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Pantha Du Prince & The Bell Laboratory - Elements Of Lights

von Moritz Gaudlitz, erschienen auf thegap.at

Soundwissenschafter Hendrik Weber alias Pantha Du Prince hat mit Osloer Musikern unter dem Namen The Bell Laboratory 45 Minuten sakral-perkussiven Sound komponiert, der gewöhnlicher Clubmusik fremde Impulse gibt, sie sogar übertrifft.

http://www.fazemag.de/wp-content/uploads/2012/10/Bell_Laboratory.jpeg
Es ist dunkel. Augen auf.

Carillon, Glockenspiel und Gamelan erklingen. Etwas Sphäre ergänzt die fragilen, zufallsgenerierten Töne der klangvollen Glocken, die willkürlich im Raum ausbrechen. Dann fragmentarisch mal Bass, mal ein paar Drums, Strukturen entstehen - und wir hören zu, wie Licht entsteht.

»Elements Of Light«: Das sind fünf Songs, die ein 45-minütiges Ganzes bilden. Das Ganze ist Hendrik Webers persönliche, akustische Interpretation von fünf physikalischen Phänomenen, die bei der Entstehung des Lichts beteiligt sind. Wave, Particle, Photon, Spectral Split und Quantum. Man kann in vielfältige Bassspuren und sphärische Flächen verloren gehen, nur vereinzelt gibt ein Synthesizer das Thema vor. Schon in seinem letzten Album »Black Noise« charakterisierten Glocken jeglicher Art die Songs. Wo aber einst melodische Synths und Bässe die Vorherrschaft hatten, reduziert er diesmal seine Songs noch weiter, um den vielen Glockeninstrumenten Platz zu lassen. Sie sind die akustischen Hauptakteure und brauchen Platz, um sich frei entfalten zu können, zu schwingen und auszuklingen. Gemeinsam geben sie die Themen vor, lassen uns träumen, tanzen, fühlen. Den Höhepunkt der Geburt des Lichts bildet ein 17 Minuten langes Stück, das von Stellen mit nahezu metaphysischer Ruhe umgeben wird. Doch auch in den ambientartigen Ruhephasen des Albums, ist ständig die Entstehung neuer Melodien und Themen zu bemerken. Wie in einem Raum der langsam harmonisch ausgeleuchtet wird. Glocken und Beat sind die Scheinwerfer ins Nichts.

Pantha Du Prince, vormals Arrangeur, Produzent und Kurator, wurde zum Autor und Komponisten. Die Glocken sind seine Begleiter, die aber ihren eigenen Weg gehen. Nur durch sein gebautes, elektronisch-rhythmisches Gerüst, werden die Töne der archaischen Klangkörper zusammengehalten, gar eingefangen, um dem Song Struktur zu geben. Und irgendwie entsteht Licht, im Bruchteil eines Augenblicks.

Es ist hell. Augen zu.

(8/10)

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