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poolbarT: Canadian Karma Chameleon

Review von Lukas Ortner

Der gestrige Abend verhieß einiges: Wärmten Kottarashky & The Rain Dogs den Pool vor, starteten Austra den Motor für eine Rundfahrt im 80er-Synthiepop-Sumpf.

 

Funkytime!

Eine Vorband wie Kottarashky & The Rain Dogs ist – ähnlich wie Ossie & The Sexual Chocolates letztes Jahr als Support von Nneka (http://poolbar.at/blog/1459) – schwer zu bewerten: Musikalisch an Funk, Soul und Blues orientiert, schaffte der bulgarisch-deutsche Supportact eine gute Grauzone mit modernen Einflüssen a lá Midi-Pad und Syntesizern. Die Band rund um Mastermind Nikola Gruev riss das Absperrband mit Aufdruck „Energie sparen für den Hauptact“ durch und dadurch so einige KonzertbesucherInnen mit und forderte zum Mittanzen auf. Sehr schön. Vielen Dank.

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Als Veranstaltungsort war der Pool auserkoren und durch die etwas mindere Kapazität war von Anfang an klar: Ausverkauft! Die etwas längere, aber zwecks Abkühlung notwendige Umbaupause leerte zwar das ehrwürdige Hallenbad, jedoch war pünktlich um 22:00 Uhr das Schwimmbecken beinahe bis über den Beckenrand gefüllt. Bühne frei für Austra.

 

Hello, 80ies!

Katie Stelmanis, ihres Zeichens der Kern und Ursprung des kanadischen New-Wave-Kollektivs Austra, legte mit eben diesem gleich von Anfang an fest: Dance! Stimmlich mehr als eine Sensation (selten so eine gute Live-Stimme gehört), Bühnen-Outfit-bezogen eher ein bisschen ins Fettnäpfchen getreten (Lady Gaga?) begann die Fahrt Richtung emotionalem 80er-Synthiepop-New-Wave-Sound.

Vielen bekannt durch ihren Extrem-Ohrwurm „Lose It“ betreten Austra mit dem neuen Album Olympia einen etwas düsteren Pfad, die neue Single „Home“ wurde ja schon über FM4 bis ins scheinbar Unermessliche malträtiert. Und trotzdem: Die vier Musiker_innen schaffen es live, genau das gewisse Etwas beizumischen, das sie knapp unter die Grenze zum Mainstream bringt.

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Die Instrumentierung im Vergleich zur Besetzung beinahe verdoppelt – waren doch vier oder fünf Synthesizer in Verwendung, ein Bass, ein Drumset mit unzählbar vielen Pads, und Backing Vocals der Drummerin – schmetterte Stelmanis ihre wunderbare, opern-orientierte Stimme gegen die Pool-Wände und in die Köpfe der gespannt lauschenden Zuschauer_innen – war doch der vorhergegangene Tanzmarathon etwas abgeebbt. Doch spätestens zum oben genannten Ohrwurm „Lose It“, der von Katie beinahe eins zu eins wie auf der Aufnahme gesungen wurde (überwältigend!), wurde wieder getanzt und gejubelt. Die 80er hatten ein regelrechtes Stell-dich-ein.

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Aus meiner persönlichen Sicht stark an Bands wieDepeche Mode, Bronksi Beat und ab und an Boy George oder ferner Culture Club orientiert, schafft es die Truppe, eine gute Prise modernen Disco-Sound beizufügen – da wäre doch Dillon (oder Grimes) ein sehr passender Supportact gewesen.

Aber kein Konzert ohne einen kritischen Blick: Die Abwechslung fehlte mir wie so oft, bei den unzähligen Drum-Samples und -Beats war ohne einen genauen Blick nicht mehr ganz klar, was da jetzt vom Band kam und was live gespielt wurde, wirkliche Interaktion mit dem Publikum war nicht vorhanden. Und doch: Unterm Strich war die Show von Austra, mit dem lettisch-kanadischen Aushängeschild der Opern-Pop-Sängerin Stelmanis ein wahres Konzerterlebnis. Beinahe schon zu kurz geraten, dennoch viele Hits und eintönige New-Wave-Schnulzen präsentiert, komprimierte sich die Show auf fast exakt 60 Minuten. Schade.

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Fazit: Vielleicht nicht unbedingt ein weiteres Konzerthighlight. Vielleicht bin ich auch noch auf dem Garage-Trip, auf den mich die Japandroids (nach ihrem Gig am Montag beim poolbar Festival) am Dienstag noch mal in Zürich festschraubten. Ein Erlebnis war es nichtsdestotrotz, und jedem_jeder, der_die mit dem Gedanken spielt, sich eine Show des weiblichen 80er-Synthie-Verschnitts anzuschauen, kann man eigentlich nur das zu Herzen legen. Danke Austra. Danke Katie. Danke poolbar. Stay gold.

Alle Fotos von Matthias Rhomberg (rhomberg.cc) gibt es HIER zu sehen!

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