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Austra: Olympia

Murder on the Dancefloor: Austra fühlen sich wohl, wenn es in der Disko düster ist. Die Beats dürfen hämmern, aber das Gefühl darf nicht verloren gehen.
 
Opernmusik ist nicht jedermanns Sache. Die Stücke dauern oft vier oder mehr Stunden, und den Inhalt bekommt man, ohne den Text mitzulesen, sowieso oft nicht mit. Um diese hohe Form der Musikkunst verstehen zu können, braucht es wahrscheinlich eine gewisse Reife. Katie Stelmanis hat schon mit zehn Jahren im kanadischen Kinder-Opernchor mitgesungen. Keine Überraschung also, dass sie als Frontfrau und Sängerin der mittlerweile sechsköpfigen Band Austra ihre gewaltige Stimme dementsprechend in Szene setzt. Die Reife spielt dabei aber keine so große Rolle.
Die Songs handeln zwar von großen Gefühlen, aber dennoch lässt es sich großartig dazu tanzen. Und auch Techno steht der Band ausgezeichnet. Das Debüt der Kanadier_innen „Feel It Break“ erschien 2011, und Austra ernteten dafür Lorbeeren aus aller Welt. Darauf fanden sich 80er-Jahre-Popperlen in cool und glasklaren Synthiesounds, die eine gewisse Bedrohlichkeit ausstrahlen. Noch heute gelingt es kaum, Hits wie „Lose It“ und „Beat And The Pulse“ aus dem Gedächtnis zu streichen – nicht, dass man das jemals wollte.
 
 
Angekommen im Jahr der Schlange, steht ein neues Album an: „Olympia“ macht einen Schritt in der Dunkelheit, der sich anfühlt, als würde er in die richtige Richtung gehen. Es bleibt das Düstere. Die Texte werden persönlicher und der Rhythmusfraktion wird größeres Augenmerk geschenkt.
Sängerin Stelmanis sagt zur neuen Platte: „This is the album where we discovered rhythm.“ Zwischen den elektronischen Synthiesounds finden sich nun also auch Kongos und Marimbas. Tropisch wird es deswegen noch lange nicht. Es fühlt sich an, als hätten die Aufnahmen allesamt nach Mitternacht stattgefunden – kurz bevor es in den Club ging und die seelischen Laster noch abgeworfen werden mussten. In der ersten Singleauskopplung „Home“ behandelt Stelmanis beispielsweise die Angst, wenn sie die ganze Nacht darauf wartet, bis die Geliebte zurückkehrt – ein pianolastiger Ohrwurm und ein Aushängeschild für das Album: Große Melodien spielen einmal mehr die Hauptrolle. Eingebettet in treibende Discobeats findet sich genug Platz für dichte Harmonien und den klassischen Gesang Stelmanis’.
 
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Auf der Bühne fungiert die starke Frontfrau als Dirigentin: Die Gesten sind überschwänglich und passen sich ihrem Gesang perfekt an. Die Band folgt, zieht das Publikum in ihren Bann; und man weiß plötzlich, warum man nicht mehr stillhalten kann. Der Klassikunterricht hat sich also gelohnt. (Benjamin Agostini)
 
Und live: Austra bespielen am 1. August den Pool des poolbar Festivals!
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