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Elektro Guzzi: Ein Konzert als Rave

Als Elektro Guzzi vor nunmehr drei Jahren ihr Debüt-Album vorstellten, fanden Plattenkritik und Publikum in lobenden Worten zueinander. Zugleich gelang es dem Wiener Trio gleichermaßen in ansonsten weit auseinander liegenden Nischen der Musikkultur Gehör zu finden.

Besprechungen fanden sich in einschlägigen Jazz-Zines, wie z.B. dem „freistil“, ebenso wie in profanen Tageszeitungen. Im redundanten musikalischen Einheitspop – der amerikanische Pop-Theoretiker Simon Reynolds legte 2012 den Begriff Retromania an den Gegenwartspop an – nimmt das Trio eine singuläre Position ein. Es wäre jedoch ein Jammertal, ließe sich die positive Resonanz innerhalb der ambitionierteren Musikpresse nur über die Tatsache erklären, dass Elektro Guzzi Techno analog, gänzlich live und mit Instrumenten spielen. Schnell würde sich der Überraschungseffekt ermüden, Innovatives verkäme zur Routine und um die Wiener Band wäre es drei Jahre nach ihrem Debüt und neun Jahre nach ihrer Gründung still geworden. Ist es aber nicht, richtigerweise und zum Glück! Neben den Folgeplatten „Live P.A.“ und „Parquet“ erschienen weitere EPs; zuletzt im März 2013 „Cashmere“. Auch die jüngeren Veröffentlichungen blieben nicht unbeachtet.

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Auf Konzertplakaten taucht der Bandname ohnedies regelmäßig an den unterschiedlichsten Orten auf. Zwar lohnt es sich, Musiker_innen an ihrer Musik zu messen, dennoch ist es hochsympathisch, im gegenwärtigen Ähnlichkeitspop auf eine Band zu treffen, an die man den alten Slogan „Our Band Could Be Your Life“ anlegen kann. Zu Auftritten auf renommierten Festivals wie dem Sónar in Barcelona gesellen sich Konzerte wie bei einem Solifest im Wiener EKH; die Red Bull Music Academy findet sich in der Bandbiografie ebenso wie Querverweise in die ambitionierte Wiener Noise- und Free-Jazz-Szene. Gitarrist Bernhard Hammer, Jakob Schneidewind am Bass und Schlagzeuger Bernhard Breuer spielen technoide Konsequenz und Strenge mit der Offenheit von Free-Jazz und Avant-Noise aneinander. So sind Elektro Guzzi weit abwechslungsreicher als die „Haudraufundschluss-Ästhetik des Untz-Untz-Untz“ (Christian Schachinger), zugleich aber auch kompakter und verdichteter als endlos mäandernde Free-Jazz- und Noise-Ausbrüche. Produziert wird der im besten Wortsinn zeitgeistige Sound im Übrigen von Patrick Pulsinger, veröffentlicht wird beim Berliner Feinkostlabel Macro. Zu „Pentagonia“ ist Karin Hammer und Klemens Hufnagel eine beeindruckende visuelle Entsprechung des Sounds gelungen.

Zuletzt eine für ein sommerliches Festival nicht unwesentliche Notiz: Elektro Guzzi sind nicht nur materialästhetisch und konzeptuell bemerkenswert; zu ihren pulsierenden Tracks lässt sich prima feiern: ein Konzert als Rave, Techno in seiner sympathischsten Spielart. Man hätte die Hochzeit des Detroit-Techno kaum passender in die Gegenwart verlängern, erweitern und weiterdenken können. (Peter Schernhuber)

Und live: Elektro Guzzi bespielen am 13. Juli den Pool des poolbar Festivals!

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