Poolbar Blog

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"The best location ever!"

Samstag in der Poolbar: Das Alte Hallenbad war bis zum Beckenrand gefüllt: Francis International Airport, Chad Valley und Elektro Guzzi.
Text von Christian Pausch, erschienen auf fm4.orf.at (dort auch mit drei Galerien zum Nachschauen!)

Der Samstagabend beginnt für mich direkt vor der Poolbar, wo man fast wie jeden Abend nie so genau weiß, was sich die junge Kunst- und Kulturszene einfallen hat lassen.

Diesmal steht dort ein extrem sympathischer junger Mann mit Akustikgitarre und covert Songs für das Laufpublikum. Unter anderem den Oasis-Klassiker ("Keine Sorge: nicht Wonderwall!") "Don't look back in anger". Und als ich da so sitze, rund um mich herum die Berge und irgendwo dazwischen das Rauschen des Flusses, da spüre ich es schon a priori: "in anger" wird man auf diesen Abend nicht zurückblicken müssen.

A great great deal
Die fünf Bandmitglieder von Francis International Airport waren tagsüber noch am Chiemsee die Aussicht genießen und kommen daher vollkommen entspannt in der Poolbar an. Der Soundcheck, dem ich nachmittags beiwohnen darf, läuft reibungslos und es ist mehr als offensichtlich: Hier sind Profis am Werk. Immerhin kann die Band schon auf eine fast zehnjährige Geschichte zurückblicken und drei großartige Alben präsentieren. 

Francis International Airport
Foto: FM4 / Alex Wagner

Das dieses Jahr erschienene namens "Cache" wird als große Weiterentwicklung und als Neuerfindung des Francis-Sounds beschrieben, das kann man auch live in der Poolbar spüren. Der Sound ist dunkler, melancholischer, natürlich synthielastiger als früher. Mitten im Set baut sich ein Noise-Gewitter auf, dass dann, so schnell es aufgebraust ist, auch sofort wieder abflaut und in die Single "The Right Ones" übergeht. Gänsehaut pur!

Die Zugabe ist dann aber ein alter Hit: "Amnesiacs", mit positiverer Grundstimmung: "It's gonna be a great great deal for all of us", singt Sänger Markus. Auf den weiteren Verlauf des Abends umgemünzt, soll er damit auf jeden Fall Recht behalten.

Drowning in sounds
Ich treffe Hugo Manuel alias Chad Valley am Nachmittag im Park vor der Poolbar, die Feldkircher_innen sonnen sich vor uns auf der Wiese, ein großer schwarzer Hund holt Stöckchen und in der Musikschule nebenan spielt jemand Mozart am Klavier bei offenem Fenster. "We are in Austria, of course somebody has to play Mozart", lacht Hugo.

Fast könnte man die Szenerie als kitschig beschreiben, aber das stört den talentierten Musiker gar nicht. "I like cheesy things. I like cheesy music. I think my music is cheesy." Na, na, na, nicht so tief stapeln Herr Valley!

Chad Valley
Foto: FM4 / Alex Wagner

Chad Valley liebt Duette, wie man schon auf seinem Album gemerkt hat, immerhin hat er da mit u.a. Twin Shadow eines gesungen. Deshalb hat er sich heute Abend auch eine Sängerin mitgenommen, die ihn live unterstützt. Perfekt fügen sich die beiden Stimmen zusammen, während die fast schon hymnischen Synthie-Melodien das alte Hallenbad füllen. Drowning in sounds, ein wunderschönes Gefühl, dass noch lange in mir nachhallen wird.

Elektro Guzzi
Den Abschluss machen dann die drei Herren von Elektro Guzzi. So schnell kann ich gar nicht schauen, kann man von einem Konzertabend (wie bieder das schon klingt!) gar nicht mehr sprechen, denn die Poolbar ist innerhalb von Minuten zu einem Club avanciert und das Hallenbad zu einem einzigen großen Dancefloor.

Electro Guzzi
Foto: Matthias Rhomberg

Mit ihrer live eingespielten elektronischen Musik erreichen die Guzzis alle: jene, die gerne Leuten beim Musizieren zusehen, und jene, die gerne zu elektronischer Musik abshaken, ohne sich darum zu kümmern, wie sie eigentlich entsteht. Ich sehe schmusende Pärchen, glücklich lächelnde Tänzer_innen und zufrieden nickende Musikkritiker_innen.

"That is definitely the best location we ever played. I mean: it's an empty pool!", strahlt Chad Valley, während er selbst zu Elektro Guzzi in die Nacht hineintanzt.

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