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Bereuter: Ein Vorarlberger tischt in Wien auf

von Köksal Baltaci (Die Presse)

Luke Bereuter machte das Rennen um die Gastronomie im Künstlerhauskino. Seine Karriere begann schon als Jugendlicher in seinem Heimatdorf.

Wenn du 17 bist, voller Tatendrang und Kreativität, kann dich nichts und niemand aufhalten. Nicht einmal eine verschlafene 1000-Seelen-Gemeinde irgendwo im Bregenzerwald, aus der schon ab 18 Uhr kein Bus mehr in die nächste Stadt fährt. Hier, in Riefensberg im äußersten Norden Vorarlbergs, ist Lukas Bereuter aufgewachsen. Hier hat auch seine Karriere als Gastronom begonnen, die mit der Übernahme des Buffets im neuen Stadtkino im Künstlerhaus am 26.September ihren vorläufigen Höhepunkt erreicht.

„Was machst du als Jugendlicher in so einem kleinen Dorf, wenn du nicht jeden Abend mit denselben Leuten am selben Stammtisch sitzen willst? Du holst die jungen Menschen, zu denen du eh nicht fahren kannst, zu dir in den Ort“, blickt Bereuter zurück. Wie? Mit einem eigenen Lokal, das in Kooperation mit der „Offenen Jugendarbeit Bregenzerwald“ je nach Bedarf als Disco, Bar oder Konzertsaal für Livemusik dient. „Es war verrückt. Innerhalb kürzester Zeit fand sich die gesamte Jugend aus dem Bregenzerwald bei uns im Ort zusammen“, erinnert sich der 28-Jährige. „Wir hatten eine großartige Zeit. Und ich habe mich mit dem Gastrovirus angesteckt – habe gemerkt, wie viel Spaß es macht, Events zu veranstalten und Gastgeber zu sein.“

Zwei Jahre lang sorgt Bereuter für Party und gute Laune unter den Jugendlichen im Bregenzerwald, ehe er nach Wien zieht, um Multimedia zu studieren und „dem reizvollen Ruf der Großstadt zu folgen“. Sein Studium finanziert er – wie könnte es anders sein? – als Caterer, Kellner und Barkeeper, unter anderem in der Blue Box und im Orient. Ständig begleitet vom Gedanken, irgendwann wieder „etwas Eigenes hochzuziehen“. Durch Zufall erfährt er im vergangenen Jahr von einem kleinen Gassenlokal in Mariahilf, das seit einiger Zeit leer steht.

Mit einem, wie er sagt, geradezu fahrlässigen Optimismus“ übernimmt er das Lokal mit seinem Jugendfreund Mathias Kappaurer (26) und macht daraus eine Musikbar mit Ausstellungsraum und Restaurant – die Tonstube ist geboren. „Wir hatten für den Umbau nicht viel Kapital. Also haben wir aus der Not eine Tugend gemacht und alles selbst gezimmert“, erzählt Bereuter. „Kreativität statt überteuerten Designkonzepts lautete unser Credo. Das Lokal sollte schlicht und bodenständig daherkommen.“ Das Konzept geht auf, die Tonstube wird schnell zu einem Hotspot.

Der Erfolg spricht sich herum, und so werden vor einigen Monaten auch die Betreiber des Künstlerhauses auf die Tonstube aufmerksam. Bereuter und Kappaurer werden vom Fleck weg engagiert und holen mit David Punzenberger (24) und Josef Kaufmann (35) kurzerhand zwei weitere Freunde aus dem Bregenzerwald ins Boot – gemeinsam nennt sich das Kollektiv Ludwig und Adele. Das Konzept bleibt in etwa dasselbe: Regionale und saisonale Produkte, die zumeist hausgemacht sind – inspiriert von der Elfenküche in Dornbirn. Die mit Bereuter befreundete Besitzerin Ulli Natter hat sich mit ihrem Geschäft auf örtliche Bioprodukte spezialisiert. „Klassiker“ wie der selbst gemachte Eistee Kaluko und der hauseigene Tonstuben-Gin werden natürlich auch serviert.


Kreativität statt teuren Designs / Bild: (c) Die Presse (Clemens Fabry)

Verantwortlich für den Umbau im Künstlerhaus ist Architektin Gabu Heindl, die dafür gesorgt hat, dass ab nächstem Frühling die Künstlerhauspassage einen Schanigarten bekommt. „Das Ludwig und Adele soll ein urbaner Ort des kulturellen Austausches werden“, so Bereuter.

Unter so viel Arbeit muss doch das Studium leiden, oder? Nein, Bereuter hat es schon abgeschlossen. Und nebenbei immer noch genug Zeit, um – mit eigenem Unternehmen – als Caterer für diverse Events tätig zu sein, etwa für das Waves Vienna-Festival oder die Vienna Design Week. Wie es weitergehen soll? „Ich werde in der Gastronomie bleiben“, sagt er. „Ich will noch einiges auf die Beine stellen.“ Aber nur, solange sein Kernteam dasselbe bleibt. Denn: „Mit dem Erfolg kommen auch Gier und Neid. Faktoren, die besser im Hintergrund bleiben. Und bei meinen Jungs kann ich mich 100-prozentig darauf verlassen.“

AUF EINEN BLICK

Lukas Bereuter betreibt zusammen mit seinem Jugendfreund Mathias Kappaurer die Musikbar Tonstube in der Laimgrubengasse in Mariahilf. Mit zwei weiteren Freunden übernehmen die beiden ab 26. September die Gastronomie im neuen Stadtkino im Künstlerhaus am Karlsplatz. Ludwig und Adele nennen sich die vier Vorarlberger, die mit regionalen und saisonalen Produkten punkten wollen.

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