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Cid Rim - Mute City

Der Wiener Cid Rim legt nach seinem Debüt eine ebenso großartige wie logische Folge-EP nach. Die großen Sprünge bleiben aus. Es braucht sie aber auch gar nicht. 
von Jonas Vogt, erschienen auf thegap.at

Seit Cid Rims Debüt, das irgendwo zwischen EP und Mini-Album pendelte, ist ein bisschen Wasser die Donau runter geflossen. Musikalisch und auftragstechnisch dürfte es ein gutes Jahr für Clemens Bacher gewesen sein. Um das zu merken, muss man ihn eigentlich nicht mal persönlich fragen: Schon länger wurde man im Ausland nicht mehr so oft auf einen Wiener angesprochen. Und dass Gilles Peterson auf dem Dimensions Festival im Hauptslot vor 7000 Briten einen Remix von einem österreichischen Künstler mit Ansage dropt, passiert ebenso nicht alle Tage. Der Chvrches-Remix zu Recover (der übrigens auf eine ganz normale Anfrage von Bandmitglied Martin Doherty zustande kam) ist fantastisch, kam aber eben auch zur absolut richtigen Zeit: Im Fahrwasser von britischen Über-Hype-Bands schwimmt es sich nicht schlecht. Ach ja: Cid Rims neueste EP hatte letzte Woche auf Pitchfork Advance Premiere. Das ist schon bemerkenswert.


„Mute City“ selber ist eine ebenso großartige wie logische Folge-EP zu „Cid Rim“. Große Sprünge oder Überraschungen bleiben aus – es braucht sie aber auch überhaupt nicht. Cid Rim entwickelt sich weiter, um gleichzeitig seinem leicht verspulten Sound treu zu bleiben – in Zeiten, wo sogar ein Rustie gelegentlich recht straight in TNGHT-Manier daherblubbert, definitiv ein Segen. „Animus/Anima“ treibt entspannt und wunderbar sonnig vor sich hin. „Red Ocean“ ist ein Synthiegewitter, dass durch die fast dramatischen Drums (nicht vergessen: Cid Rim ist ausgebildeter Schlagzeuger) getragen wird. Das Video dazu ist so simpel wie verblüffend – mit Farbverschiebungen, wie ein sich leicht bewegtendes Artwork –, hat sicher fast nichts gekostet, erfüllt aber voll seinen Zweck, nämlich dort zu sein, wo Leute heute auch nebenher Musik hören, auf Youtube. „Fade“ riecht streckenweise ziemlich nach Disclosures „White Noise“ und kann sich gemeinsam mit der stakkato-artigen Titeltrack auf jeder Tanzfläche sehen lassen. Insgesamt eine absolut runde Sache. Ja, so darf das gerne weiter spulen.


(8/10)

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