Poolbar Blog

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poolbarT: Taube und Löwe geben sich ein Stelldichein

Es war wohl jener poolbar-Festival-Konzertabend im Alten Hallenbad mit den größten Altersunterschieden zwischen den Mitgliedern der einzelnen Bands und auch innerhalb des Publikums. An diesem Abend des 8. August legten sich die Jüngsten und Jüngeren mit den Ältesten an: Catastrophe & Cure und Dry The River zeigen den Altmeistern von James, wie heutzutage der Hase läuft, zumindest im musikalischen Sinne. Denn während die blutjungen Burschen von Catastrophe & Cure und die Mitzwanziger von Dry The River mit anspruchsvollem Songwriting und modernen Indie-Sounds punkteten, setzten die in die Jahre gekommenen Herren der 80er-Größe James gerademal auf Pop-Hymnen vergangener Tage.

 

Dass es mit drei Bands an einem Abend ein bisschen stressig auf der Bühne und beim Umbauen werden könnte, musste befürchtet werden, doch somit bestand nie auch nur einen Moment die Gefahr, dass irgendjemandem langweilig würde. Die erste Band des Abends, die frischgebackenen FM4-Amadeus Award-Gewinner Catastrophe & Cure, waren aber die Leidtragenden: Sie kamen nur holpernd in Fahrt, denn erst beim dritten Song und nach einigen gravierenden Ausfällen des Mischpults schien ihnen die Technik wohlgesonnen. Dieser Umstand schmerzt insofern doppelt, da sie gerade am Beginn ihres Auftritts, vor allem beim Opener "Like Crazy Doves", energiegeladen und voller Spielfreude ans Werk gingen. Nachdem die technischen Mätzchen besiegt waren, zeigten sie ein souveränes Set mit den Indiepop-Songperlen ihres aktuellen Albums (unter anderem den Singles "Shipwreck" und "Quite Alright") und zwei neuen Stücken, die sich bereits harmonisch in die Setlist integriert hatten.

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Die Halle, anfangs nur spärlich besucht, füllte sich im Verlaufe der mit nur 30 Minuten äußerst knapp bemessenen Spielzeit von Catastrophe & Cure stetig und war gegen Ende bereits so gut besucht, dass der Applaus von Song zu Song mehr und länger wurde. Kein Wunder auch, denn nach einem zwar anständig gespielten, aber ohne wirklichen Höhepunkt versehenen Mittelteil erwies sich der Schluss als Hightlight ihres Auftritts: In einem der beiden neuen Stücke zeigte Sänger Johannes Eder, was wirklich in seiner sonst so ruhigen und cleanen Stimme steckt, und konnte dem rythmisch anspruchsvollen musikalischem Part des Songs mit kräftigem Nachdruck und unter Einsatz einer normalerweise kaum demonstrierten Stimmgewalt ordentlich entgegensetzen. In Zukunft bitte mehr davon!

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Als Dry The River pünktlich um 21.30 Uhr die Bühne betraten, hatten sich schon ein paar treue Fans die besten Plätze in der ersten Reihe gesichert. Was man von dort aus sehen konnte, während das restliche Publikum dazu eine Leinwand benötgte, waren zum Beispiel die nackten Füße von Sänger und Frontman Peter Liddle, der bei den rockigen Songs seiner Band stilsicher und elegant wie ein kleines Rumpelstilzchen herumsprang.

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Wie für den Londoner Fünfer so typisch, bestimmen auch viele ruhigere Songs ihren Auftritt, doch fast immer wachsen diese Stücke von Minute zu Minute und gehen am Ende oft in einem rockigeren Instrumentalteil über, wie zum Beispiel bei "Lion's Den", einem der intensivsten Klangerlebnisse während des etwa 60-minütigen Sets. Auch "Weights & Measures" zählt zu den herausragenderen Nummern: Peter Liddle, Bassist Scott Miller und Gitarrist Matthew Taylor stehen zu Beginn des Songs am vorderen Rand der Bühne, beginnen den Song rein akustisch und auch ohne Mikrofone bei gedämpften Licht und kehren erst bei der ersten Bridge zu ihren ursprünglichen Positionen zurück, wo dann auch Schlagzeug und Geige einsetzen und damit ein weiteres Mal demonstrieren, dass ein anfangs balladesk anmutendes Lied mit einem Schwung zu einer leidenschaftlichen Rock-Nummer werden kann.

