Poolbar Blog

2017


2016


2015


2014


2013


2012


2011


2010


2009


2008


Bilderbuch - Feinste Seide

Interessanter Pop nascht nicht nur am Hype mit, er befruchtet ihn. Wie die neue EP von Bilderbuch. Sie trägt mit Vocoder und Drum-Computer Schicht um Schicht auf alte Wände auf.
von Franziska Tschinderle, erschienen wie so viele andere spannende Reviews auf thegap.at

Mit dem österreichischen Indie-Pop war das immer schon so eine Sache. Man lobte euphorisch ihre Platten, um sie darauf hin aus den Augen zu verlieren. Vielleicht weil ihre Videos und Frisuren irgendwann zu ähnlich und ihr Faible für britischen Pop bald zu offenkundig war. Klar, Francis International Airport haben uns Anfang diesen Jahres mit einer Synthpop-Platte überrascht. Außerhalb der Wiener Blase stand dieser Sound aber längst auf der Tagesordnung. Interessante Pop-Künstler partizipieren nicht nur am Hype, ihre Musik befruchtet ihn – macht den Hype selbst zum Parasiten. Und der Hype nagt an Bilderbuch.

2009 tapezierte die Band mit "Nelken und Schillinge" heimischen Indie-Zirkel neu aus: Solche mathematischen Rythmus,- und Riffwechsel kannte man von den frühen Alben der Arctic Monkeys. Dass man die Songs am Album drauf komplett skelettierte und aus einer anderen Perspektive neu aufsetzte, hatte Charme – wenn auch einen düsteren ("Die Kirschen waren toll"). Man hat sich bereits damals gefragt, ob Maurice Ernst und Bilderbuch ernsthaft nur für sich stehende, individuelle Platten machen wollen. Wie unösterreichisch?

http://sigma-server.com/arni/bilderbuch/PREVIEW/img/feinsteseide_cover_small.jpg
Sie wollen nicht nur, sie können: Diesmal mit rot-weißen Punkten. Und wasserstoffblonden Haaren. Nach der teils sehr dichten Percussion ("Lambrusco", "Karibische Träume") folgt außer einer Neu-Besetzung des Schlagzeugs auch noch die Entdeckung des Drum-Computers. Der tickert in der R'n'B Ballade "Moon-Boots" (bisher nur auf der Vinyl-Version aber schon geyoutubed) vor sich hin, darüber weiche Keyboard-Flächen, Falsettchöre und Stille. Stille, die mit dem Glamour eines Autotune-Effektes plötzlich die nötige Kraft bekommt, ein Refrain zu werden. In "Maschin" klingen die Gitarrenriffs wie Bläsersätze, das Solo am Ende von "Plansch" nach Gitarre mit den Zähnen gespielt, der Vocoder dazwischen übelst nach Weltraum. Und in der Titelnummer "Feinste Seide" fängt der Gesang gedehnt und nasal zu Sprechen an: "Ich bin wieder da. An der  Bar, deine Wahl. Ein Rebell, Rebell, Rebell wie ein Hund- auf der Jagd."

Ja. Wuff! (8/10)

0 Kommentare
Anmelden zum Kommentieren