Poolbar Blog

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poolbarT: Farewell!

Review von Lukas Ortner

Sonne zum Abschied, die alljährliche Wehmut und der Vorwurf, man hätte doch mehr Zeit hier verbringen können: Gestern Abend, am 15.08., ging der letzte Abend des 20. poolbar Festivals über die Bühne und hatte noch so einiges im Gepäck: Trümmer vorab und als fulminantes Farewell den deutschen Rap-Act Casper.

 

Zum eigentlich ersten Mal war ich gestern Abend sogar vor Eröffnung der Räumlichkeiten am Gelände, und schon da zeichnete sich ein erschreckend bekanntes Szenario ab: Die Schlange vor der Tür schien kein Ende zu nehmen, der Altersdurchschnitt war tiefer als wünschenswert, quengelige Hipster-Kiddies mit Tanktops, V-Aussschnitt, Obey- oder Sonst-Was-Caps, Superman-Logo hier, Dreieck oder Diamant da, Septum-Piercings, Nerdbrillen, Sidecuts usw. usf. Ja, man könnte hier eigentlich schon etwas Ähliches wie letztes Jahr bei Cro schreiben, allerdings wäre das zu banal, zu schwach. Egal.

http://poolbar.at/system/asset/filename/17671/Truemmer_BY_MATTHIAS_RHOMBERG_001.jpgMusikalische Häuserwand-Slogans

Unerwartet früh, jedoch auf die Minute pünktlich um 20.00 Uhr betraten die drei Jungmusiker der Band Trümmer die Bühne der sich immer mehr füllenden Halle. Was mir und den restlichen Besucher_innen da präsentiert wurde, konnte kaum unerwarteter sein: Eine Mischung aus den frühen Blumfeld, Die Sterne und sonst noch einigen Bands der Hamburger Schule (auch wenn Trümmer auf diesen Terminus verzichten) mit jugendlichem Punkrock, getragen von den beinahe monoton gerufenen Songtexten wie z.B. "Eine Welt voller Drohnen" oder "Wir tun das, weil es uns gefällt". Teilweise in Gitarrenparts á la Tomte abrutschend, teilweise schon beinahe mit Mod-Rock-Einflüsse, zeigten sie ein Sammelsurium aus verschiedensten musikalischen Splittergruppen. Von Herzschmerz, Weltuntergang und sonst noch einigen linken und gesellschaftskritischen Lyrics beschränkte sich die Instrumentierung auf das minimalistischste: Gitarre, Bass, Schlagzeug. Trümmer haben nicht unbedingt das Rad neu erfunden, kommen aber mit ihrem Sound ehrlich und zu einem großen Teil auch glaubhaft rüber, was dem Publikum gefiel.

http://poolbar.at/system/asset/filename/17676/Truemmer_BY_MATTHIAS_RHOMBERG_006.jpg

Casper-ltheather

Wie so oft, war eine Abkühlung während der Umbaupause unverzichtbar, am gestrigen Abend jedoch ein Durchkommen oder eine Bierbestellung beinahe nicht möglich. Ein kurzes Flüchten auf die Terrasse, das erste kleine „Tschau!“. Wiederrum streng nach Zeitplan, pünktlich um 21.00 Uhr, betraten die Musiker rund um die deutsche Rapsensation Casper die Bühne. Nach einem ewig scheinenden Intro zum ersten Song, der Single "Auf und Davon", sprang Frontmann Benjamin Griffey (a.k.a. Casper, himself) auf die Bühne. Was mich als Casper-Laien überraschte, war die extreme Energie, die er gleich von Anfang an in seine Show legte: Hektisch herumzappelnd rannte Casper auf der Bühne hin und her, nahm immer wieder Augenkontakt mit einzelnen Besucher_innen auf. Seine markant kratzige Stimme schmetterte die tiefsinnigen Songtexte gegen die Wände und in die Köpfe jedes und jeder einzelnen. Die Kiddies und andere Fans vor Ort drehten durch, sprangen auf und ab, die Hände in die Höhe, den Text mitschreiend. Das war kein Hipster-Wunderland wie bei Cro – aber auch nicht wirklich eine Hip-Hop-Show, zumindest nach meinem Geschmack.

http://poolbar.at/system/asset/filename/17682/Casper_BY_MATTHIAS_RHOMBERG_006.jpgSchon im Vorfeld wurde mir gesagt, die zwei deutschen Chart-Sensationen Cro und Casper seien nicht vergleichbar – was sich nach dem gestrigen Live-Ereigniss von Casper nur bestätigt hat: Es liegen nicht nur auf dem Papier acht Jahre zwischen den beiden, sondern auch was die geistige Fitness und die Kreativität angeht. Das Popsternchen Cro feiert sich selbst, lässt sich vom Publikum seinen Swag bestätigen (sei der vorhanden oder nicht..). Ganz anders Casper: Natürlich hatte er schon um einiges mehr Erfahrung und diese auch in anderen Kreisen (Kinder des Zorns, und später sein Abschweifen ins Metal- und Hardcore-Lager) gesammelt, außerdem war Griffeys Intention von Anfang an, gemeinsam als Kollektiv, als großes Miteinander, Spaß zu haben und zu feiern. Und genau das gelang ihm auch gestern beim poolbar Festival.

http://poolbar.at/system/asset/filename/17696/Casper_BY_MATTHIAS_RHOMBERG_028.jpg
Wurde es kurz vor Ende mit dem Song "Michael X" etwas ruhiger, und von Seiten Casper auch sehr emotional, war die Hitze für "yours truly" kaum mehr auszuhalten und man merkte von der neuen Klimaanlage nicht wirklich viel. Nach einer guten Stunde kam der erste Abschied, Benjamin Griffey war sichtlich erschöpft. Vorhersehbar, da führte kein Weg dran vorbei, gab es aber dann doch noch eine Zugabe, die Single "So Perfekt", bei der es für niemanden mehr auch nur geringstes Halten gab. Ein bisschen - wie soll ich das sagen? Schräg? Komisch? Unnötig? - war noch der wirklich letzte Song - ein Cover des Oasis Hits "Don't look back in anger“, ein gemeinsames Singen von der Casper-Crew, Trümmer und dem gesamten Publikum. Fremdschämen inklusive.

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Unterm Strich war der ausverkaufte Casper-Gig besser als erwartet, aber dann doch nicht so ganz das Meine. Dem Publikum gefiel es nichtsdestrotz.

Alle Fotos von Trümmer und Casper, geschossen von Matthias Rhomberg (rhomberg.cc), findet ihr HIER!

 

Wieder ein Jahr vorbei, das 20ste poolbar Festival verabschiedet sich mit wehenden Fahnen. Sechs Wochen voller Höhen und Tiefen - auf und abseits der Bühne - liegen hinter uns, zum ersten Mal mit einem Open Air (welches die Feuerprobe gut überstanden hat), zum ersten Mal als Green Event. Danke Feldkirch. Danke poolbar. See you next year – cheers!

 

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