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Natürlich dürfen auch die anderen Hits des letztjährigen Debütalbums "Shallow Bed" von Dry The River nicht fehlen: "New Ceremony" und "No Rest" werden schon bei den ersten Akkorden vom Publikum mit begeistertem Klatschen eingeleitet und zeigen das Talent der Band für große Melodien und Ohrwürmer. Sogar die drei neuen Nummern werden sehr wohlwollend und mit Interesse aufgenommen und deuten darauf hin, dass es beim nächsten, wahrscheinlich erst 2014 erscheinenden Album von Dry The River in ähnlicher Manier mit bestem Folkrock weitergehen wird. Dass sich diese Band verdient hätte, Headliner an diesem Abend zu sein, steht für mich außer Frage.

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Trotz minutenlangen Applauses durften Dry The River aufgrund des toughen Zeitplans leider keine Zugabe spielen und erst nach einer weiteren Umbaupause ging es weiter. Der Hauptact des Abends, James, motivierte wohl die eine oder den anderen BesucherIn, nur für dieses eine Konzert eine weite Anreise auf sich zu nehmen. So waren nicht nur Fans aus den verschiedensten Teilen Österreichs zugegen, sondern auch aus vielen Staaten Mitteleuropas (Deutschland, Schweiz, Frankreich, Slowenien), denn die siebenköpfige legendäre britische Poprock-Band hatte 2013 zwar in den USA und England getourt, kaum aber woanders und daher bekam ihr Auftritt beim poolbar Festival besondere Bedeutung.

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Schon vor dem Auftritt von James sah man einige Personen mit dazugehörigem Band-Fan-Shirt herumlaufen, hauptsächlich Männer und Frauen mittleren Alters, die wohl Fans der ersten Stunde gewesen sein mögen oder James zu ihrer besten und ruhmreichsten Zeit in den späten 80er- und frühen 90er-Jahren kennengelernt hatten. Damals waren die Briten in aller Munde und Vorreiter für den (Indie-)Britpop, konnten aber nach der erfolgreichen Zeit in den 90er-Jahren mit ihren späteren Alben nicht mehr anschließen. Dementsprechend fanden sich in ihrem Set auch mehr alte Hits als Nummern aus den neueren Alben, aber gerade dem jüngeren Publikum schien beides nicht so recht bekannt zu sein.

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Während das jüngere Publikum also in die hinteren Reihen zurückwich, fanden sich plötzlich lauter extrem begeisterte 35- bis 55-jährige James-Fans in den vorderen Reihen und gröhlten mit, tanzten und klatschten, was das Zeug hielt und als ob sie das die letzten zwanzig Jahre nicht getan hätten. Besonders während des Welthits "Sit Down" gerät das Publikum in Ekstase und man fühlte sich zurückversetzt ins Jahr 1991, als der Song veröffentlicht wurde und gleichzeitig den großen Durchbruch der Band bewirkte. Gut zwei Stunden Spielzeit gaben die in die Jahre gekommenen Musiker von James alles (inklusive Sprung von der Bühne ins Publikum vom Sänger) und holten für den letzten Songs sogar noch zusätzliche Sängerinnen und Tänzerinnen auf die Bühne, sodass es allmählich wirklich knapp mit dem Platz wurde. Dieses überbordende Finale trägt schließlich auch zum Eindruck bei, hier sei eine britische Schlagerpop-Band auf der Bühne, die ihren einstigen Ruhm zwar ordentlich repräsentiert, wohl aber heutzutage nicht mehr ganz mit modernen Gruppen des Britpop-Genres mithalten kann.

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In den poolbar-Foto-Galerien sind alle weiteren Fotos des Abends von Matthias Rhomberg (rhomberg.cc) zu Catastrophe & Cure, Dry The River und James zu finden. Unser Fotograf Matthias Rhomberg bietet für besondere Fans außerdem an, einzelne Bilder als Fotoabzug, Poster oder auf Leinwand bestellen zu können. Wo? HIER in seinem Shop!

 

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