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poolbarT: Wüstensand und Schweißtropfen

Review von Lukas Ortner

Die Stoner-Rock-Kutsche hielt gestern für ein exklusives Stelldichein in Feldkirch: Die Salzburger Formation Been Obscene eröffnete den Showdown mit den Kompaneros von Vista Chino.

Schon beim Betreten der Terrasse zeichnete sich, wie schon öfter dieses Jahr, ein klares Bild der BesucherInnen ab: Tätowierte Arme, Beine und Hälse, Bandshirts und Bärte. Der Hitze entfliehend gönnten sich die Musikfreaks des gestrigen Abends noch Abkühlung durch einige Biere, war so doch ein reges Treiben vor dem alten Hallenbad. Nach dem (ich will jetzt nicht sinnlos sagen, aber ja..) unnötigen Auftritt einer Feuershow einigeR GauklerInnen auf der Wiese, welche beim Open-Air als ZuschauerInnenbereich diente, gabs püntklich um 21.30 Uhr den ersten Act des Abends.

Gitarren und Schweiß


Been Obscene, eine 4-köpfige Stoner-Psychodelic-Gruppe aus Salzburg und ihres Zeichens keine unbekannten Gesichter in Feldkirch, betraten die Bühne und legten gleich mal richtig vor: Ein stetiges, treibendes Drum und harmonische Gitarrenmelodien, lange instrumentale Parts, rauer Gesang, tiefe Lyrics. In meinen Augen vielleicht ein bisschen in Richtung Astra, vielleicht (zumindest was das instrumentale angeht) ein bisschen etwas von Graveyard – mit einer gelungenen Nuance eigenem Sound. Der Mix wurde entsprechend mit Applaus belohnt und nach 3, 4 Songs war auch gebührend Präsenz seitens der BesucherInnenschar in der Halle vorhanden.


Ein Manko, was sich hier auch gleich zu erkennen gab, war die Hitze: Schockierende Bilder der letzten Jahre, in denen der Schweiß von der Decke zu tropfen schien, flogen vor meinen Augen vorbei, fragt ich mich doch, ob die neue Lüftung doch nicht so eine Veränderung bringt. Aber hierzu muss auch gesagt werden: Viele Leute, viel Action in der ersten Reihe (ja, auch schon ein bisschen zu Been Obscene) und yours truly zu allem Übel auch noch Vollbartträger (der heute leider aber zwecks baldigem Urlaub in schon fast tropischen Gefilden gekürzt wird). Der Musik tat das nichts ab, meiner persönlichen Stimmung gab es leider einen kleinen Dämpfer. Aber nach einem kurzen Luftschnappen und Abkühlen auf der Terrasse wars dann (zumindest vorerst) auch nicht mehr schlimm. Next.

Desert-Rock-Oldies ain't Goldies...

... aber definitiv ein Erlebnis: Die Ex-Kyuss-Lives!-Formation Vista Chino betrat zu vorgegebener Zeit die Bühne und gleich wurde ordentlich auf den Putz gehauen – a là Eat this!


Die Band rund um Sänger John Garcia trieb die Hitze weiter hinauf, Gitarrist Bruno Fevery und der Bassist, der für mich nicht wirklich nach Nick Olivieri oder Scott Reeder aussah (Anmerkung: Ich bin überhaupt kein Vista-Chino-Experte, und auch wenn Stoner Rock nicht unbedingt Neuland für mich ist, gibt’s es noch einiges zu lernen), lieferten sich ein Match mit tief gestimmten Gitarren und verzerrten Melodien, das Headbangen wurde zusammen mit Brant Bjork (eine Mischung aus Waynes World und Tommy Chong, ohne Sch.. - Fotos!) an den Drums übernommen.

Kurzes, zusammenhangloses Exzerpt: Vista Chino, früher Kyuss Lives! Wurde 2010 von Sänger Garcia gegründet, ein Projekt, die Band Kyuss, die zu anfangs noch Queens of the Stone Age Mastermind Josh Homme beherbergte. Des weiteren kann ich dem werten Leser ans Herz legen, sich die einzelnen Figuren der Bands genauer anzuschauen (v.a. Brant Bjork!), denn wie so oft in diesem Genre bzw. im Alternativrock (zBsp Mark Lanegan - !) hat jeder irgendwo seine Finger drinnen.


Die Halle füllte sich gleich zu anfangs noch weiter (leider nicht ganz ausverkauft), der Schweiß stand auf der Stirn und unterm Bart, irgendwelche Unsympathen schmissen noch zu einem älteren Kyuss-Song Bier durch die Luft und zündeten sich trotz Rauchverbotes Zigaretten an. Solche gibt’s es hald immer wieder. Doch weiter im Text, weiter über Vista Chino: Das Set beinhaltete neben Songs wie zBsp Asteroid auch wahre Raritäten wie zBsp Son Of A Bitch (wenn ich mich nicht ganz verhört habe). Ende August dJ veröffentlichen die Desert-Rocker neues Material, worauf man nur sehr gespannt sein darf.
Nun zu meinem persönlichen Eindruck: Natürlich darf man sich von einem alteingesessenen Musikerkollektiv, die ursprünglich prägend für ein ganzes Genre waren, nicht allzuviel Abwechslung erwarten. Die Stonerg'schichten waren straight und gingen gut (nur leider viel zu laut) ins Ohr. Konnte ich mich noch nie wirklich mit Garcias Stimme anfreunden, war es doch eine gelungene Show. Bühnenpräsenz leider so gut wie nicht vorhanden, fühlte eben genannter Sänger John Garcia mit verschlossenen Augen die Lyrics, wippte allerdings nur ein bisschen hin und her. Was laut einigen Gesprächen mit wahren Fans als künstlerisches Auftreten interpretiert wurde, verstand ich als Desinteresse, Genervt-Sein und/oder Auf-Dem-Zahnfleisch-Gehen. Das Auftreten und die Mimik a lá Dave Grohl (Nein, das schreib ich nicht wegen Josh Homme und QOTSA!) von Drummer Brant Bjork, genau so wie die instrumentalen Parts, der wummernde Bass und die allgemeine Stimmung riss einiges Raus.

Unterm Strich für Fans eine geile Show (wurde auch als Gold bezeichnet) – der Soundtrack der Wüste – für mich war in diesem Fall zu Anfangs etwas Sand im Getriebe, der sich allerdings durch längeres Laufenlassen auch wieder verflüchtigte. Danke Been Obscene, danke Vista Chino, danke Poolbar.
See you tonight w/ Patrick Wolf.

Alle Fotos von Matthias Rhomberg (rhomberg.cc) gibt es HIER zu sehen!

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