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Frank Turner mit neuem Album am Start

In England müsste man schon seit langem mit geschlossenen Augen und Ohren leben, um noch nie von ihm gehört zu haben. Nun weitet sich die Welle der Euphorie rund um Frank Turner langsam, aber sicher auch auf den Rest der Welt aus. Höchste Zeit wenn man bedenkt, dass der 31-Jährige aus Winchester in seiner Heimat schon Konzerthallen wie die Wembley Arena füllen konnte und sein letztes Album "England Keep My Bones" es um ein Haar in die Top 10 der Charts geschafft hätte!

 

Den Anfang seiner Karriere als Musiker markierten zwei Studioalben, die er mit der Hardcore-Punkband Million Dead veröffentlichte. Als sich die Band nach vier Jahren zerstritt, kam Frank Turner zu dem überraschenden Entschluss, akustische Musik zu machen - jedoch nicht ohne Backing Band. Die Sleeping Souls sind zwar erst seit "England Keep My Bones" unter diesem Namen zu finden, begleiten den Engländer jedoch schon seit der ersten Stunde. Das Geheimrezept "immer auf Tour" brachte Turner vom "Campfire Punkrock" inzwischen hin zu Hochglanz-Produktionen und einem Auftritt vor über 80.000 Zusehern bei der Eröffnungszeremonie der Olympischen Spiele in London 2012.

Nun steht mit "Tape Deck Heart" (VÖ: 19. April 2013) der nächste große Meilenstein auf der Agenda.

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Schon im Jänner diesen Jahres veröffentlichten Xtra Mile Records einen ersten Vorgeschmack auf das neue Album. "Four Simple Words" hat wohl keiner der vielen Fans, die in den letzten Jahren auf Konzerte des Engländers gepilgert sind, vergessen. Diese vier einfachen Worte lauten „I Want To Dance", und mit ihnen rief Frank Turner in dem Moment, wenn nach dem Snarewirbel die Sleeping Souls alles gaben, was sie hatten, das Publikum zum Tanzwettbewerb auf. Nur einer der vielen Momente, die seine Live-Shows auszeichnen.

Die zweite vorab veröffentlichte Single "Recovery" ist gleichzeitig der Opener von "Tape Deck Heart" und genau das, was man sich von einer Single und einem Album-Start erhofft. Ohne viel Zeit zu verlieren, wird der Zuhörer in den Bann einer Geschichte gezogen, deren Erzähler so authentisch klingt, dass man sich diese Geschichten auch stets bis zum Ende anhören möchte - womöglich die wichtigste Zutat in Frank Turners Erfolgsrezept.

 

 

In "Tape Deck Heart" wird ein Trend fortgesetzt, der sich auf "England Keep My Bones" langsam abzuzeichnen begann. Dass im Herzen des Engländers der Punkrock schlummert, merkt man - vor allem in Bezug auf die Songtexte - leider immer weniger. Schade, da seine teils gewitzten, gesellschaftskritischen Lyrics von früheren Alben zu seinen Besten zählten. Aber auch auf der neuesten CD gibt es mit "Polaroid Picture" und dem großartigen "Good & Gone" Songs, die in diese alt-beliebte Richtung zeigen.


"So fuck you Hollywood, For teaching us that love was free and easy, For dressing all our daughters as princesses, For calling us with tales of happy endings" (Good & Gone)


Und die restlichen Songs des Albums? "Anymore" klingt außergewöhnlich ruhig, zeichnet sich als die schönste Ballade des Albums aus und lässt dadurch "Tell Tale Signs" hinter sich, dessen Aufnahme eher gewöhnungsbedürftig klingt. Zwar ist es eine Wohltat, ein so breitbandiges, prominent gemischtes Schlagzeug zu hören, andere melodische Begleitinstrumente rutschen jedoch bis zum Schluss etwas zu weit in den Hintergrund. Schade, da der Song ansonsten großen Gänsehaut-Charakter hat.

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Letztlich bleibt zu sagen, dass das neue Machwerk des "Wessex Boy" ein heißer Tipp für Fans von Rock/Popmusik mit durchdachten Lyrics und im Ohr bleibenden Melodien ist. Um es in Turners eigenen Worten auszudrücken: "It's honest music for honest people!"

 

Dieser Artikel erschien am 19. April auf enemy.at.

Beim Poolbar Festival werden Frank Turner & The Sleeping Souls am 20. Juli auftreten. Vorfreude, ahoi!

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