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WhoMadeWho im Interview

Langsam werden sie ja doch erwachsen. WhoMadeWho aus Dänemark erklären, warum sie Alkohol den harten Drogen vorziehen, warum es einfach ist, DJ zu sein und wie sie mit ihrem neuen Album "Dreams" (VÖ: 28.02.2014) endlich von zuhause ausziehen können.

 

Sie machen jetzt voll auf indie. WhoMadeWho veröffentlichen ihr fünftes Album "Dreams" auf einem eigenen Label und geben die elektronischen Einflüsse bei Kompakt wieder ab. Konnte man sie bei ihren letzten Alben noch ganz einfach auf die Kante zwischen Club- und Rock-Act stellen, ohne jemanden damit zu beleidigen, wird es auf "Dreams" schon etwas schwieriger. Sagen wir einfach Pop dazu.

The Gap-Redakteur Benjamin Agostini hat Tomas Høffding (Bass), Jeppe Kjellberg (Gitarre) und Tomas Barfod (Schlagzeug) zum Interview getroffen und seinen Artikel auf thegap.at veröffentlicht.

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Geht ihr immer noch so oft in Clubs wie früher?

Tomas B: Ich denke wir waren nie so eine richtige Club-Band. Natürlich gingen wir aus und so, aber nur als Band und nicht als normale Clubbesucher.

Tomas H: Also eigentlich fand ich elektronische Musik vor WhoMadeWho richtig scheiße. Ich war eher so ein Rock-Dude, aber die ersten vier Jahre mit der Band waren für mich wie eine Explosion elektronischer Musik und erst da wurde mir klar, wie cool es ist in einen Club zu gehen. Meistens waren das nur Aftershow-Parties von Clubs, in denen wir spielten und je größer wir wurden, desto mehr eigene Venues spielten wir als normale Rockband, ohne nachher noch in den Club zu gehen.

Wie sieht es mit Alkohol und Drogen aus? Das gehört doch zum Clubbing dazu.

Tomas B: Alkohol ist leider bei unseren Live-Shows stark eingebunden. Also nicht "leider" aber es gehört dazu.

Jeppe: Wir werden von den Veranstaltern vor der Show oft gefragt 'Also was braucht ihr? Alkohol, Drogen?'. Das war anfangs ganz schön bizarr und einschüchternd, aber wir sind ja keine Drogen-Band.

Tomas H: Um ehrlich zu sein, sind wir ständig von Drogen umgeben, aber wir lassen die Finger davon.

Tomas B: Wenn wir keine Familien hätten und ein paar Partydrogen nehmen würden, wären wir wahrscheinlich schon viel größer. So funktioniert eben die Club-Szene. Auf den Afterparties lernen sich die Leuten eben über Drogen kennen. Ich habe schon ein paar richtig schlechte DJs gesehen, die bekannt wurden, einfach weil sie mit den richtigen Leuten was eingeworfen haben.

Tomas H: Bis jetzt haben wir es vermieden irgendwas zu nehmen, außer Wodka. Manchmal bin ich vor Konzerten richtig geschafft vom Touralltag, aber ich denke man schuldet dem Publikum, eine gute Show abzuliefern. Also gibt es vor der Show ein halbes Glas Wodka auf ex. Es ist besser als Kokain und sogar fast schon gesund. Ein guter Wodka-Schub vor der Show kann richtig viel ausmachen.

Tomas B: Wir haben diesen Pakt geschlossen, der wirklich wichtig für uns ist. Wenn einer die Wodkaflasche nimmt und losbrüllt müssen alle trinken, egal wie schlecht es den anderen geht oder ob jemand fahren muss.

Tomas H: Ohne jetzt wie ein Heiliger zu klingen, aber es gibt einige Gründe, warum die Band noch besteht. Ein Grund davon ist, dass wir keine harten Drogen nehmen. Es zehrt einfach an dir. Außer du bist fucking Keith Richards und du kriegst gutes Zeug gratis. Dann würdest du es mit Sicherheit ständig nehmen. Mann, ich wäre gerne Keith Richards.

Viele gute Bands nehmen Drogen.

Tomas H: Die lösen sich auch nach zehn Jahren wieder auf. Uns gibt es hoffentlich noch etwas länger. Also um es zusammenzufassen: Purer Wodka in den richtigen Mengen ist die beste Droge. Alkohol in seiner puren Essenz ist eine unterschätzte Partydroge!

Tomas B: Wir sind auch keine 22-jährige Indie-Band mehr, die sich nicht mehr an die letzte Europa-Tournee erinnern kann. Wir haben Familien, fahren unsere Kinder am Montagmorgen zur Schule und das ganze Zeug.

