Poolbar Blog

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poolbarT: Schweden- bomben

Review von Lukas Ortner

Mit dem langersehnten Wochenende kam gestern auch ein kleiner Konzerthöhepunkt für mich: Ganz unparteiisch kann ich vielleicht nicht über die schwedische Formation Friska Viljor schreiben, bin ich doch insgeheim Fan dieser Truppe seit ihrem Erstling „Bravo!“ (Hipster-Alarm!).

Nach einer sehr anstrengenden Arbeitswoche und dem Wieder-Gut-Drauf-Werden nach dem unbeschreiblichen SOHN-Konzert am Mittwoch ging's leider etwas spät nach Feldkirch. Der Ideenkanal tagte im Pool (Warum ausgerechnet an einem Freitag, wenn ein Konzert ist?) und aufgrund dieses Umstandes war die Stagetime auf 22:00 Uhr festgesetzt.

Anfangs Zurückhaltung

Beinahe on time, um 5 Minuten nach 10, begann der Abend: Die Wälder Connection Golden Reef beehrte die BesucherInnen mit ihrer Anwesenheit. Mir selber schon etwas länger ein Begriff, spielte ich mit ihnen vor knapp sieben Jahren einen Gig in Bezau, war ich gespannt ob und in welche Richtung sich die vier Musiker weiterentwickelt hatten. Auf persönlicher Eben war ich durch nicht erwähnenswerte Vorfälle etwas vorbelastet, darum war es gestern schwer, mich objektiv auf die Band zu konzentrieren. Ein Versuch: Was Golden Reef gestern da servierte, war geradliniger Brit-Poprock. Qualitativ kaum zu glauben, dass es sowas in Vorarlberg gibt und nicht noch mehr gehyped wird. Bin ich zwar schon länger nicht mehr in diesem Genre zuhause, muss man ihnen doch lassen, dass sie wissen was und vor allem wie sie es machen. Die Extravagante Kleidung bzw. das gewagte Auftreten der Gitarristen/Sänger war aus meiner Sicht auch schon fast das auffallendste. Leider. Denn Bühnenshow war kaum vorhanden und auch die Interaktion mit dem Publikum fiel sehr spärlich aus. Die Wälder Version der Kings Of Leon, um es ganz banal auf den Punkt zu bringen. Fazit: Ein guter Opener, nicht mehr und nicht weniger.

Erst mein zweites poolbar-Konzert dieses Jahr und schon wieder schafft es das Festival mich positiv zu überraschen: Gab sich SOHN noch im Pool die Ehre, wurde dieses Mal die Halle bespielt. Neue Verkleidung – schwarzer Stoff über der Bar und an den Wänden - der Backstagebereich und der Weg von selbigem zur Bühne besser abgetrennt, wirklich guter Sound, perfekte Lichtshow und, was alle schon wissen, die neue Lüftung. In meinen Augen das einzige Manko an der neuen Einteilung: Der Wellenbrecher/das Gitter vor der Bar ist aus mir unerklärlichen Gründen verschwunden, sodass es in diesem Bereich zu Stau, Anrempeln und Ungemütlichkeit kam. Schade. Aber nicht unbedingt weltbewegend.

Schlussendlich Qualitäts-Chaos

Nach kurzem Abstecher auf die Terrasse kam man gleich mit dem sympathischen schwedischen Humor in Berührung: Bands, auch wenn sie wie Friska Viljor zu spät für den Soundcheck kommen (Anm.: Flug!) und dann einen Linecheck kriegen, machen selten den Soundcheck selber. Anders ging es gestern Abend zu. Schon etwas angestochen witzelten die fünf Nordländer zwischen ihrem Equipment mit dem Publikum herum. Dementsprechend und aufgrund ihrer Vielzahl an Line-Ausgängen (5 Gesangsmikros, verschiedenste Gitarren, Mandoline, Bass, Schlagzeug, Keyboard und Synthesizer – und ich vermute einen Sampler. Wenn ich nicht was vergessen habe.) zog sich das Prozedere auch etwas in die Länge.
Auf oben erwähntem Erstlings-Werk „Bravo!“, das 2006 mit Herzschmerz und Alkohol der Feder von Daniel Johansson und Joakim Sveningsson entpsrungen ist, gab sich Friska Viljor noch minimalistisch, gut gelaunte Indie-Songs mit ab und an verwendeten Bläser-Parts gaben sich die Klinke in die Hand. Ein gutes Album für zwischen durch, aber auch auf einer Party – aber eben am besten live. Gestern war nun schon das vierte Konzert der Skandinavier, das ich besuchte. Und zugleich auch das, dass mir teilweise am untypischsten vorkam. Eine gute Laune-Band wie sie passen perfekt in einen kleinen Club (JA, schon wieder diese Leier!) oder in den Pool (wo ich sie leider bei ihrem letzten Besuch verpasst habe). Meines Erachtens sind sie nichts für Großes.
Der ersten Teil des Konzerts wurde mit Songs von ihren letzten zwei Alben („The Beginning Of The Beginnig Of The End“ und „Remember Our Name“) gefüllt. Gut, aber bei weitem nicht das, was Friska Viljor so sympathisch für mich macht. Die BesucherInnenschar wurde jedoch nicht allzu lang hingehalten, denn auch dieses Mal schmetterten wieder die Hits wie Old Man, The Cure, Arpeggio, natürlich Gold und Shotgun Sister in die Ohren und die gut gelaunten, grinsenden Gesichter der poolbar-Fans und -BesucherInnen. Auch für mich als sonst eher ruhigen Konzertbesucher gabs kein Halten mehr und die erste Reihe wurde erklommen, mitgesungen und getanzt, von Sänger Joakim gabs noch ein Kommentar zu meinem Bart („Mine is whiter!“).
In gewohnt guter Manier warfen sie ihr Set durch den Raum, die gewohnten Witzeleien dazwischen und das bei Shotgun Sister typische im-Publikum-fertig-spielen. Kurze Anmerkung für Nicht-Da-Gewesene: Von der Bühne bis in die Mitte der Halle war somit das Gitarrenkabel von Daniel Johansson gespannt und Joakim balancierte auf der Absperrung vor der Bühne herum. Man darf unter den Umständen wirklich verdammt froh sein, dass nichts passiert ist.
Wie schon im ersten Absatz erwähnt – ich kann nicht unparteiisch über diese Band schreiben. Friska Viljor ist ein Live-Erlebnis, das ich immer wieder gerne über mich ergehen lasse, auch wenn sie im Vergleich zum Konzert in Zürich vor gut drei Monaten nicht wirklich etwas an ihrem Set geändert haben. Oder nach wie vor dem Alkohol nicht abgeneigt sind und dass ihn ihrer Show fest verankert ist. Egal. Die Powertruppe aus Schweden ergriff die Oberhand und führte das Publikum durch ein Set, in dem sich Herzschmerz, Freundschaft, Nostalgie und die ewige Freude am Leben und der Musik widerspiegelte.


Die gesamte Galerie zum Abend gibt es wie immer HIER zu sehen!

Summa summarum: Ein gelungener Abend, an dem schlussendlich sogar die neue Lüftung nicht wirklich etwas nützte. Die Bar wurde permanent in Anspruch genommen und das allgemeine Gefühl war durchaus positiv – aus meiner Sicht.

Danke Friska Viljor, danke poolbar – ich leg mich nochmal hin. Bis Montag, mit den alten Hasen von My Bloddy Valentine.

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