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Ska-P: 99%

Freundschaftliches Moshen macht die Köpfe frei.
Review von Simon Langemann, erschienen auf laut.de


Mit ihrer ersten Platte seit fünf Jahren liefern die Madrilenen eine weitere lehrbuchreife Erklärung, warum ausgerechnet Ska und Punk seit Jahren eine derart schlagkräftige Fusion bilden: Hier finden auch Wut und Aggression ihr Ventil, ganz ohne am hoffnungsvollen, lebensbejahenden Grundton zu rütteln. Oder im Fachjargon: Freundschaftliches Moshen macht die Köpfe eben noch freier als friedliches Skanken.

Heißblütigkeit und Temperament haben Ska-P in der Studiopause jedenfalls nicht abgelegt, das manifestiert gleich der verheißungsvoll betitelte Instrumental-Opener "Full Gas". Auch im Folgenden gewährt der Achter erwartungsgemäß nur vereinzelte kurze Verschnaufpausen, so dass "99%" hier und da durchaus an den Nerven zerrt. Die ca. 155 BPM von "Ska-Pa" oder "Bajo Vigilancia" fühlen sich da schon nach entspanntem Midtempo an.

"Ciudadano Papagayo" zielt zwar wie gefühlt jeder Ska-P-Track auf die Glückshormone, erinnert aber stellenweise an System Of A Down zu ihren wildesten Zeiten. Und das nicht nur hinsichtlich der punkigen Brachialität, sondern auch mit seinen irrwitzig schnellen, selbst chorus-intern eingesetzten Stilbrüchen.

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"Africa Agónica" hingegen ähnelt dem modernen Roots Reggae der Soldiers Of Jah Army und dient am Ende der Tracklist als Antagonist zum rasanten, knapp einstündigen Ska-Punk-Spektakel. "Freedom for Africa", fordert Sänger Pulpul. Wobei eine ordentliche Portion Soul dem Riddim wahrscheinlich besser gestanden hätte als die etwas kindliche Stimme des Gitarristen.

"99%" bringt alle Eigenschaften mit, die sich der Fan von einer Ska-P-Platte erwartet: punktgenaue Gitarrenoffbeats, unwiderstehlich tighte Bläsersätze, ausreichend Punkpower, spanische Mitsingrefrains - und nicht zuletzt jede Menge positive Energie gegen Faschismus. So weit, so bekannt. Experimente oder stilistische Weiterentwicklung hat sich von den Spaniern hoffentlich keiner erhofft.

Die handwerkliche Perfektion täuscht dennoch nicht darüber hinweg, dass etwa das Akustik-Intro von "Maquis" eher nach Juanes als nach Ska-P klingt. Und dass es sich zu manch nervtötender Refrainmelodie ("Pandemia, S.L." ) wohl nur in reichlich angeduseltem Zustand feiern lässt. Dem nassgeschwitzten Festivalpublikum wird's aber mal wieder reichlich egal sein.

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