Tomas H: Andererseits müssen wir für unsere Live-Auftritte in der richtigen Stimmung sein. Unser Publikum dreht oft völlig durch, da müssen wir uns anpassen, sonst wäre es nur geschauspielert.

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Auf "Dreams", euerem neuen Album, klingt ihr viel seriöser als auf den Vorgängern.

Tomas B: Es ist vielleicht nicht so verspielt wie unsere alten Alben. Wir haben das ganze unwichtige Zeug rausgeschnitten und nur das starke Grundmaterial behalten. Wenn eine Gesangsspur nicht richtig funktionierte, haben wir sie gestrichen und haben eine einfachere, klarere aufgenommen.

Denkt ihr, dass ihr mehr Fokus auf eure Lyrics legt?

Tomas H: Wir haben das erst neulich diskutiert. Ich denke sie sind einfach anders. Auf unseren alten Alben dachten wir, eine verrückte Sichtweise auf Dinge zu haben ist das Wichtigste. Dieses Mal wollten wir uns einfach nicht dafür schämen, ein einfaches Liebeslied zu schreiben. Es halten sich diese Songs, die nachvollziehbare Gefühle ausdrücken, einfach länger, als welche bei denen es darum geht: 'ich liebe dich, aber nur in einer komischen Federboa'.

Tomas B: Wir wussten einfach genau was wir wollten, damit hatten wir genug Zeit um uns auf die wichtigen Dinge zu konzentrieren. Der Gesang sollte richtig klingen, die Lyrics sollten klar hervorkommen. Die Produktion sollte simpel und trotzdem besser sein.

Tomas H: Wir hatten zum ersten Mal einen echten Gesangscoach. Man muss zwar jede Zeile tausend Mal wiederholen, aber ich bin wirklich zufrieden mit dem Output.

Werdet ihr bei euren Auftritten jetzt auch seriöser?

Alle einstimmig: Neeeein.

Tomas B: Die letzten vier Jahre wurden wir trotzdem viel professioneller, was unsere Shows angeht. Früher haben wir einfach darüber gelacht, wenn irgendwas kaputt ging oder wir keine Zeit zum Proben hatten. Auf der Bühne sind wir immer noch die selben, aber alles Technische haben wir über die Jahre stark verbessert.

Tomas H: Als wir angefangen haben an "Dreams" zu schreiben, wussten wir welche Dinge wir nicht machen wollten: Dass wir die verrückten Dinge nicht nur der Verrücktheit halber machen wollten, dass wir die neuen Songs nicht in übertriebener Produktion ertränken wollten und dass wir keine Radio-Singles machen wollten. Das witzige daran ist, dass wir total daran gescheitert sind, keine Radio-Singles zu machen.

Meiner Meinung nach haben es DJs als Live-Act einfacher. Sie haben nicht so viel Equipment zu schleppen und können sich ansaufen, wenn es ihnen passt.

Tomas H: Um ehrlich zu sein können wir auch extrem betrunken spielen.

Tomas B: Glauben wir zumindest (lacht). Ich weiß noch, als wir auf einem Boot spielten und Tomas lag irgendwo völlig betrunken herum und unser Manager musste ihn auf die Bühne schleifen. Beim Auftritt war er plötzlich wieder top-fit und spielte perfekt. Danach war er wieder halb im Delirium.

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Für "Dreams" habt ihr euer eigenes Label gegründet.

Tomas H: Das hat unser Manager ins Leben gerufen. Er lebt einfach seinen Traum ein Label-Boss zu sein.

Tomas B: Es war immer schon so, dass er unseren Labels sagen musste, was wir brauchen. Also hat er sowieso schon immer vorgegeben, in welche Richtung es ging, daher machte es nur Sinn uns von den Labels zu befreien und unser eigenes Ding zu machen. Wir hatten großes Glück Teil von zwei sehr liebevollen Labels zu sein. Gomma wurde zur Familie für uns und sie haben uns in die richtige Richtung gestoßen und Kompakt ist auch ein sehr stolzes Label, bei dem wir es liebten dazuzugehören. Aber wir dachten einfach, dass wir mittlerweile auf eigenen Füßen stehen können. Wir ziehen jetzt von zuhause aus.

 

Das Interview von Benjamin Agostini mit der dänischen Band WhoMadeWho ist in voller Länge auf thegap.at zu lesen.

 

"Dreams" von WhoMadeWho erscheint am 28. Februar auf Darup Associates.

WhoMadeWho spielen am 31. März im Brut in Wien.

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