Poolbar Blog

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...zu schnell vorbei: der FM4-Samstag (ausverkauft)

Wohl durchdacht oder ein bombastischer Zufall?
Review von Lena Hopp

So, wie wir die poolbar kennen, mit Sicherheit wohl durchdacht. UND ein schöner Zufall, spielte doch sogar das Wetter so wunderbar mit. Ich für mich selbst, die ich mittendrin stehen durfte, würde es schlichtweg Volltreffer nennen. Die einzelnen Acts des heurigen poolbar fm4-Wochenendes ergänzten sich untereinander so vollkommen, dass vermutlich kaum ein Musikwunsch offen blieb. Und das war dann doch ein etwas größeres Unterfangen, denn vollgefüllter an erwartungsvollen Musikliebhabern ist das alte Hallenbad heuer noch nicht gewesen.

Vom sanften SingerSongwriting zum passionierten Elektropop ...


"Der war supersympathisch, ganz jung und irgendwie schüchtern - aber richtig gut, so ein richtig feiner Einstieg in einen poolbar-Abend. Und hey, tolle Stimme vor allem, volles Talent, das auf jeden Fall." Philip Spiegl also. Nie davor gehört, und um ehrlich zu sein, beim heutigen Auftritt leider auch nicht. Aber über ihn gehört hab ich heute Abend so einiges - und das klang gut. Francis International Airport hingegen, die höre ich des Öfteren. Kommt man als sporadischer Fm4-Hörer auch kaum dran vorbei. An der gelegentlich auftauchenden Schwermut, die das Leben so mit sich bringt, kommt man auch nicht wirklich vorbei. Schön, wenn einen in solchen Momenten eine Band abholen kann, das macht das Lebensdrama - wenn schon nicht leichter - zumindest ein bisschen filmreifer. Der Soundtrack eben. Francis International Airport sind wahre Könner auf diesem Gebiet. Und wurden dann doch gerade noch rechtzeitig von Chad Valley abgelöst.


Chad Valley schaffte es innerhalb allerkürzester Zeit, die im Raum hängende Schwere in eine immer noch leicht dramatische, vor allem aber versöhnende und herzwärmende Stimmung umzuwandeln. Ah, das Leben trägt uns ja doch. Mit beeindruckend schönen Stimmen, mit glasklarem Elektrosound und mit ganz, ganz viel Gefühl. Nein, kein Pop-Kitsch, und trotzdem - oder gerade deshalb - wunderschön. Allein das altbekannt "uuuuuuuuuuuuh", das bei vielen anderen Musikern ein leidiger Lückenfüller ist, klingt bei Chad Valley wie eine vollkommene Liebeserklärung, und als wäre das nicht genug, kommt dazu das wunderbar aufeinander abgestimmte Wechselspiel einer Männer- und einer Frauenstimme, sowie eine bemerkenswerte Körpersprache. Kaum ein Tanz, oft nur eine minimale Geste und doch so expressiv, dass diese verkörperte Leidenschaft für Musik unweigerlich auf den Zuhörer überspringt. Der Pool bebt, die Ballons auf der Bühne erstrahlen von einem Vollmond zum nächsten und das Publikum restlos begeistert. Einziger Mangel: Viel zu kurz dauert dieser Auftritt, viel, viel zu kurz.

... bis zum ersehnten (zweiten) Main-Act Elektro Guzzi.


Über Elektro Guzzi gibt es nicht mehr allzu viel zu schreiben. Viel ist über sie geschrieben worden, vielen von uns haben sie längst erfolgreich ihren Rhythmus eingeimpft, viele haben sie auch dieses Jahr schon sehnsüchtig erwartet. Und tatsächlich, voller könnte es im Pool nun wirklich nicht mehr werden. Umso deutlicher gilt es hervorzuheben: Elektro Guzzi wird in dieser Nacht allen Erwartungen gerecht. Schnell, pulsierend, mitreißend - die Menge wird immer wieder aufs Neue gelockt, aufgeheizt, zum Explodieren gebracht. Im Pool ist nicht mehr wirklich Platz zum Tanzen - und alle tanzen trotzdem. Das allein sagt doch schon alles.

