Poolbar Blog

2017


2016


2015


2014


2013


2012


2011


2010


2009


2008


Das war Film & Diskussion: Motorcycle Diaries

Review von ENH

Donnerstag, 4. Juli 2013. Es war ein Filmabend, an dem in „The Motorcycle Diaries – Die Reise des jungen Ché“ über die jungen und abenteuerlichen Jahre eines Mannes erzhählt wurde, der zu früh von einer Kugel getötet wurde um von etwas Anderem zu erfahren: der Idee vom Autostoppen per Bierdeckel – von TALENTEmobil.net und ÖAMTC.


Freitag, 5. Juli 2013. Zuhause von der Arbeit fahre ich den Rechner hoch und tippe in die Suchleiste meines Browers „Notas del Viaje“ – die literarischen Filmvorlagen von Ernesto Guevara – ein. Vor mir blättert sich ein Mosaik an Bildern auf, heute gilt mein Interesse aber nur die Fotos zweier Reisenden. Mit dem Adjektiv „mutig“ kommentiere ich einige dieser alten Bilder. Mit sehr weiten Pumphosen, speckigen Lederjacken und Motorradbrillen ausgestattet reiste man damals zwar sehr schick, aber um einiges unbequemer als heute. Mutig scheinen diese Abenteurer nicht nur aufgrund der Härte des damaligen Reisens. Ihnen steht auch die Lust an der Auseinandersetzung mit der völligen Fremde im Gesicht. Die beiden Lederjackenträger, zwar bereits mitten im Studium, sind sich wieder ihres Platzes im Leben unsicher geworden. Dennoch posieren sie auf den Fotos mit einem stolzen Lächeln. Die Unbekümmertheit solch junger Abenteurer weckt gerne Sympathien und verleiht den jungen Wilden einen ganz eigenen Charme.

Der brasilianische Regisseur Walter Salles zeigt die historisch schillernde Figur des Ché (Gael García Bernal), der gemeinsam mit seinem Freund Alberto (Rodrígo de la Serna) raubt, lügt und andere Gesetzlosigkeiten begeht. Mit einem noch viel stärkeren Stift zeichnet der Regisseur jedoch eine andere Linie der Figur Guevaras nach und macht so die banalen Hässlichkeiten der Lüge bzw. des Verrats Guevaras in jungen Jahren vergessen. Es geht um jenen Wesenszug, welcher Guevara zu einem weltweit bekannten, berüchtigten Mann machen sollte. Er wird immer dann deutlich, wenn sich Alberto vor allem auf sein eigenes Wohlergehen konzentriert. Exakt dann ist die Zeit reif für die wesentliche Eigenart Guevaras: Die Ehrlichkeit gegenüber seinen Mitmenschen ist ihm wichtiger als sein eigener gefüllter Magen oder ein Dach über dem Kopf. Als sich Alberto mit Tränen benetzten Wangen von seinem Motorrad verabschieden muss, beschließen die zwei als Autostopper weiterzurreisen – und genau an diese Stelle knüpfte der zweite Teil des Abends an.


Drei kurze Filmclips veranschaulichten das System eines neuen, sicheren Autostoppens, was unsere zwei Filmfreunde wohl gerne schon zur Verfügung gehabt hätten. Ziel des Systems: mehr Sicherheit. Das Konzept stammt von einem Team rund um Roland Alton der FH Vorarlberg. In der ersten Projektphase der kommenden Monate spielen in der Praxis vor allem Bierdeckel eine große Rolle. Anstelle der eigenen Daumen sollen nämlich in Zukunft diese in die Fahrbahn gehalten zu werden. Auf der anderen Seite bekommen die Fahrer_innen einen Aufkleber und einen Ausweis des Projekts. Anhand dieser Insignien ist beiden Beteiligten die Zugehörigkeit zum Projekt und seinen Regeln klar und Autostoppen somit nicht mehr gänzlich anonym. Für einen Selbstversuch liegen bereits Bierdeckel im wunderbar interdisziplinären poolbar-Festival zum Ausprobieren aus. Ende der Notizen.

0 Kommentare
Anmelden zum Kommentieren