Poolbar Blog

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poolbarT: A Hairy Situation

Review von Lukas Ortner

Für mich eines der Highlights, und das gleich in 3facher Ausführung: Einsteigen mit Stator im Brutkasten, hochschalten mit Tracker – und dann das Gaspedal ganz durchgedrückt Richtung Betonwand mit Red Fang.

Doch noch einigermaßen Glück gehabt mit dem Wetter gings zuallererst mal an die Bar. Dass der gestrige Abend speziell werden würde, war mir klar, als ich von Stators special acoustic show Wind bekam. Neue Anlage im Brutkasten, ein wunderschöner Fender-Amp (Bassman, baby!) und zwei Gitarren drüber – unterwegs lagen dann noch die für Enno und Erich nicht verzichtbaren Effektgeräte, Samples brachte der Apfel -Laptop. Die beiden Kreativköpfe formten aus ihrem Stonersound schöne, ruhige Postrocksongs, dazwischen gabs wieder mal ab und an ein Cover (u.a. Lucky Man von Emerson, Lake & Palmer – wenn mich nicht alles täuscht). Eine relaxte Atmosphäre breitete sich über die Terrasse aus und gut gelaunt und gespannt lauschend sammelte man Kräfte für den Hauptact. Danke, Stator. Immer wieder sehr gerne!

Alte Bekannte

Weiter ging es, vorbei an den sich aufspielenden Securitys, im Pool mit Tracker aus Innsbruck. Typisch für das Psychodelic/Trash/Stoner-Trio wurde an Energie nicht gespart. Die konstante Basslinie ließ nicht locker und wurde durch das ebenfalls konstante Drum weitergepusht, sodass es unmöglich war ruhig dazustehen. Mit dem guten Sound füllte sich nun auch langsam aber sicher das Schwimmbecken, die Motivation stieg immer mehr. Effekte wohin das Auge blickte, ein Kaossiliator lieferte noch den einen oder anderen Space-Sound und zwischen durch wurde nur noch Gitarre geschrammelt, gequält und gequietscht was das Zeug hält, getragen von mehr als passenden Gesangs-Parts. Nicht zum ersten Mal standen Tracker auf einer Bühne in Feldkirch – und bitt‘schön auch nicht zum letzten Mal.

Zähne und Bärte zeigen

Pünktlich ging es dann in die Endrunde: Portlands Stoner-Rock-Metal-Gang Red Fang stürmte die Pool-Bühne und sofort war klar: Diese Jungs... nein... diese MÄNNER waren motiviert und wollten es allen zeigen. War anfangs vielleicht noch zu wenig Energie unter dem Publikum verteilt, wurde nun sofort nachgeholfen und es gab ordentlich Adrenalin oben drauf.

Mein erster Kontakt mit den vier Amis war nach ein bisschen Demonstrieren in Bregenz im Proberaum – mit 1, 2,… Bier, einem Laptop und verschiedensten Vorarlberger Musikern – und ich habe gelacht. Denn auch wenn Red Fang auf Ernst machen und Stonerrock ja nicht wirklich amüsiert, zeigen sie durch ihre Musikvideos (youtube-Tipp: Prehistoric Dog, Wires und Hank Is Dead) dass sie eine gehörige Menge Spaß verstehen. Aber zurück zum Gig im Pool: Nach der ersten Nummer gab es den kurzen, im gebrochenen Englisch gesprochenen Satz „Vielen Dank Poolbar, oder heute ist es PoolBART!“. Aaron Beam, seines Zeichens Bassist und Sänger, wies damit (leider) nicht auf den Blog hin – das wär ja was gewesen – nein, er bestätigt mit dieser Aussage, was schon bei dem BesucherInnenanteil auf der Terrasse auffiel: 90 Prozent der männlichen Gesichter waren unrasiert. Ob Kinn-, Backen-, Vollbart, Schnauzer oder auch nur 3-Tage-Bart, es zeichnete sich doch ganz klar ein Trend ab. Gut so.

Treibende Gitarrenmelodien paarten sich mit einem zwischen 4/4- und 3/4-Takt wechselnden Drumbeat, untermalt von Doom-lastigen Bassspuren. Der Gesang wurde zwischen Beam und Bryan Giles (Gitarrist) geteilt, das Headbangen im Kollektiv und in harmonischem Einklang mit der Fangemeinde im Pool betrieben. Teils erinnerte mich die Stimmlage an Metallica, was meinem Geschmack eher wiederspricht, teils kamen mir die Unterschiede zwischen einzelnen Songs ein bisschen verwaschen vor – sprich: Es klang Vieles gleich. Aber das ist nun mal das Genre – gleich wie bei MBV (http://poolbar.at/blog/1803). Was Red Fang hier ablieferten, war keine durchdachte Produktion, nein, vielmehr eine kraft strotzende Rockshow: Die gelegentlichen Stagediver, die nicht nur die Monitorboxen, sondern auch die Nerven einiger Bademeister auf die Probe stellten, erinnerten mich ein bisschen an die 70er Shows der Dead Kennedys (weiterer youtube-Tipp!), rauf auf die Bühne und sofort wieder runterspringen, egal wer die Hände oben hat – oder ob überhaupt welche oben sind.
Die Lüftung funktionierte einwandfrei (sehr gut!), trotzdem blieb das Schwitzen nicht aus. Vor und auf der Bühne.

Nach heftigem Applaus gabs noch eine kleine Doom-Zugabe, die mit einem kurzen „Voll geil!“ von seitens Beam angesagt wurde, und mit einem Plektren-Regen in die erste Reihe (ebenfalls von Bassist Aaron Beam) beendet wurde. Unterm Strich alles was ich nach einer lustlosen und mich verwirrt zurückgelassenen MBV-Show gebraucht habe: Bärte, Bier, Bangen. Auch wenn ich nicht in der ersten Reihe stand.

Mein Ohr saust seit gestern ziemlich herum, mal schauen wie das ausgeht – und wenn nichts dazwischen kommt gibt’s am Samstag Francis International Airport (mal wieder), Chad Valley und Elektro Guzzi.


Die Bilder stammen wie immer von Matthias Rhomberg (rhomberg.cc), der die Fotos zum Bestellen auch in seinem Shop anbietet! Die gesamte Galerie gibt es HIER!

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