Poolbar Blog

2017


2016


2015


2014


2013


2012


2011


2010


2009


2008


poolbarT: Jag älskar Sverige!

Review von Lukas Ortner

Der zweitletzte Abend (14.08.) des 20. poolbar Festivals entpuppte sich als größeres Highlight als im Vorfeld gedacht: Massen an Musikliebhaber_innen fanden sich bei milden Temperaturen in Feldkirch ein - die musikalische Vorarbeit erledigten Garish, als großen Knall gab es danach die Schweden Shout Out Louds.

 

Junge Römer

Beinahe sechs Wochen vorbei und schlussendlich schaffte ich es sogar, mehr als pünktlich zu sein. Glück gehabt: Schon kurz nach Kassa-Öffnung bildete sich eine Schlange und das Wettrennen um die letzten Tickets begann. Ebenfalls pünktlich um 21.00 Uhr betraten die fünf Musiker der heimischen Indie-Gruppe Garish die Bühne.

http://poolbar.at/system/asset/filename/17619/Garish_BY_MATTHIAS_RHOMBERG_002.jpgSchon lange schwirrt dieser Name in der alternativen Musikszene Österreichs herum, persönlich war mein erster Kontakt erst vor kurzem und über Umwege – Gitarrist Christoph Jarmer war vergangenen November mit seinem Soloprojekt „Estebans“ zu Gast im Dornbirner Spielboden (Tipp!). Die vergangenen 15 Jahre hinterließen an der Truppe rund um Sänger (und Bruder von Christoph) Thomas Jarmer deutlich positive Spuren: Beinahe jeder Song hatte den einen oder anderen fünfstimmigen Gesangspart, die Ohrwurm-Refrains, bestehend aus „Oh Oh Oh!“ oder „Ah! Ah! Ah!“, rissen das Publikum in den Bann und die Instrumente wurden immer wieder hin- und hergewechselt. Den Besucher_innen gefiels, der Andrang wurde größer, sodass sich Garish sogar noch zu einer Zugabe überreden ließen: Das wunderbare Cover des Falco-Hits „Junge Römer“. Danke – gerne wieder, und das nächste Mal mit dem neuen Album im Gepäck.

http://poolbar.at/system/asset/filename/17620/Garish_BY_MATTHIAS_RHOMBERG_018.jpg

Hopp, Sverige!

Die nach Garish notwendige Abkühlung brachte die Terrasse, doch schon beim nächsten Bier-Holen im Wohnzimmer drückte die extreme Hitze gehörig ins Gesicht – ja, der Abend war ausverkauft, die Halle zum Zerbersten gefüllt, sodass nicht einmal mehr die neue Lüftung etwas gegen die erhöhte Temperatur ausrichten konnte. So what. Next up: Shout Out Louds.

Es ist immer schwer, über ein gutes Konzert zu schreiben. Und noch einen Tick schwerer fällt es mir, den gestrigen Abend Revue passieren zu lassen. Was jetzt nicht am Alkoholkonsum liegt, nein. Die schwedische Indie-Front Shout Out Louds legte gestern eine Show hin, die ihresgleichen vergeblich sucht. Das neue Album "Optica" im Gepäck, das schon im Vorfeld einiges an positiver Kritik einheimsen durfte, wurde gestern von Anfang an auf die Tube gedrückt: Sänger Adam Olenius zog die ausverkaufte Halle in seinen Bann, seine markante Stimme zwischen Falsett, Nasal und einem unsicheren Nuscheln hatte seit dem letzten Besuch in Feldkirch 2010 einiges an Kraft und Sicherheit gewonnen. Die private und musikalische Pause vor ihrer eineinhalb Jahre lang dauernden Arbeit an oben erwähntem aktuellem Sprößling tat den fünf Schweden sichtlich und hörbar gut.

http://poolbar.at/system/asset/filename/17641/Shout_Out_Louds_BY_MATTHIAS_RHOMBERG_050.jpg

Insgeheim hege ich schon länger so etwas wie eine Leidenschaft für den Indie-Sound der Truppe, welcher mich stark an The Cure erinnert. Der Song "Please, Please, Please" hat sich vor Jahren in meinem Kopf verankert und kommt einfach nicht mehr weg – leider gab es den gestern nicht zu hören, aber das neue Album hat es wirklich in sich. Gleich als zweite Nummer des Abends gab es den momentan schon beinahe totgespielten Song "Walking in your footsteps" – interessant wäre hier zu wissen, ob dieser eine Hommage an das Police-Lied ist, wird doch auch der eine oder andere Flöten-Synthie-Sound verwendet.

http://poolbar.at/system/asset/filename/17639/Shout_Out_Louds_BY_MATTHIAS_RHOMBERG_011.jpg

And if you sing loud, we sing louder!

Spätestens als die Band "Fall Hard" anstimmte, gab es trotz erheblichem Platzmangel und übermäßigem Geschwitze kein Halten mehr, es wurde getanzt, mitgesungen und -gerufen. Bebban Stenborg, Keyboarderin und Backgroundsängerin, stellte das Tambourin auf die Probe, der Ersatzschlagzeuger (Lars?) malträtierte das minimalistische Schlagzeug, Bassist Ted Malmros schwang sein Instrument hin und her und stolperte das ein und andere Mal in Sänger Adam Olenius, der gemeinsam mit Gitarrist Carl von Arbin die Indie-Gitarren-Melodien hinauswarf.

Dass nicht nur die Stimme von Olenius an Kraft und Sicherheit zugelegt hatte, sah und hörte man an der nicht abebbenden, sondern stetig steigenden Qualität und Professionalität der Songs und jedes einzelnen Bandmitglieds – als letzte Zugabe gab es "Tonight I have to leave it", während dieser sich Adam den Weg durch die tanzende Meute bahnte und kurz auf die Absperrung vor dem Mischpult kletterte (so gesehen auch bei Friska Viljor – vielleicht so ein Schwedending?).

http://poolbar.at/system/asset/filename/17640/Shout_Out_Louds_BY_MATTHIAS_RHOMBERG_015.jpg

Die gute Laune von gestern ist immer noch präsent, selten habe ich eine so positive und qualitativ hohe Liveperformance gesehen. Danke, Shout Out Louds. Und danke, poolbar. Sehr sehr gerne wieder.

Alle Fotos von Matthias Rhomberg (rhomberg.cc) gibts unter folgenden Links zu sehen: Garish-Fotos // Shout Out Louds-Fotos.

 

0 Kommentare
Anmelden zum Kommentieren