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poolbarT: Hardcore walisischer Art

Review von Lukas Ortner

Nach einer Woche am Strand begab ich mich gestern (13.08.) frisch gestärkt und motiviert zum Auftakt des Schluss-Hattricks nach Feldkirch in die ehrwürdigen Räumlichkeiten des Alten Hallenbades: Als Führungstreffer gab es von Funeral For A Friend gehörig was auf die Ohren.

 

Anpfiff mit Ländle-Support

Nach einem kurzen, gewohnten Terrassen- und Wohnzimmercheck (ja, es ist noch alles beim alten) ging ich (beinahe) pünktlich in die Halle: Die Vorarlberger Prog-Formation Second Relation betrat die Bühne und bot der zu dem Zeitpunkt noch spärlichen Zuschauer_innenschar ihre Show zwischen komplexen Metal-Riffs und ruhigen, schon beinahe nach den frühen Incubus klingenden Instrumentalparts. Gesanglich wirklich gewaltig, musikalisch nicht unbedingt mein Metier. Ein bisschen Tool vielleicht, ein, zwei huddlige Drumparts – ansonsten ein perfektes Zusammenspiel. Meines Erachtens nicht unbedingt ein passender Supportact, dem Publikum gefiel es trotzdem und die Stimmung war gut vorgeheizt. Dankeschön.

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Nach einem kurzen, fast schon wehmütigen Rundgang, ging es pünktlich zu Beginn des Hauptacts wieder in die obere Etage: Die fünf Waliser Funeral For A Friend gaben sich die Ehre und gleich zu Beginn war klar, dass hier eine geballte Ladung Energie zu erwarten war. Denn obwohl der Publikumsandrang ausblieb, die Stimmung a lá Headbangen und Moshen erst nach vier bis fünf Songs da war, forderte die Post-Hardcore-Formation rund um Sänger Matthew Davies von Anfang an robustes Trommelfell.

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Auf Funeral For A Friend wurde ich persönlich durch ihre Single "Juneau" im Jahre 2003 aufmerksam. Zu dieser Zeit noch fest verankert in der (im Nachhinein fragwürdigen) Emo-Szene hat sich bei den Jungs einiges getan: Punk, Screamo, Alternative Rock – und schlussendlich (zum Glück) beim Post-Hardcore gelandet. Vom Major-Sell-Out zum Indie-Artist, ein langer, nervenaufreibender Weg. Da mir selbst nicht klar war, was ich von ihrem Album "Memory and Humanity" halten sollte, begnügte ich mich mit dem gelegentlichen Reinhören in die alten Scheiben – Funeral For A Friend hatten sich in meinen Augen selbst begraben. Umso überraschender kam da auf einmal "Best Friends And Hospital Beds" (Anhörtipp!). Ein bisschen von Banes‘ Swan Song, mit einer gehörigen Ladung Eigensound. Die walisische Truppe war wieder auferstanden.

Und genau da liegt vielleicht auch das Problem mit der etwas im Zaum gehaltenen Stimmung beim gestrigen Stell-dich-ein in Feldkirch: Im Vergleich zu den Aufnahmen schrie Sänger Davies um einiges mehr und um einiges öfter, Funeral For A Friend müssen sich mit ihrem neuen Sound zuallererst einmal etablieren, sich beweisen.

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The Religion Of Circlepit

Zwischen den Teils wie früher längeren und den für Hardcore typischen kurzen Songs bewies Sänger (ab jetzt: Screamer) Davies eine gute Ladung britischen Humor: Sätze wie „I f*cking love Almdudler, that’s the only reason we’re in Austria again“ oder „Back there is the bullshit section, here, up front, is the awesome section. So all of you, get away from the bullshit and become awesome“ brachten ordentlich Sympathiepunkte. Aufgeheizt durch die energiegeladene Show wurde die Truppe dann schlussendlich doch noch (zu oben genannter Single) mit einem Circlepit belohnt – laut Davies „.. the only religion I believe in“. Verschwitzte Altfans gaben sich mit den jüngeren (Hipster-)Konzertbesucher_innen die Im-Kreis-Renn-Ehre. Nach einer Stunde Show, die hörbar Spuren auf Davies‘ Stimmbändern hinterlassen hatte, verabschiedete sich die Gruppe auch schon wieder.

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Fazit: Nach wie vor sehe ich die Reinkarnation von Funeral For A Friend als Post-Hardcore-ler skeptisch, die gestrige Show im Alten Hallenbad hinterließ einen guten, bleibenden Eindruck, auch nicht nur bei den Alteingesessenen. Man darf gespannt sein, in welche Richtung sich die Truppe weiterentwickelt und –etabliert. Danke poolbar. Danke Funeral For A Friend.

Die gesammelten Fotos von Funeral For A Friend und Second Relation von unserem Fotografen Matthias Rhomberg (rhomberg.cc) gibt es HIER zu sehen!

 

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