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poolbarT: you're at Feldkirch, baby!
Review von Lukas Ortner

Jedes Jahr aufs Neue ersehnt: Das FM4-Wochenende beim poolbar Festival. Als Zwischenspiel gabs gestern Abend Francis International Airport, Chad Valley und Elektro Guzzi.

Sammelsurium der Musikrichtungen

Bei feinen Temperaturen startete der sonnige Samstagabend mit einem kühlen Getränk auf der Terrasse. Wie schon oft erwähnt, und heute wieder, bin ich ein großer Fan der Brutkasten Acts – und allgemein der Idee dahinter. Für viele junge und teils unkonventionelle Künstler und Musiker eine Möglichkeit, sich einem breiteren Publikum zu präsentieren. So etwa für Philip Spiegl a.k.a. Eight Miles Away, der die „early birds“ des gestrigen Abends mit seinen stromlosen Songs unterhielt. Covers von Thees Uhlmann und Oasis waren dabei, was sich mir eingeprägt hat war seine Version des Beatles-Hits „You've got to hide your love away“ - respekt!

Nach dem gelungenen Opener startete das Poolprogramm mit der Wiener Indiepop-Gruppe Francis International Airport. Als Hallo-Sagen gabs gleich zu Anfang den neuen Dauer-Routierer auf FM4 „Pitch Paired“ vom neuen Album „Cache“, das im März auf Siluh-Records erschienen ist. Deutlich elektronischer, ausgestattet mit 4, 5 Synthesizern und Pads, an denen sich Sänger Markus Zahradnicek untypisch für FIA ganze Songs durch festhielt, wurden dem Publikum die Songs präsentiert – und das gefiel. War der BesucherInnenandrang anfangs eher spärlich, so füllte sich das Schwimmbecken immer mehr und spätestens zu der neuen Single „The Right Ones“ wurde auch gebührend getanzt. Meiner persönlichen Meinung nach war es zwischendurch etwas langatmig, sind doch einige der neuen Nummern ruhige Electronica-Spielereien, die ich mir gerne auf Platte anhören würde, aber live und mit entsprechendem Lärm in Form von Gerede und -lächter hat mich das nicht wirklich vom Hocker gehauen, wie man so schön sagt.
Wer FIA schon einmal live gesehen hat, weiß, dass die 5 Musiker selten über ein „Dankeschön“ hinausgehen uns so war es gestern doch überraschend, dass sie zumindest ab und zu das wortkarge hiner sich ließen. Als Zugabe gabs mit einem all-time-favourite, „Amnesiacs“, noch ein bisschen Nostalgie auf das ganze drauf. Nicht die beste Show von Francis International Airport, aber durchaus sehenswert, das muss man ihnen lassen.

