungen bemerkbar. Das ständige Hin- und Herlaufen zwischen den Venues fordert seinen Tribut. Für alle, die es langsamer angehen wollen, führt der Weg einmal mehr ins Odeon, das mit seinen Bänken und heimeliger Atmosphäre lockt. Ebendort gibt es die tschechische Band Charlie Straight zu entdecken. Als Vorbilder werden Radiohead, Coldplay und Beck genannt. Diese Referenzen, allen voran Coldplay, treten während des Sets der aufstrebenden Band immer wieder zutage. Der Sound, das Posing, die Visuals, die Konfetti. Ja, man hat all das schon des Öfteren gesehen. Mehrmals schrammt die Band nur knapp am Kitsch vorbei und trotzdem, oder vielleicht gerade deswegen, beschleicht einen der Verdacht, dass man in Zukunft noch viel von den vier Burschen hören wird.

Auf dem Badeschiff wird UMAs Auftritt von technischen Problemen überschattet. Das Paar schafft es dennoch, Lust auf mehr zu machen. Ebenso bietet deren Seayou-Labelkollege A Thousand Fuegos ein Set in gewohnt hoher Qualität. Zu später Stunde mischt die schrille Chinesin Helen Feng, alias Nova Heart, die Menge auf. Bitte mehr davon!

Die zweite große Abschiedsshow des Festivals findet um Mitternacht in der Fluc Wanne statt. Auch Bunny Lake werden, aufgrund künstlerischer Differenzen, in Zukunft getrennte Wege gehen. Dementsprechend viele Fans und Freunde der Band finden sich vor der Bühne ein um Suzy on the Rocks und Christian Fuchs zu bejubeln. Das, aufgrund des verspäteten Beginns, relativ kurze Konzert kann das Publikum jedoch nicht gänzlich zufrieden stellen. Viele der Klassiker des grandiosen Albums The Church of Bunny Lake fehlen, die Songs des neueren Albums klingen über weite Strecken ähnlich und zu poppig. Wer diesen Auftritt verpasst hat, hat am 22. Dezember 2012 die letzte Möglichkeit Bunny Lake live im WUK zu erleben.

Fazit

Auch im zweiten Jahr gelingt es dem Waves-Team ein anspruchsvolles und abwechslungsreiches Programm aus bekannten Bands und interessanten Newcomern zu gestalten. Gleichzeitig stellt sich die Frage, ob ein Line Up von 100 Bands, verteilt auf drei Nächte und zwölf Bühnen nicht etwas zu ambitioniert ist. Die Zahl der Konzerte, die an einem Abend besucht werden können ist enden wollend und auch der Wechsel zwischen den einzelnen Venues ein (Zeit-) Faktor, der nicht unterschätzt werden sollte.

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