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Casper: „Ich will in die großen Hallen“

Casper gelang vor zwei Jahren mit seinem Album XoXo der große Wurf. Nach zwei Jahren Tour fand er schließlich den Weg zurück ins Studio und schob den Nachfolger „Hinterland“ in die Startlöcher. Im Rahmen des Frequency Festivals spricht er über Eskapismus, Erwartungshaltungen und den Charme des Unperfekten.
von Andreas Hagenauer, erschienen auf thegap.at


Auf deinem neuen Album Hinterland willst du weg. Ist dein Leben so schrecklich?

Nein, aber bei vielen, die mit mir im Kaff Exertal bei Lemgo aufgewachsen sind, war das Leben im Vorhinein klar. Schulabschluss, Job, Haus, fertig. Für mich war das von Anfang an keine Option. Ich mag außerdem den Gedanken, den Kids zu transportieren, dass man alles aus sich machen und ausbrechen kann. Schaut mich an: Ich habe den schlechtesten Abschluss der Welt, ich habe nichts in der Hinterhand, aber das jetzt war genau das, was ich machen wollte. Es hat schlussendlich zwölf Jahre gedauert aber vor zwei Jahren hat es schließlich begonnen die Leute zu interessieren.

Die Thematik zieht sich vor allem durch den ersten Teil von Hinterland.

Sie war prinzipiell Aufhänger der Platte, die eigentlich als Konzept-Album geplant war. Der ursprüngliche Plan war, dass ein Protagonist, der in einem kleinen Ort, egal wo, aufwächst, diesen niederbrennt und mit einem Traum im Hinterkopf in die Welt hinauszieht und schließlich ankommt. Während der Produktion sind aber Schicksalsschläge passiert, die mich das Konzept auflösen ließen um mehr Persönliches in die Platte fließen zu lassen.

Wie passt das Album in dein musikalisches Gesamtkonzept?

Ich stand an einem schwierigen musikalischen Scheideweg: Angefangen habe ich ja mit klassischem, credibilen Untergrund-Hip-Hop, bis mir dann mit XOXO der große Wurf gelang. Das war das Album, für das jeder ein Leben lang Persönliches spart und ich habe jede Zeile meines Lebens drin verwurstet. Wir sind dann mit dem Programm zwei Jahre getourt und ich hätte für das aktuelle Album schon mehr Zeit gehabt, wollte es aber in der Vorgabe schaffen. Ich habe dann das getan, was viele Musiker machen, nämlich noch weiter zurück in die Kindheit reisen. Herauskommen ist ein Album, das zwischen 14 und meinen Mit-Zwanzigern spielt. Das heißt aber nicht, dass meine Kindheit jetzt das zentrale Thema ist. Ich habe mir einfach von überall ein bisschen rausgeholt und es zu den autobiographischen Teilen gefügt. Wenn Hip Hop auf Samples basiert, ist das Album textlich gut durchgesampled.

Hast du keine Lust mehr auf Rap?

Für mich stellte sich vor dem Soundkonzept die Frage ob wir nach links gehen und eine gerade Hip-Hop-Platte machen, oder nach rechts und es elektronischer und verdrehter klingen lassen oder eben den Weg nach XOXO konsequent weiter schreiten. Es fehlt mir noch ein Funke und ich könnte einer der größten Künstler Deutschlands sein. Es stand für mich eigentlich nicht zur Debatte aus Trotz den Schritt zurück zu gehen. Ich weiß, dass sich viele Fans eigentlich wieder ein wahres Rap-Album gewünscht hätten. Aber da kommt etwas, keine Sorge.

Die Refrains leben sehr von Wiederholungen. Hast du Angst missverstanden zu werden?

(lacht) Genau das wollen sie doch hören. Ich habe versucht endlich große Hooks schreiben, denn das habe ich bis jetzt auf keiner Platte geschafft. Ich weiß, dass ich nicht der beste Rapper bin aber ich wollte mir außerdem beweisen, dass ich mit meiner sehr eigenwilligen Stimme Melodien bringen, und etwas groß klingen lassen kann.

Deinen Kritikern wird immer entgegnet, dass du bei Live-Auftritten noch einmal ein ganz anders Level erreichst.

Stimmt, das hört man oft. Live bedeutet für mich: der Charme des Unperfekten. Da können Fehler passieren, es kann hier und da hapern. Live ist einfach Energie pur. Ich foltere mich immer unter Schwanengesängen durch die Plattenproduktion, weil ich da eigentlich keinen Bock drauf habe. Wenn die Platte fertig ist bin ich erleichtert und dann beginnt mein eigentliches Leben. Wenn ich könnte, würde ich 7 Monate im Jahr touren. Ich will nicht an einen Ort gebunden sein, ich will keine Verantwortung übernehmen. Ich will meinen Tourmanager und ich will raus auf de Bühnen. Beim Schreiben zu Hinterland habe ich zum ersten Mal auch an die Live-Umsetzung gedacht, weil wir direkt von der XoXo-Tour ins Studio sind.

"Hinterland" von Casper erscheint am 27.9.

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