Die Umbaupause zog sich etwas hin und da ja Samstag war, gönnte ich mir den einen oder anderen Drink (Tipp: Eistee mit Gin!). Gespannt was sich hinter der weißen Leinwand abgespielt hatte, wurden die vorderen Reihen in Beschlag genommen, gerade rechtzeitig zu dem nächsten Highight: Drei übergroße Ballons hingen über der Bühne, auf jeden spezielle Visuals projiziert (unbeding die Fotos anschauen!) - und dazwischen trieb sich Hugo Manuel a.k.a. Chad Valley herum. Der Brite startete seine Show mit seinem Hit „Tell All Your Friends“ - ein klares Statement: Here I am – eat this!
Über die Show lässt sich eigentlich nicht viel sagen: Eine hübsch anzuschauende und stimmlich sehr gute Background-und-aber-nicht-so-im-Hintergrund-stehende-Sängerin unterstützte die Songs und das Bühnenbild, Chad Valley tobte sich an dem Synthesizer und seinen 2 Mikros (eines für normale Vocals, das andere hing an einem Effektgerät, die hohen „Uuuh!“-s wurden mit extremem Echo versehen und geloopt) aus, und präsentierte seine gewaltige Stimme. Beim gestrigen Publikum war die Stimmung durchaus positiv, in den ersten Reihen wurde getanzt, gelacht, getrunken, gejubelt.
Ähnlich wie bei Sohn, Friska Viljor und in Zukunft noch ganz klar bei den wunderbaren Japandroids, kann ich auch über den bär(t)igen aus Oxford stammenden Musiker nicht unvoreingenommen berichten – hier ein kleines Exzerpt: Was Hugo Manuel mit seinem musikalischen Projekt fabriziert, kann man in gewissem Maße als Geschichtsunterricht darstellen. In seinen Songs findet man Spuren der frühen Disco- und New Wave-Ära, ebenso von Songs, die einem vielleicht schon peinlich sind – Lionel Richie, Bronksi Beat, vielleicht ein bisschen Culture Club, um dem name dropping ein bisschen zu huldigen. Die 90er-Synthie-Sounds, das extreme Echo, das elektronische 80er-Drum, das schon fast Fremdschämen bewirkt – und dazu der lange Bart, die etwas füllige Statur und die Popper-Locke. So in Worte gefasst ergibt sich ein Bild, dass eher abschreckend wirkt, ABER: Chad Valley schafft es ein bzw. DAS Mittelmaß zu finden, das es braucht. Ein bisschen hin und her, ein bisschen Tohuwabohu. Eine gehörige Prise Nostalgie. Die Songs triefen vor Schmalz, man schwelgt in der Vergangenheit herum – und das Gefühl ist... gut. Danke Hugo. Danke Chad. Danke Lionel Richie.

Nach diesem in Disco-Nostalgie-Musik verpackten Ausflug und einer weiteren Umbaupause, einem kurzen Abkühlen auf der Terrasse und im Wohnzimmer, machte sich das Publikum bereit für den schon zweiten Headliner des Abends: das österreichische Akustik-Techno-Aushängeschild Elektro Guzzi.
Das erste Mal sind mir die Musiker Jakob Schneidewind, Bernhard Breuer und Bernhard Hammer 2010 ins Auge, oder besser, ins Ohr gesprungen: Das Debüt-Album Elektro Guzzi, produziert von Patrick Pulsinger, und genau wie die Nachfolgealben Live P.A. und Parquet (beide 2011) und bisher einige EPs beim Berliner Label Macro erschienen, sorgte nicht nur in der Szene für elektronische Musik für Furore. Das Trio, orientiert an Funk- und House-Musik ebenso wie Detroit Techno, schafft es durch ihre klassische Bandbesetzung in Form von Gitarre, Schlagzeug und Bass das gewisse Etwas an sonst relativ unspektatkuläre NzNzNz-Musik zu bringen.
Das letzte Mal beim Soundsnoise Festival in Dornbir gesehen und dort relativ gut gefunden, war ich doch gespannt, ob und vor allem wie die Band als Folge-Act zu Chad Valley passen wird. In gewohnter Professionalität begann das Konzert durch perfekt getimtes Schlagzeugspiel, Samples und geloopte Gitarrenharmonien wurden dazwischen geworfen, der Bass wurde stetig als Unterlage verwendet. Die Beats trieben das Publikum an und die Temperatur stieg in die Höhe, es wurde nicht nur vor der Bühne getanzt und überall sah man die typische Kopfbewegung, eine harmlosere Form des Headbangens. Für meinen Geschmack ist es zu monoton, nach dem 3ten, 4ten Song weiß man, was passiert. Anders das gestrige Publikum: Der Abend schaffte zwar nicht ganz den Ausverkauf, jedoch habe ich schon lange nicht mehr so ein Fest, so ein Getanze in der poolbar gesehen. Mehr als motivierend, im wahrsten Sinne.

Fazit: Ein facettenreicher 2ter Tag des FM4-Wochenendes, welches heute mit Kate Nash leider schon wieder zu Ende geht.


Die Fotos stammen wie immer von unserem Haus- und Hoffotografen Matthias Rhomberg, der in seinem Shop die Fotos sogar zum Ausdrucken in allen möglichen Varianten feilbietet. Die gesamte Galerie zum Abend gibt es wie immer HIER!

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