Poolbar Blog

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Wider die Krise im Land Of The Free

Die grafische Linie des 16. poolbar-Festivals tritt der allgegenwärtigen Wirtschaftskrise mit Wild-West-Romantik entgegen.

Das Feldkircher Designbüro Wohnzimmer, erst vor kurzem für die letztjährige poolbar-Festival-Kampagne mit dem Vorarlberger Werbepreis AdWin ausgezeichnet, hat eine ganz eigene Krisenintervention entwickelt.

Im westlichen Leben stolpert jede/r öfter als gewünscht über das inflationär gebrauchte Zitat „Erst wenn der letzte Baum gerodet, der letzte Fluss vergiftet, der letzte Fisch gefangen ist, werdet ihr feststellen, dass man Geld nicht essen kann.“ Bei allem Pathos, aller Abgedroschenheit: Diese Weissagung der Cree, einem Indianervolk Nordamerikas, ist aktuell wie eh und je. Und sie bildet die Grundlage der grafischen poolbar-Linie 2009. Wegen der Besiedelung des amerikanischen Kontinents durch unzählige EuropäerInnen wurden die Cree und viele weitere Indianerstämme in eine Situation gebracht, die man durchaus auch als Wirtschaftskrise bezeichnen kann, wenn die unfassbare Dezimierung der Büffel und das Zurückdrängen der First Nations, wie zB die Cree es sind, in Reservate greifbarer erscheint als Immobilienspekulationen und Hedge Fonds.

Wunsch nach Freiheit
Die amerikanischen Ureinwohner versuchten, ihre Freiheit zu verteidigen – mit wenig Erfolg, wie die Geschichte lehrt. Die US-Hymne besingt zwar das „Land Of The Free“, für die Indianer galt dies nach dem „Zivilisationsprozess“ allerdings nicht mehr. Auch in Zeiten von Wirtschaftskrisen dringt bei vielen in der Bevölkerung der Wunsch nach Freiheit an die Oberfläche: Man erkennt, wie abhänging auch der/die Einzelne von undurchsichtigen monetären und ökonomischen Systemen ist – und möchte diese Ketten sprengen.

Reservat poolbar
Das Wohnzimmer, seit jeher für die grafische Gestaltung des poolbar-Festivals zuständig, bringt nun das Damals und das Heute in Verbindung und macht aus der poolbar ein Reservat der Freiheit, bietet ideellen Schutz durch romantisierten Wild-West-Kitsch – und kritisiert dabei fast beiläufig die Mechanismen, die Wirtschaftskrisen heraufbeschwören: Hauptsache, es wird konsumiert, selbst wenn gar kein Geld da ist, kein Umdenken findet statt, lieber wird an brüchigen Plänen festgehalten.
Bildhaft umgesetzt bedeutet dies: Indianerköpfe auf T-Shirts, klare Quellen, an denen einsame Indianer ihre Pferde tränken, Sonnenuntergangshimmel und Wattewolken. Hugh!

Der Countdown läuft
In wenigen Wochen, ab dem 3. Juli, kann das Reservat poolbar von Freiheitssuchenden bevölkert werden. Das Reservatsleben wird sehr abwechslungsreich sein, denn neben großen musikalischen Acts – Art Brut, Keziah Jones, Trail Of Dead, Guru’s Jazzmataz, Grandmaster Flash, Dropkick Murphys, Buraka Som Sistema, Boban i Marko Markovic Orkestar, Calexico, Portugal.The Man, Morcheeba, Does It Offend You, Yeah?, Jennifer Rostock, Fiva + Kamp, Mediengruppe Telekommander, Zombie Nation, The Rakes, Telepathe, Ed Rush, The Black Lips, Carl Craig und Anti-Flag (um nur eine kleine Auswahl zu nennen, das vollständige Programm findet sich hier) – bietet das Festivalprogramm wieder Kino (Feature- und Kurzfilme), Kabarett, Literatur (zB Lesung mit Austrofred, „Ich rechne noch in Schilling“, am 26. Juli), Tanz und Kunst.
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